„Menschen die sehr resilient sind, sind beruflich erfolgreicher, haben eher stabile Beziehungen, sind psychisch und physisch gesünder!“ – Psychologin, Trainerin & Coachin Amelie Schomburg

Amelie Schomburg
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Gerade habe ich in meinem beruflichen Leben wieder viel Stress – bedingt durch den Spagat zwischen altem und neuem Job, also meinen derzeitigen Professionswechsel. Ich kann damit allerdings gut umgehen; habe Bewältigungsstrategien für mich gefunden. Viele andere würden in meiner Situation vielleicht ins struggeln kommen.

Gut, dass es Menschen wie Amelie Schomburg gibt, die einem bei genau solchen Themen zur Seite stehen… Wie sie das das tut, könnt Ihr im nachfolgenden Interview lesen – und dabei noch einiges über ihre (und für Eure) Selbstständigkeit lernen!

Liebe Amelie, Du bist Psychologin, Trainerin und Coachin mit dem Schwerpunkt Stress und Resilienz. Bis Anfang des Jahres warst Du noch in einer Unternehmensberatung fest angestellt. Warum hast Du gekündigt und den Weg in die Selbstständigkeit gewählt?

Das hatte mehrere Gründe. Ich hatte zwar auch viel Spaß in der Beratung und tolle Kollegen, aber ich hatte irgendwann das Gefühl mich immer mehr von der Psychologie zu entfernen. Psychologie – das Studium, war damals bei mir eine totale Leidenschaft und irgendwie fehlte mir im Arbeitsalltag sehr oft der Bezug.

Außerdem haben wir in der Beratung nur an der Oberfläche kratzen dürfen. Leider. Ich wollte Menschen gerne noch mehr helfen, mich intensiver mit ihnen auseinandersetzen können. Aber oft fehlte dazu die Zeit (oder das Budget 😉 ) und das hat nach einer Weile doch ziemlich an mir genagt, weil ich einen anderen Anspruch an meine Arbeit hatte.

Mit Stress kann jede*r etwas anfangen – oder eben nicht. 😉 Der Begriff Resilienz ist vielleicht nicht jederfrau geläufig. Erklär uns doch bitte was damit gemeint ist. Zumal Du auf Deiner Über-mich-Seite sagst: „Ich bin der festen Überzeugung, dass eine ausgeprägte Resilienz die Grundlage für ein erfolgreiches berufliches und persönliches Leben ist“.

Resilienz bedeutet „Psychische Widerstandsfähigkeit“. Manchmal wird es auch mit Immunsystem der Seele übersetzt. Wenn wir sehr resilient sind, dann können wir besser mit negativen Lebensumständen, Krisen, Herausforderungen umgehen und erholen uns auch schneller von ihnen. Vielleicht lernen wir sogar noch etwas daraus und können daran wachsen.

Wir stecken eben nicht den Kopf in den Sand, sondern machen das Beste aus der Situation. Das hat natürlich auch etwas mit Stress zu tun. Denn wer sehr resilient ist, ist eben auch weniger anfällig für den „klassischen Stress“. Resiliente Menschen zeichnen sich durch positive Lebenseinstellungen aus. Sie sind selbstbewusst, handlungsorientiert und streben nach ihren Zielen.

Dass Resilienz die Grundlage für ein erfolgreiches Leben ist, ist übrigens nicht nur meine Meinung, sondern zeigt sich auch in der Forschung. Menschen die sehr resilient sind, sind oft beruflich erfolgreicher, haben eher stabile Beziehungen und sind psychisch und physisch gesünder!

„Mein Ziel ist es Menschen zu helfen mit den Herausforderungen und ungeplanten Gemeinheiten des Lebens besser umgehen zu können“, heißt es auf Deiner Website. Wie stellst Du das an? Oder anders gefragt: Wie läuft ein Coaching bei Dir ab, wenn ich mich als Privatperson an Dich wende?

Das ist so unterschiedlich wie eben Menschen auch unterschiedlich sind – und die Anliegen weswegen jemand ins Coaching kommt. Das fängt natürlich erstmal damit an, dass wir eine Bestandsaufnahme machen. Wo steht die Coachee gerade? Was sind die aktuellen Herausforderungen? Welche Ziele hat sie für das Coaching? Je nachdem welche Herausforderungen dort herausstechen und welche Ziele sie erreichen möchte, schauen wir natürlich wie man mit denen umgehen kann.

Ich arbeite gerne mit einem Resilienz-Model, das Resilienz auf sieben Bereiche einteilt. Das heißt, wir fangen dann meistens an, in dem wir uns diese Bereiche anschauen und gucken wo die Defizite sind.

Aber Menschen kommen nicht nur für Resilienz-Coachings zu mir, sondern es können beispielsweise auch Entscheidungsfindungen sein. Es läuft also kein Coaching ab wie das andere.

Du bietest auch Trainings für Unternehmen an. Diese richten sich an „Führungskräfte und Mitarbeiter, die ihre psychische Widerstandskraft für ihren Arbeitsalltag stärken wollen“. Wie unterscheidet sich dieses Angebot von Deinen Coachings? Unterscheidet es sich überhaupt, mal abgesehen von der Zielgruppe?

Ein Training für eine Gruppe unterscheidet sich natürlich von einem 1:1-Coaching. Es ist ja gar nicht möglich in einem 1-bis-2-Tage-Training so intensiv auf einzelne Personen einzugehen, wie in einem 1:1-Coaching. Das heißt, in den Trainings ist es oft theoretischer. Andererseits kann es für die Teilnehmer sehr hilfreich sein von den Erfahrungen der anderen zu hören. Allein schon zu wissen, dass andere Menschen eben auch Stress haben, kann es leichter machen mit dem eigenen Stress umzugehen. Im Idealfall folgt für die Teilnehmer dann noch ein 1:1-Coaching, um das Gelernte intensiv zu vertiefen.

Im Zitat, dass ich eben von Dir verwendet habe, sprichst Du von „ungeplanten Gemeinheiten des Lebens“. Welche ungeplanten Gemeinheiten sind Dir in Deiner bislang noch jungen Selbstständigkeit begegnet?

Bisher noch relativ wenige. Zumindest so wirkliche „Gemeinheiten“. Herausforderungen habe und hatte ich natürlich eine ganze Menge. Man muss sich ja viele neue Dinge aneignen – ob das nun bürokratische Dinge wie Steuern etc sind, oder aber so etwas wie Akquise, was man ja als Festangestellte auch nicht unbedingt kennt. Klar, habe ich auch Absagen und Aufträge nicht bekommen, Coaching-Kunden, die dann doch nicht zu mir kamen oder auch einen Vortrag den ich halten wollte, der sich einfach überhaupt gar nicht verkauft hat und dann abgesagt werden musste… Aber ich denke, das sind einfach Dinge die dazugehören und je mehr man so etwas erlebt, desto leichter fällt es dann wohl auch damit umzugehen.

Amelie Schomburg

Unsicherheiten – auch die erwähnst Du im Zitat. Meiner Erfahrung nach – ich bin jetzt fünf Jahre freiberuflich unterwegs – ist dieses Wort untrennbar von der Selbstständigkeit und für viele der Grund sich nicht selbstständig zu machen. Wie gehst Du mit diesen Unsicherheiten um?

Das ist, glaube ich, noch etwas an das ich mich gewöhnen muss. So eine Art von finanzieller Unsicherheit, wie ich sie jetzt habe, kannte ich ja aus der Festanstellung gar nicht. Aber ich habe mich versucht so gut es geht abzusichern. Zahle beispielsweise in die freiwillige Arbeitslosenversicherung ein. Ich weiß also ganz rational, dass mir nichts passieren kann. Im Zweifel kann ich mir auch immer wieder eine Festanstellung suchen. Wenn diese Unsicherheiten auftauchen, dann hilft es mir das aktiv zu sagen: „Liebes Gehirn, danke, dass du mich schützen willst, aber deine Ängste helfen mir gerade nicht weiter und sind auch völlig unbegründet. Guck mal, ich bin doch so und so abgesichert.“

Außerdem gewinnt mein Freiheits- und Selbstbestimmungsdrang über jede Unsicherheit. 😉

Neben Coachings und Trainings – die Du ja übrigens auch für gemeinnützige Vereine, Universitäten und Schulen anbietest, bietest Du auch regelmäßig offene Workshops in Hamburg an. Erzähl uns mehr. Wer kann da hinkommen? Was lernen die Teilnehmer*innen da von Dir?

Jeder kann da hinkommen 🙂 Aktuell finden nur Resilienz-Workshops statt, aber das Angebot werde ich Stück für Stück erweitern. Stressmanagement-Workshops beispielsweise.

In den Resilienz-Workshops gibt es einen bunten Mix aus Theorie und praktischen Übungen. Was genau Resilienz eigentlich ist, wie der Begriff und die Forschung dazu entstanden ist, wie es sich zusammensetzt und wie man die einzelnen Komponenten der Resilienz stärken kann. Wie man beispielsweise eine optimistische Grundhaltung trainieren kann. Oder welche Denkfehler wir oft im Alltag machen, die nicht besonders förderlich sind und wie man dagegen vorgehen kann.

Bei den offenen Workshops mag ich sehr gerne, dass die Teilnehmer sich untereinander oft nicht kennen. Das hat den Vorteil, dass ein ganz breiter Mix aus Erfahrungen und beruflichen Hintergründen zusammen kommt, was den Austausch untereinander sehr spannend macht.

Apropos lernen: Eine Teilnehmerin Deines Resilienz-Workshops sagt, dass Du ihr „unheimlich viel Wissen und hilfreiche Tools vermittelt“ hast. Ziel erfüllt. 😉 Denn Du willst, wie Du selbst sagst, psychologisches Hintergrundwissen und praktische Übungen zur Stärkung der eigenen psychischen Widerstandsfähigkeit. Kannst Du uns vielleicht eine solche Methode verraten?

Puh, mich auf eine beschränken? 😀 Aber eine Übung die ich total gerne mag ist die „Best Possible Self“-Übung. Die sorgt dafür unsere optimistische Grundhaltung zu stärken und hilft oft sich Zielen klar zu werden. Außerdem fühlt Frau (also ich zumindest) sich hinterher total beseelt.

Bei der Übung geht es darum sich einen Zeitpunkt in der Zukunft zu nehmen – 5 Jahre, 10 Jahre, schon in der Rente – und sich zu überlegen, wenn alle Ziele und Träume die man so hat wahr geworden wären, wie würde dann das Leben zu diesem Zeitpunkt aussehen. Dazu sollte man sich wirklich Zeit nehmen und alles so detailliert wie möglich aufzuschreiben. Wie lebe ich? Welche Beziehung habe ich? Wie sieht meine berufliche Situation aus… und, und, und. Es ist eine tolle Übung, um sich klar zu machen, dass manche Ziele vielleicht gar nicht so unerreichbar sind, wie man so denkt. Man entwickelt dann oft einen positiven Blick für die Zukunft.

Wie hast Du Dir eigentlich Dein Wissen angeeignet? Ich habe in Erfahrung bringen können, dass Du erst Psychologie studiert und dann noch Ausbildungen zur Personal- und Business Coachin sowie zur Resilienz-Trainerin gemacht hast. Erzähl doch mal.

Genau, ich bin studierte Psychologin. Daher kommt natürlich ein Großteil meines Wissens. Zusätzlich habe ich dann eine Coaching-Ausbildung gemacht, Resilienz und Burnout-Prävention und gerade mache ich noch eine Weiterbildung zum Mental Coach. Daneben konsumiere ich natürlich jede Menge Literatur oder auch mal Online-Kurse zu meinen Themen. Ich finde es super wichtig sich immer weiter zu bilden. Ich merke aber auch, dass ich aufpassen muss nicht in einen Fortbildungs-Wahn zu kommen 😀

Dich kann man übrigens nicht nur in Persona, sondern auch online treffen – zum Beispiel als Autorin von Beiträgen auf Deinem eigenen Blog „Tiny Psychologist“. Du schreibst dort u. a. über Themen wie Perfektionismus und Motivation, gibst Tipps zum Loslassen und Akzeptanz. Wenn Du einen Artikel zum Thema „Stressvermeidung für Selbstständige“ schreiben müsstest, welche Ratschläge würden da von Dir drinstehen?

Wahrscheinlich ziemlich viele Dinge, die ich auch Festangestellten raten würde. Einen Ausgleich zum Stress finden – Sport zum Beispiel. In stressigen Phasen die Zeit einräumen um Freunde zu treffen (das Kuschelhormon, das bei sozialen Verbindungen ausgeschüttet wird, ist ein super Schutz vor Stress 😉 ). Atemübungen einbauen oder Meditationen zur Entspannung.

Selbständigen würde ich wahrscheinlich noch raten sich feste Pausen einzubauen; vielleicht ein Feierabendritual entwickeln. Man kann ja als Selbstständige immer arbeiten und irgendetwas gibt es dann doch immer zu tun – feste Pausen oder Feierabendrituale können da helfen.

Ich würde auch raten, dass man Stress nicht unbedingt als etwas Negatives sehen sollte. Stress kann uns eben auch sehr viel Energie geben und helfen uns zu fokussieren. Wenn man beispielsweise vor Kundenterminen aufgeregt ist und das als negativen Stress wahrnimmt, könnte man auch versuchen das neu zu deuten. Als Vorfreude. Man freut sich total auf diesen Termin und ist bereit sein Bestes zu geben. Ist doch eigentlich super, dass der Körper sich ebenfalls darauf vorbereitet und nochmal richtig viel Energie zur Verfügung stellt. Allein diese kleine Veränderung im Mindset kann schon helfen.

Lektüre von Blogbeiträgen – guter Aufhänger… Du verrätst über Dich selbst: „Unsere Wohnung wird hauptsächlich durch meine stetig wachsende Sammlung von Büchern (ja, ich lese sich auch!) dominiert, denn ich kann an keinem Buchlanden vorbeigehen“. Sehr sympathisch, kann ich auch nicht. 😉 Welche Bücher kannst Du nenne, wenn ich Dich nach einer Buchempfehlung zum Thema Selbstständigkeit und nach einer zum Thema Stress frage?

Ehrlich gesagt habe ich zum Thema Selbständigkeit gar kein Buch gelesen. Alle bürokratischen Dinge die man so wissen muss, habe ich mir dann doch aus dem Internet geholt.

Zum Thema Stress kann ich „The Upside of Stress“* von Kelly McGonigal sehr empfehlen. Gibt es leider bisher nur auf Englisch. Aber es hat meine Sicht auf Stress nochmal total hinterfragt.

Abschließend möchte ich Dir gerne noch den Raum geben, etwas loszuwerden, das Du loswerden möchtest. Egal was. Schieß los!

Hmm, ich könnte jetzt einen Aufruf starten „Kümmert euch um Eure psychische Gesundheit! Nicht nur die körperliche! Die psychische Gesundheit ist ebenso wichtig!“ Aber ich glaube, das lasse ich 🙂

*Noch ein kleiner Hinweis: Meine Empfehlungen enthalten Affiliate-Links des Anbieters Amazon. Wenn Ihr über diese Links z. B. ein Buch kauft, erhalte ich eine kleine Provision.

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