„Ich liebe es besondere Momente, Persönlichkeiten und Emotionen für die Ewigkeit festzuhalten“ – Alena Zielinski, Fotografin

Alena Zielinski

Vergangenen Samstag habe ich mit 30 selbstständigen Frauen den dritten Geburtstag von Frau, frei & gefeiert – mit einer „Cake & Delight“-Party. Was neben Kuchen und Lightning Talks nicht fehlen durfte, war jemand, der das ganze Spektakel in Bildern fest hält.

Diese Aufgabe hat Alena Zielinski übernommen, die schon seit geraumer Zeit Mitglied der Frau, frei &-Community ist. Zum Dank, und weil es einfach an der Zeit war, gibt es auch ein paar Fragen an sie. 🙂

Liebe Alena, Du hast zunächst als festangestellte Mediengestalterin und zuletzt als Fotografin bei Verlagen und Unternehmen in Hamburg gearbeitet, wie z. B. bei diversen Agenturen, Gruner + Jahr, dem Bauer Verlag oder im Jahreszeiten Verlag – wo wir uns auch kennengelernt haben. Wie kommt es, dass Du mittlerweile freiberuflich unterwegs bist?

Ich habe gut 10 Jahre in Festanstellungen gearbeitet. Ich bin an meinen Aufgaben gewachsen, habe viel Neues gelernt und wunderbare Menschen kennen gelernt. Ich habe durch die Medienwelt viele Erfahrungen im Digital- und Printbereich und unterschiedlichste Kontakte gesammelt. Das war eine gute Grundlage für die Selbstständigkeit. Ich packte nur noch eine große Prise Mut ein und haute mein Erspartes in meinen Start der Selbstständigkeit statt in eine Weltreise. Ich wollte frei sein und für unterschiedliche Kunden arbeiten. Die Neugier auf etwas Neues trieb mich an.

Dein Schwerpunkt hat sich in der Zwischenzeit auf die Fotografie verlagert. Wie kam es dazu? Hast Du Deine Leidenschaft zum Beruf gemacht?

Fotografie hat mich stets begleitet. Ich entwickelte als Kind die Fotos im Hauseigenen Fotolabor meines Vaters, die wir zum Trocknen im ganzen Haus verteilten. Unsere Köpfe flogen über die Motive und wir diskutierten über die Ergebnisse. Das machen wir auch noch heute, jedoch schauen wir nun den Bildschirm dabei an.

Ich arbeitete bereits mit 19 Jahren in einem Fotostudio, wo es noch Filme gab und kein Photoshop. Ich bin ein kleiner Fotofreak. Eine Reise ohne Kamera? Ohne mich.

Der Weg ging dann zunächst weiter mit Grafikdesign, um meine Kreativität auszuleben. Ich war schon immer ein kreativer Kopf. Aber als Grafikdesignerin hast du wenig Kundenkontakt und sitzt fast nur am Bildschirm. Die Kreativität wurde auch nur begrenzt ausgelebt. Das erfüllte mich nicht mehr.

Ich ging also meinem Herzen nach und liebe heute das was ich tue. Und ich weiß ziemlich gut, wie man der Fotografie durch Bildbearbeitung den letzten Schliff verpassen kann. Also ich würde sagen, ich habe alles richtig gemacht.

Ich habe bereits einige selbstständige Fotografinnen für FF& interviewt, wie z. B. Business- und People-Fotografin Andrea Lang oder Beauty- und Modefotografin Lisa May. Wo liegt Dein Schwerpunkt?

Ich liebe es besondere Momente, Persönlichkeiten und Emotionen für die Ewigkeit festzuhalten. Meine liebsten Jobs sind Hochzeiten. Da geht mir jedes Mal das Herz auf. Auch nach den Shootings, wenn ich die Fotos übergebe, freuen sich die Paare über die eingefangenen Momente. Fast so, als ob sie erneut heiraten.

Ich arbeite aber auch in einem Hamburger Verlagshaus. Dort lichte ich im Fotostudio und Outdoor Menschen, Produkte und Reportagen für diverse Magazine ab.

Aber ich habe mich ja auch selbstständig gemacht, um das zu machen, was ich möchte und das ist ziemlich viel. Meine Fotojobs sind breit gefächert: Neugeborene, Schwangere, Familien, Yogalehrer, Businessportraits und Hotels. Ich habe auch schon unterschiedliche Persönlichkeiten abgelichtet, wie z. B. Olaf Scholz, David Hasselhoff und Barbara Schöneberger.

Ich arbeite weltweit: In Jordanien fotografierte ich Sternehotels, wie das Radisson Blu. Für eine Werbekampagne des Jordanischen Tourismusverbandes lichtete ich die Wüste Wadi Rum und die Steinstadt Petra ab. In der Eifel flog ich für die Computer Bild per Hubschrauber umher, wurde im Jeep durchgewirbelt und peitschte mit einem Wasserboot über das Wasser.

Ich mache alles mit und habe keine Angst vor neuen Herausforderungen. Im Gegenteil: Ich will Neues erleben. Das ist einfach sehr erfrischend und abwechslungsreich. Jede Woche steckt voller neuer Jobs. Ich sehe sehr viel und lerne viele interessante Menschen kennen, woraus manchmal sogar Freundschaften entstehen.

Alena Zielinski
Jordanien
Alena Zielinski
Roadtrip Frankreich, Spanien, Portugal

Dass das Thema Reisen einen hohen Stellenwert bei Deiner Arbeit einnimmt, zeigt auch Dein Travelblog Alena on Tour. Wohin hat Dich Deine letzte Reise verschlagen?

Die letzte größere Reise war ein Roadtrip – anderthalb Monate per Bus durch Frankreich, Spanien und Portugal. Ich bin ohne einen richtigen Plan gereist, aber mit viel Zeit. Zeit für mich. Dadurch habe ich sehr viel erlebt; bewusst erlebt. Als Nächstes folgen Thüringen, Frankreich, Dänemark, München, Portofino und Neuseeland. Bei manchen Zielen bin ich für Shootings gebucht, die anderen bereise ich privat.

Wenn man sich Deine Website anschaut, wird deutlich, dass Du viele Reiseberichte veröffentlichst. Wie kam es dazu? Und wie findest Du Deine Auftraggeber in der Regel?

Ich habe zuletzt zwei Jahre für das Merian-Reisemagazin gearbeitet. Als freie Fotografin wollte ich da anschließen: reisen und arbeiten. Am Anfang meiner Selbstständigkeit habe ich mich täglich um neue Jobs bemüht. Das Schöne nun: Die meisten Jobs kommen zu mir. Die Anfragen kommen über meine Fotografenwebsite, über meinen Reiseblog, ich bewerbe mich bei Magazinen, Redakteure empfehlen mich. Auf Instagram, Facebook und Twitter kann man mich zudem auch finden und ist immer dabei, wenn ich von meinem Erlebten berichte. Ich lasse meine Follower gerne an den Making-Ofs teilhaben und zeige neueste Shootings und Reisen.

Wie habe ich mir dann eine bezahlte Fotoreise vorzustellen. Urlaub ist das ja nicht? Wie verlaufen die Vorbereitungen, welches Equipment nimmst Du mit, wie gestaltet sich die Nachbereitung?

Werde ich für einen Fotojob oder eine Reisegeschichte gebucht, wo der Zielort weiter weg ist, werden die Übernachtungs- und Hotelkosten übernommen. Das bespricht man vor Auftragsbeginn mit dem Auftraggeber.

Viele denken, wenn sie meine Fotos aus dem Ausland sehen, an Urlaub und entspannte Tage. Aber ich muss diese Traumblase zum Platzen bringen: Hinter den Reportagen stecken Tage gefüllt mit Shootings, Interviews und Recherchearbeit.

In Jordanien ging der Tag um 4 Uhr morgens los und endete um 2 Uhr nachts. Dennoch habe ich durch die Shootings viel gesehen. Und, wer kann schon sagen, er sie habe einen Sonnenuntergang in einer Wüste auf einem Berg fotografieret, während Kamele gen Horizont schritten.

Meine Equipmentliste ist riesig, wenn ich unterwegs bin. Allein das Fotoequipment kann 40 Kilo wiegen. Ich denke die Auflistung würde die Seite hier sprengen. 😉 Kurz gesagt: Alles rund um Kameras und Bildgestaltung ist dabei. Alles Dinge, die die schönsten Momente einfangen sollen. Und am Ende einer Reise komme ich im besten Fall mit Speicherkarten voller Glück zurück!

Equipment von Alena Zielinski
Equipment von Alena

Auf einer Deiner Reisen lerntest Du auch den Apnoetaucher Nik Linder kennen, durch den Du zum Freediving gekommen bist. Davon berichtest Du auch in Deinem Blogpost „Schenkt Eurer Atmung mehr Leben“. Warum fasziniert Dich das Apnoetauchen so?

Apnoetauchen belebt meine Sinne. Führt zu Klarheit und macht mich glücklich.

Der Anfang war schwer, weil ich immer so hibbelig bin. Beim Training bekamen dann aber nicht mehr Zehntausend alltäglichen Gedanken meine Aufmerksamkeit, sondern ich konzentrierte mich auf eine bewusste Atmung. Es ist wichtig vor dem Tauchgang den Körper in eine Tiefenentspannung zu bringen. Wenn man dann im besten Falle völlig relaxed ist, taucht man mit dem letzten Atemzug hinab ins Wasser. Tief runter. Und immer tiefer.

Oder man schwimmt einfach nur umher und lässt die neugierigen Meeresbewohner einen Blick auf den merkwürdigen großen Taucher erhaschen. Die Tiere kommen Apnoetauchern gerne näher, denn man wirkt nicht bedrohlich und macht nicht diese Atemgeräusche wie Taucher.

Gibt es auch Parallelen zwischen dem Apnoetauchen und einer Selbstständigkeit?

In meiner Selbstständigkeit und beim Apnoe gibt es viele Gemeinsamkeiten:

  • Ich fühle mich der Freiheit näher
  • Ich erlebe viel
  • Ich probiere Neues aus
  • Ich achte darauf meine physische und mentale Kondition zu stärken
  • Ich muss mich meinem Körper bewusst werden
  • Ich bekomme mehr Selbstvertrauen
  • Ich muss Grenzen erkennen
  • Ich überschreite Ziele
  • Und ich habe großen Spaß dabei

Der Stressfaktor ist jedoch gegensetzlich. Seitdem ich selbstständig bin, arbeite ich immer. Morgens, mittags, abends. Ich muss darauf achten, das ich zur Ruhe komme. Im Apnoe kann ich der Hektik des Alltags entfliehen. Da hat Stress nichts zu suchen.

Kann eine bewusste Atmung die Selbstständigkeit fördern?

Auf jeden Fall. Mit der richtigen Atmung aktiviert Ihr Eure Lebensenergie! Viele von uns atmen falsch und schenken ihrer Atmung zu wenig Aufmerksamkeit.

Wir atmen täglich etwa 25.000 mal ein und aus und das ohne darüber nachzudenken. Dadurch nutzen wir nur gut 30 Prozent unserer Lungenkapazität. Man ist dann z. B. müde und hat Konzentrationsschwierigkeiten.

Richtiges Atmen ist enorm wichtig. Atmet man tief und langsam ein und wendet diverse Übungen an, beruhigt das den Körper und Geist und fördert die Konzentration. Probleme werden besser angegangen. Man bekommt mehr Power, Blockaden werden gelöst und man wirkt Stress entgegen.

Du bist viel unterwegs… Welche Lektionen hast Du unterwegs in Bezug auf Deine eigene Selbstständigkeit gemacht?

Ich habe einiges gesehen, was mir gezeigt hat, das der Ballast zuhause völlig egal ist. Ich habe gelernt loszulassen. Die Erlebnisse haben sich in meine Seele eingebrannt und prägen einige Entscheidungen. Das inspiriert mich.

Ich bin auch gelassener geworden und weiß nun ein bisschen besser, was ich in meinem Leben möchte. Ich bin dankbar für das was ich habe. Es ist auch wichtig, sich eine Auszeit vom Arbeiten und Müssen zu nehmen.

Wenn ich nicht beruflich unterwegs bin, brauche ich zwischendurch eine Pause, um Zeit mit mir zu verbringen und zu entspannen.

Und wie organisierst Du Dich selbst? Eine ortsunabhängige Selbstständigkeit erfordert ja sicher,
dass man sich anders aufstellt, als wenn man ausschließlich von zuhause aus arbeitet – wo z. B. alle
Unterlagen griffbereit sind –, oder?

Ich nehme zu Jobs fast alles mit. Das sind schnell mehre Gepäckstücke. Sei es in Hamburg oder im Ausland. Es kommt eher auf das Shooting drauf an. Muss ich einen Berg hochklettern, nützt mir Fotostudiobedarf nichts. Da muss ich mir meine Sachen alle sicher um den Körper schnallen. Fotografiere ich in Hamburg, kann ich mehr mitnehmen.

Fliege ich per Flugzeug zum Job, gibt es natürlich Einschränkungen. Ich kann nicht alles mitnehmen, aber fast überall kann man sich Equipment leihen. Am Flughafen sollte man sich auf laaaaange Kontrollen vorbereiten, wo man jedes Kabel, jede Speicherkarte und jeden Stift heraus holen muss.

Wichtig sind auch Journalistenvisas und die Erlaubnis auf öffentlichen Plätzen fotografieren zu dürfen.

Bisher habe ich keine größeren Probleme bekommen. In den USA wurde ich am Flughafen ins Verhör genommen, da es den Kontrolleuren seltsam vorkam, das ich in einem Jahr in Ägypten, Türkei und in Jordanien war. Ich habe die Fragen einfach beantwortet, ein anerkennendes Nicken als Antwort bekommen und durfte weiter.

Ich habe gerade in arabischen Ländern große Unterstützung erfahren und wenn es sein musste, hat uns auch mal jemand vom Militär auf die Shootings begleitet und uns nebenbei mit Bonbons versorgt, während die Panzer an uns vorbei fuhren.

Wie muss man eigentlich gestrickt sein, also charakterlich, meine ich, oder vom Mindset her, um so ein Leben zu führen, wie Du es tust? Glaubst Du, jede*r ist für diese Art der Selbstständigkeit gemacht?

Man muss sich bewusst sein: Die Straße wird nicht immer geradeaus gehen, aber man wird die Umwege zu schätzen wissen. Es gehört Mut dazu und Selbstvertrauen. Ich musste erst in die Selbstständigkeit hineinwachsen.

Freunde und Familie haben mir davon abgeraten. „Viel zu unsicher, zu viele Kosten, zu wenig Privatleben“, hieß es. Aber ich habe es trotzdem gewagt. Ich habe gerade am Anfang viele persönliche Grenzen überschritten. Das stärkt. Man muss schon starke Nerven haben, wenn es nicht gleich alles so läuft wie man es sich ausgemalt hat. Man muss sich stets antreiben und nach vorne schauen. Bei mir hat es funktioniert.

Abschließend wünsche ich mir noch einen Tipp von Dir. Einen, der uns Selbstständigen das Jahr 2018 auf jeden Fall erleichtern wird. Also, her mit Deinem ultimativen Top-Tipp! 😉

Sich neuen Herausforderungen zu stellen ist essentiell. Mit jeder neuen Erfahrung wird man stärker und lernt sich stets ein Stück näher kennen.

Vergesst nicht die Selbstständigkeit zu genießen, damit erobert Ihr die Welt und Euch. Wir Selbstständigen sind frei, in dem was wir machen und das sollte uns immer zu neuen Dingen antreiben.

Und natürlich sollen die Treffen mit anderen selbstständigen Frauen von Frau, frei & und nicht fehlen 😉
Der Austausch inspiriert mich.

Mich auch. Deshalb wird es sie natürlich auch in 2018 geben!

© Beitragsbild: Katharina Rose

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