Erik Renk ist seit seinem 19. Lebensjahr selbstständig und coacht nebenberufliche Selbstständige und Gründer, die ein Nebengewerbe anmelden möchten.
Auf seinem Blog www.einfachstartup.de gibt er nützliche Tipps an nebenberuflich Selbstständige weiter und teilt seine Erfahrungen.

2014 haben sich laut KFW-Gründermonitor 915.000 Menschen selbstständig gemacht. Eine sehr gute Nachricht ist, dass im Vergleich zu 2013 der Anteil an weiblichen Gründern um 17% auf 393.000 gestiegen ist. Von den 393.000 weiblichen Gründern haben 160.000 im Vollerwerb durchgestartet und 233.000 haben sich nebenberuflich selbstständig gemacht.

Welche Schritte sind genau zu beachten, wenn Du nebenberuflich in die Selbstständigkeit durchstarten möchtest?

Hier ist eine klare Anleitung, die Dich sicher nebenberuflich gründen lässt:

1) Muss ich ein Gewerbe anmelden?

Gewerbetreibend sind Personen, die nicht freiberuflich tätig sind. Die freien Berufe sind im §18 EStG (Einkommenssteuergesetz) geregelt und reglementiert. Der Vorteil dieser Berufsgruppen wie Ärzte, Rechtsanwälte, künstlerisch Tätige und Steuerberater ist, dass kein Gewerbe angemeldet werden und keine Gewerbesteuer gezahlt werden muss. Zudem sind sie kein Pflichtmitglied in der Industrie- und Handelskammer.

Für alle anderen unternehmerisch Tätigen bleibt nur der Gang zum Gewerbeamt. Die Anmeldung des Gewerbes kostest 20€ – 60€ und kann persönlich oder in einigen Gemeinden auch online erfolgen.

2) Melde ich ein Neben- oder ein Hauptgewerbe an?

Beim Gewerbeamt kannst Du zwischen Haupt- und Nebengewerbe wählen. Ein Nebengewerbe wird für die nebenberufliche Selbstständigkeit gewählt. Voraussetzung dafür ist ein maximaler Zeiteinsatz von 20 Stunden in der Woche. Wirtschaftlich darf die nebenberufliche Selbstständigkeit den Haupterwerb nicht überschreiten. Man spricht hier auch vom sogenannten Arbeitsmittelpunkt. Der Arbeitsmittelpunkt oder Haupterwerb kann ein Angestelltenverhältnis, Beamtenverhältnis, ein Studium oder Arbeitslosigkeit sein. Werden die zeitlichen und wirtschaftlichen Grenzen überschritten, findet eine Statusfeststellung bei der Krankenversicherung statt. Ergibt diese eine hauptberufliche Selbstständigkeit, müssen auf die Einnahmen aus der Selbstständigkeit 15,5% Krankenversicherungsbeiträge bis zur Beitragsbemessungsgrenze gezahlt werden.

Hier sollte geprüft werden, ob eine private Krankenversicherung mehr Sinn macht. Weitere Konsequenzen sind nicht zu befürchten.

3) Studenten, Beamte und Arbeitslose haben als nebenberuflich Selbstständige Besonderheiten zu beachten.

Studenten, die familienversichert sind, dürfen maximal 415€ im Monat dazu verdienen. Dieser Wert darf maximal zweimal im Jahr für zwei Monate überschritten werden. Studenten, die nicht familienversichert, aber in der studentischen Krankenversicherung sind, dürfen maximal 75% der Bezugsgröße der gesetzlichen Rentenversicherung verdienen, sprich 2.126,25 € Gewinn im Monat. Der Zeiteinsatz darf maximal 20 Stunden in der Woche betragen. Werden die Kriterien überschritten, muss der volle Krankenversicherungsbeitrag von 15,5%  auf den Gewinn gezahlt werden. Wenn der Gründer sich unsicher ist, sollte er eine Statusfeststellung bei der Krankenversicherung durchführen.

Ein Kindergeldgrenze gibt es seit 2012 nicht mehr.

Arbeitslose dürfen maximal 15 Stunden in der Woche arbeiten, ansonsten gelten sie nicht als arbeitslos. Gewinne zwischen 165€ bis 405€ im Monat werden auf das Arbeitslosengeld angerechnet. Verdienste darüber führen zur vollberuflichen Selbstständigkeit. Empfänger von Arbeitslosengeld 2 können sich grundsätzlich auch nebenberuflich selbstständig machen, haben aber umfangreichere Regelungen zu beachten, die hier nicht behandelt werden.

Tipp: Um den Gründerzuschuss zu bekommen, darf die Gewerbeanmeldung erst NACH Beantragung des Gründerzuschusses erfolgen.

Beamte dürfen sich nur unter bestimmten Voraussetzung nebenberuflich selbstständig machen:

  1. Die Einnahmen aus der nebenberuflichen Selbstständigkeit dürfen maximal 40% des Jahresendgrundgehalts betragen.
  2. Maximal 1/5 der wöchentlichen Dienstzeit dürfen investiert werden.
  3. Nebentätigkeiten sind zu melden und zu genehmigen.
  4. Die nebenberufliche Selbstständigkeit darf nicht im Konflikt mit der Behörde stehen.
  5. Sie darf dem Ansehen der Behörde nicht abträglich sein.
  6. Die Arbeitskraft darf nicht zu stark in Anspruch genommen werden.

4) Kann im Arbeitsvertrag eine nebenberufliche Tätigkeit untersagt werden?

Wie sieht es mit hauptberuflich Angestellten aus? In den Arbeitsverträgen stehen manchmal recht abenteuerliche Passagen, zum Beispiel dass eine nebenberufliche Tätigkeit genehmigt werden muss. Vor den Arbeitsgerichten hält diese Regelung allerdings nicht stand. Jeder darf eine nebenberufliche Selbstständigkeit ausüben, sofern folgende Regelungen eingehalten werden:

  1. Keine Konkurrenz zum Arbeitgeber
  2. Die geschuldete Arbeitsleistung wird voll eingebracht
  3. Es werden keine betrieblichen Mittel eingesetzt

Mein Tipp ist, dem Arbeitgeber die nebenberufliche Selbstständigkeit zu melden. Es kann ansonsten Unstimmigkeiten geben, falls dieser auf Deine neue Website stößt. Aus meiner Erfahrung hilft Kommunikation immer und vielleicht unterstützt Dein Arbeitgeber Dich sogar aktiv.

5) Wer muss Gewerbesteuer zahlen?

Gewerbetreibende müssen Gewerbesteuer zahlen. Einzelunternehmer und Personengesellschaften (Gesellschaft bürgerlichen Rechts) haben einen Freibetrag von 24.500€ Gewinn. Dieser gilt pro Gewerbe. Wenn Du zwei unterschiedliche Gewerbe ausübst, hast Du zwei Freibeträge, sofern Du sie separat anmeldest. Für Kapitalgesellschaften gilt dieser Freibetrag nicht.

6) Muss ich einen IHK-Beitrag zahlen?

Grundsätzlich ist jeder Gewerbetreibende Pflichtmitglied in der Industrie- und Handelskammer und ist verpflichtet, einen Mitgliedsbeitrag zu entrichten. Das steht im § 2 IHKG. Kleingewerbetreibende, das sind Einzelunternehmer oder GbR-Gesellschaften, können in folgenden zwei Fällen einen formlosen Antrag auf Befreiung stellen:

  1. Gewerbeertrag bleibt unter 5.200 € im Jahr (§ 3 IHKG)
  2. Wenn der Gründer in den vorangestellten fünf Jahre nicht selbstständig tätig war, kann der Gründer sich für vier Jahre befreien lassen, sofern er einen Gewerbeertrag unter 25.000€ hat und Einzelunternehmer oder GbR-Gesellschafter ist.

7) Steuerlicher Erfassungsbogen – Kleinunternehmerregelung

Bei einer Gewerbeanmeldung schickt Dir nicht nur die IHK Post, sondern auch das Finanzamt. In Deiner hauptberuflichen Tätigkeit führt der Arbeitgeber oder Dienstherr die Steuern ab. Jetzt bist Du dafür verantwortlich. Es gibt zwei wichtige Regelungen, die Dich als nebenberuflichen Gründer betreffen:

  1. Die Kleinunternehmerregelung
  2. Einnahmenüberschussrechnung und der § 141 Abgabenordnung

8) Die Kleinunternehmerregelung und die Soll- und Ist-Versteuerung

Auf dem steuerlichen Erfassungsbogen kannst Du die Kleinunternehmerregelung wählen. Du brauchst dann keine Umsatzsteuer ausweisen und monatlich an das Finanzamt abführen. Diese Regelung kann der Gründer in Anspruch nehmen, wenn im Vorjahr weniger als 17.500€ Umsatz gemacht wurde und im gleichen Jahr voraussichtlich weniger Umsatz als 50.000€ generiert wird. Bei der Auswahl Regelunternehmer kannst Du nicht zurück votieren. Die Soll- und Ist Versteuerung hat die Umsatzsteuer als Bezug und kann ignoriert werden, wenn der Gründer die Kleinunternehmerreglung wählt.

Der Nachtteil der Kleinunternehmerreglung: Die Umsatzsteuer ist eine Endverbrauchersteuer. Als Firma kannst Du Dir die Umsatzsteuer für Deine Anschaffungen wiederholen, wenn Du Unternehmer bist. Bei hohen Anschaffungskosten sollte der Gründer sich genau überlegen, ob die Auswahl Regelunternehmer sinnvoller ist.

Der Vorteil der Kleinunternehmerregelung ist die einfache Handhabung. Außerdem ist Dein Produkt für die Endverbraucher aufgrund fehlender Umsatzsteuerausweisung 19% günstiger.

9) Einnahmenüberschussrechnung

Als nebenberuflich Selbstständiger bist Du höchstwahrscheinlich auch Kleingewerbetreibender. Hier findest Du mehr Informationen zum Kleingewerbe. Im § 141 Abgabenordnung steht, dass mit einem Gewinn von weniger als 60.000€ im Jahr und weniger als 600.000€ Umsatz keine Buchführungspflicht besteht. Das bedeutet, dass der Gründer keine doppelte Buchführung braucht, keine Veröffentlichung von Jahresabschlüssen, keine Inventur und vieles mehr. Um Deinen Gewinn aus Deinem Gewerbe zu bestimmen, reicht eine einfache Einnahmenüberschussrechnung aus. Alle Betriebseinnahmen werden um Deine Betriebsausgaben und Abschreibungen (kalkulatorische Abnutzung von Wirtschaftsgütern, die steuermindernd sind) verringert. Den Gewinn musst Du dann versteuern.

Hier kannst Du Deine Einkommenssteuer berechnen. Vergesse nicht, Dein Einkommen aus der hauptberuflichen Tätigkeit dazu zu zählen.

10) Rentenversicherung und Scheinselbstständigkeit

Kniffelig wird es, sofern die nebenberufliche Selbstständigkeit nur für einen Auftraggeber durchgeführt wird und mindestens 5/6 der Einnahmen aus dieser Tätigkeit bezogen werden. Ist dies der Fall, sind die Einnahmen mit 18,7% rentenversicherungspflichtig. Ich empfehle, bei Grenzfällen eine Statusfeststellung bei der gesetzlichen Rentenversicherung durchführen. Bei erstmaliger Gründung ist eine Befreiung trotz Scheinselbstständigkeit für drei Jahre möglich (§ 6 Abs. 1a Satz 1 Nr. 1 SGB VI)

Hier kannst Du das Formular downloaden.

Fazit

Eine nebenberufliche Gründung hat die gleichen administrativen Anforderungen wie eine hauptberufliche Selbstständigkeit. Deswegen habe ich größten Respekt vor allen, die sich ein zusätzliches Standbein aufbauen. Im IHK-Gründerreport 2015 gibt es eine Planerquote. Sie sagt aus, wieviele Personen das geplante Vorhaben wirklich umsetzen. Bei nebenberuflich Selbstständigen liegt diese Quote bei 2,6 und bei Vollerwerbsgründungen bei 3,6. Das bedeutet, dass von 2,6 Menschen einer es auch wirklich in die Tat umsetzt. Das ist wesentlich mehr als bei Vollerwerbsgründungen. Es ist einfach weniger Risiko, wenn garantierte Einnahmen aus der hauptberuflichen Tätigkeit kommen und die Selbstständigkeit erst einmal getestet werden kann.

Ich wünsche allen Gründerinnen viel Erfolg!

© Beitragsbild: Eric Bailey | Pexels

2 Kommentare
  1. Joachim Tuchel sagt:

    Da stecken ja viele gute Tipps drin, und vor allem sehr schön auf wirklich kleine Starts ausgelegt. Nicht jeder will disruptiv die Welt erschüttern und schnellstmöglich viel Fremdkapital auftreiben…
    Die Sache mit der „so viel einfacheren Einnahmen-Überschussrechnung“ ist m.E. ein sehr weit verbreiteter Irrglaube.
    Schaut man sich mal die Anlage EÜR mal an, die jeder Gewerbetreibende, der keine doppelte Buchführung machen muss, stellt man sehr schnell fest, dass dort recht detaillierte Angaben zu machen sind, die über ein bloßes „So viel kam rein und so viel habe ich ausgegeben“ hinausgehen.
    Ich will hier keine Angst schüren, die Angaben sind nicht wirklich schwierig zu machen, aber man muss sich zu vielen Umsätzen ein paar Zusatzinformationen aufschreiben (Umsatzsteuer/Vorsteuer, bei Verkäufen ins EU-Ausland noch UStID-des Kunden etc.), und am Ende treibt man fast denselben Aufwand, wie bei der doppelten Buchführung. Mit dem einzigen Unterschied, dass das ganze selbst gezimmert und informell ist.
    Worauf ich letztendlich hinaus will: Es macht durchaus Sinn, sich auch als Nebenwerwerbler mit kleinen Umsätzen von Anfang an mit einer „normalen“ Buchführung auseinander zu setzen. Erstens ist sie deutlich weniger schwierig, als man denkt (zumal mit guter Buchhaltungssoftware) und zweitens hat man diverse Vorteile daraus:
    * Mehr Überblick (Trennung von Bank-/Kreditkarten-/Paypal-Konto, Ausblick auf demnächst fällige Zahlungen)
    * Nur einmal einarbeiten (steigt man voll ein und/oder überschreitet 60.000 € Umsatz p.a., muss man nicht umlernen)

    Wer sich mal ein modernes Buchhaltungsprogramm anschaut, wird feststellen, dass die doppelte Buchführung wirklich nicht schwieriger ist, als eine Einnahmen-Überschussrechnung.

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