„Ich wollte das Unternehmerische & den gesellschaftlichen Sinn zusammenbringen.“ – Interview mit Yuki vom Impact Dock Hamburg

Yukiko Kobayashi vom Impact Dock Hamburg im Interview

Es war mal wieder eine Geschichte und eine Idee, die mich sofort beeindruckt hat: Zwei Frauen veranstalten ein Essen, bei dem sich Flüchtlinge und Leute aus der Hamburger Wirtschaft treffen, feststellen, dass sie füreinander wertvoll sein können und Teil eines Mentoring-Programms werden. Hinter dieser Veranstaltung steckt kein Verein oder ein Ehrenamt, sondern das Impact Dock Hamburg, das unternehmerisch handelt und dabei Lösungen für Probleme, Trends & Veränderungen der Stadt finden will. Zu viel möchte ich aber gar nicht verraten, denn das übernimmt Yukiko Kobayashi, die das Unternehmen gemeinsam mit  Alexa Drichelt gegründet hat. Zum Interview, treffen wir uns im Café Pauline in Hamburg.

Hallo Yuki! Kommst Du gerade aus Eurem Büro?

Yuki: (lacht) Nein. Wir haben gar kein Büro, denn wir sind wirklich ein ganz und gar „leanes“ Startup. Alexa und ich arbeiten in unseren Home Offices und wenn wir Workshops oder Veranstaltungen haben, nutzen wir Räume von Leuten aus dem Netzwerk des Impact Dock. Das ist total inspirierend, weil wir so z.B. schon Workshops in einer Basketballhalle oder in Räumlichkeiten der HafenCity Universität hatten.

Wir haben zwar auch schon feste Räume bei Partnern angeboten bekommen, aber das wollten wir gar nicht. Beim Impact Dock geht es ja um Innovation, Inspiration und Begegnungen und das kann überall stattfinden. Wir beide mögen diese flexible Arbeitsweise, aber es liegt wahrscheinlich nicht jedem, sich so zu organisieren.

Du sagst, es geht beim Impact Dock um Innovation, Inspiration und Begegnungen. Wie genau funktioniert das – auch unternehmerisch?

Unser zentrales Thema ist Innovation. Dafür haben wir unser Netzwerk, das aus rund 250 Personen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen besteht. Da sind Uni-Professoren dabei, Menschen aus Stadtteilinitiativen, Startup-Gründer, Geschäftsführer aus großen Unternehmen, Millionäre, Sportler, Künstler.

In gemeinsamen Workshops überlegt ein Teil dieses Netzwerkes: Wo gibt es in dieser Stadt ein Problem? Wo braucht es eine zukunftsorientierte Lösung? Wenn wir dann das Thema gefunden haben, versuchen wir auf eine Lösung zu kommen. Auf diese Weise kamen wir auf die Zuwanderer-Thematik. Wie fragten uns: Wie können wir Zuwanderung als Bereicherung sichtbar machen? Es war klar, dass unter den Zuwanderern Berufsgruppen und Experten sind, die wir hier richtig gut gebrauchen können. Gleichzeitig haben diese das Bedürfnis nach Kontakten, Austausch und Arbeit. Eigentlich eine Win-Win-Situation für beide Seiten.

Deshalb haben wir ein Koch-Event auf St. Pauli organisiert, zu dem wir Zuwanderer und eben die Leute aus unserem Netzwerk, d.h. Personen der Hamburger Wirtschaft einluden. Daraus entstand dann das Cross-Mentoring-Programm, bei dem wir Zuwanderer über die Dauer eines Jahres mit jeweils einer Schlüsselperson aus der Hamburger Wirtschaft zusammenbringen.

Wie genau sieht dieses Programm aus?

Mentor und Mentee werden aufgrund ihrer fachlichen Kompetenzen und persönlichen Eigenschaften füreinander ausgesucht. Der Mentor hat eine businesskritische Frage, bei der der Mentee mit seinem Wissen helfen kann. Beispielsweise war ein Vertreter einer Bank dabei, der wissen wollte, welche Produkte für all die Zuwanderer, die kommen und ein Konto brauchen, entwickelt werden könnten. Welche Features sind nötig? Wie muss der Vertrieb und das Marketing gestaltet werden?

Ein anderes Beispiel: Ein Mitarbeiter eines Unternehmens übernimmt demnächst eine interkulturelle Rolle, hat aber bisher keinerlei Erfahrung im Umgang mit Auslandskontakten. Der Mentee wird in diesem Fall zum Trainer, der den Mitarbeiter für den Umgang mit der jeweiligen Kultur sensibilisiert und schult.

Es kann aber auch sein, dass ein Unternehmen sich für eine entsprechende Außenwirkung im CSR-Bereich positionieren möchte und deshalb am Programm teilnimmt. Die Möglichkeiten sind also vielfältig.

Kann man sich das wie einen festen Job vorstellen, bei dem der Mentee wie ein Arbeitnehmer täglich im Unternehmen des Mentors sitzt?

Das ist abhängig von der Aufgabe, bei der der Mentee behilflich ist. Es kann schon vorkommen, dass sich beide täglich treffen. In der Regel gibt es aber bestimmte Termine, an denen beide zusammenkommen. Zwischen den beiden besteht ja kein Arbeitsverhältnis. Es geht in erster Linie um den Kontaktaustausch und die Entwicklung auf beiden Seiten. Aber natürlich kann dieses Verhältnis auch eine Art Rampe in die Arbeitswelt sein, an deren Ende tatsächlich ein Angebot steht. Wenn Zuwanderer in der richtigen Umgebung sind, verläuft die fachliche und sprachliche Entwicklung sehr schnell.

Hinzu kommt ja auch die soziale Komponente: Raus aus der engen Unterkunft, einen Alltag haben, neue Menschen kennenlernen, Teil der Gesellschaft werden…

Natürlich! Die bringen sich dann das Fahrradfahren bei oder treffen sich am Wochenende und nehmen am jeweiligen Familienleben teil. In einigen Fällen wurden die Mentees von ihren Mentoren auch an Weihnachten eingeladen. Was für ein schöner Nebeneffekt, wenn darüber hinaus noch Freundschaften entstehen.

Ich denke oft, dass wir das Modell, so wie wir das für den Geschäftsbereich machen, auch für den privaten Bereich etablieren könnten. Stell Dir zum Beispiel ältere Leute vor, die sich mit Einkäufen und dem Haushalt schwer tun, oder Familien, die eine Kinderbetreuung brauchen. Wenn diese eine Flüchtlingsfamilie aufnehmen, könnte die dann bei diesen Dingen helfen.

Wie waren die Reaktionen der Unternehmen, auf die Ihr für das Mentoring-Programm zugegangen seid?

Die Reaktionen waren total positiv. „Nein“ gesagt hat keiner. Zwar wurden manche etwas zögerlicher, wenn es dann konkreter wurde, aber Alexa und ich haben langjährige Erfahrung in Unternehmen gesammelt und tun uns daher leicht, mit ihnen ins Gespräch zu kommen und den richtigen Nerv zu treffen.

Das war wichtig, weil wir wirklich die Top-Leute dabei haben wollten, die eine Strahlkraft à la „Ach, der ist auch dabei?“ besitzen und somit auch andere motivieren mitzumachen.

Nehmt Ihr in dieses Netzwerk nur persönliche Kontakte auf oder kann jeder dabei sein?

Jeder kann sich für unseren Newsletter anmelden, in dem es dann aktuelle Infos gibt. Der gemeinsame Nenner aller aus dem Netzwerk sollte aber eine gewisse Neugier, Offenheit und Einstellung sein: „Wir wollen Lösungen für die Probleme der Stadt finden.“

Gibt es bereits weitere Probleme, die Ihr im Workshop erkannt habt, und die Ihr in neuen Projekten bearbeiten wollt?

Wir hatten schon die Themen „New ways of getting older“ und „Neue Wege zu leben und zu arbeiten“ rausgefiltert, haben uns jetzt aber entschlossen, uns erstmal vollkommen auf das Zuwanderer-Thema zu konzentrieren, weil es noch so viel zu tun gibt.

Wie verdient Ihr Geld mit dem Impact Dock?

Wir bieten für Unternehmen auch noch Beratungen und Innovation-Journeys hinsichtlich der Themen Zukunftsfähigkeit und Innovationskraft an. Außerdem beraten wir auch Einzelpersonen, die an einem Wendepunkt in ihrem Leben stehen und sich weiterentwickeln wollen.

Gab es diesen Wendepunkt nicht auch bei Dir, als Du Dich entschlossen hast, Deinen Job aufzugeben und Dein eigenes Unternehmen zu gründen?

Ich sehe das gar nicht so sehr als Wendepunkt, sondern eher als einen ganz dicken roten Faden, der sich durch mein Leben zieht. Im Grunde mache ich jetzt die Arbeit, die ich auch vorher im Unternehmen gemacht habe. Aber der Kontext ist jetzt nicht mehr das Unternehmen und in einem weiteren Sinne die Börse, sondern die Stadt, die Menschen, die Gesellschaft.

Irgendwann wollte ich einfach etwas Eigenes machen, was die unternehmerische Komponente und den gesellschaftlichen Sinn zusammenbringt. Da war klar, ich muss aus dem Unternehmen rausgehen und mir etwas aufbauen.

Ich muss dabei immer an die Rede von Steve Jobs denken, die er in Stanford gehalten hat. Kennst Du die? Ich liebe sie! Er will darin den Studenten etwas für ihr Leben mitgeben und die Quintessenz ist: Finde Dein eigenes Leben – unabhängig von den Vorstellungen Deiner Eltern, Großeltern oder der Gesellschaft. Es ist ein Prozess und eine Reise, aber hör nie auf, danach zu suchen, was Dich glücklich macht.

Ach apropos Suche: Du hast ja das Glück, mit Alexa Deine perfekte Geschäftspartnerin gefunden zu haben. Ich dachte schon oft, ich hätte so jemanden gefunden und schnell gemerkt, dass es nicht funktionieren würde. Im Endeffekt ist es genauso schwierig, wie den Partner fürs Leben zu finden… 

Absolut, ja.

Yuki und Alexa vom Impact Dock Hamburg
Yuki & Alexa vom Impact Dock Hamburg

Wie seid Ihr Euch über den Weg gelaufen?

Sie hat einen Artikel über mich in der brandeins gelesen, den ihr ein Freund geschickt hatte mit dem Hinweis, dass das sicher interessant für sie wäre. Das war in der Silvesternacht vor einem Jahr. Daraufhin schrieb sie mir auf Linkedin eine Nachricht à la „Ich hab den Artikel über Dich gelesen und finde Deine Geschichte und Dein Vorhaben interessant.“ Dann haben wir uns getroffen und ich war total begeistert. Ich habe schon mit vielen Leuten zusammengearbeitet, aber in punkto Vertrauen, Wellenlänge, Verlässlichkeit und Begeisterung ist die Zusammenarbeit mit Alexa ein Traum. Es passt unternehmerisch und persönlich einfach so gut. Seitdem wir zusammen an der Idee arbeiten, haben wir enorm viel Fahrt aufgenommen und in kurzer Zeit sehr viel aufgebaut.

Hast Du bewusst nach dem richtigen Geschäftspartner gesucht oder war das eher ein Zufall, dass Du „die Richtige“ gefunden hast?

Doch doch. Ich habe immer geschaut, aber bisher war ich erfolglos. Ich wusste schon, dass ich lieber jemanden hätte, mit dem ich das teilen, mich freuen und durch dick & dünn gehen kann, statt es alleine zu machen. Ein totaler Glücksfall also!

 

Liebe Yuki, vielen Dank, dass ich Dir all meine neugierigen Fragen stellen durfte! Ich wünsche Alexa & Dir weiterhin viel Erfolg mit Eurem Impact Dock!

Ein paar Eindrücke von den Events des Impact Dock gibt es übrigens hier.

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