Warum Geschäftsreisen super und doof zugleich sind

Geschäftsreisen

Seit über 10 Jahren schreibt Yvonne Adamek als freie Autorin über Menschen, Länder, Fitness und Gefühle. Lesen kann man das in Zeitschriften für Frauen und Mütter. Seit 2012 halten sie neben der Schreiberei noch ihre beiden Söhne auf Trab und dabei scheitert Yvonne hin und wieder grandios bei dem Versuch Arbeit, Kinder und das Leben an sich unter einen Hut zu bringen.

Es gibt Tage, da sinke ich um 21 Uhr völlig erledigt ins Bett und sehne mich nach nichts mehr als Ruhe. Totaler Ruhe!

Einmal nicht kiloweise Äpfel aufschneiden oder literweise Milch ausschenken. Einmal fünf Minute in Ruhe einen Gedanken zu Ende denken, ohne dass ich aufspringen und jemanden den Po abwischen oder davon abhalten muss, seinem Bruder den Kopf mit irgendetwas Hartem einzuschlagen.

Erst wenn man Kinder hat, merkt man, wie erholsam Langeweile sein kann.

Hin und wieder werde ich auf Reportage-Reise eingeladen, um hinterher eine schöne Reisegeschichte darüber zu schreiben. Das ist toll, weil ich erstens dabei nicht nur an Orte komme, die ich sonst vermutlich nie gesehen hätte, zweitens auch noch Geld mit dieser tollen Erfahrung verdienen kann und drittens ein paar Tage für mich haben.

Blöd nur, dass sich diese Theorie in der Praxis meistens als totaler Trugschluss darstellt.

Also, Punkt eins und zwei sind geritzt, aber was Punkt drei betrifft, hapert es bei mir schon jedes Mal, wenn ich am Flughafen aus dem Auto aussteige. Bei meiner letzten Reise sogar schon beim Koffer packen.

Während ich nur meine Klamotten in den Koffer stopfe, baut sich in mir langsam so eine Leere auf, die sonst durch das Lachen und auch Kreischen meiner Kinder gefüllt wird.

Sobald ich aus dem Haus bin, wird sie immer größer. Ich habe Kinderheimweh.

So sehr ich mir regelmäßig Ruhe wünsche, so erdrückend wird sie, sobald sie eintritt und ich weiß, dass sie sich so schnell nicht wieder auflösen wird.

Das geht soweit, dass ich manisch alle Kleinkinder anlächle, die mir über den Weg laufen. Zu jeder passenden oder leider auch unpassenden Gelegenheit gebe ich lustige (wie ich finde) Kindergeschichten zum besten.

Bislang müssen alle meine Mitreisenden sehr höfliche Menschen gewesen sein und sich geduldig von mir zuschwallen lassen.

Um es kurz zu machen: So gerne ich an manchen Tagen wieder ein eigenständiger, unabhängiger Mensch wäre, so unzulänglich fühle ich mich, wenn ich einmal die Gelegenheit dazu bekomme, einer zu sein.

All die Dinge zu sehen, macht ohne meine Familie keinen Spaß.

Es fühlt sich an, als sei ich ein Puzzle, von dem einige Teile verbummelt wurden. Umso schöner ist es dann, wenn ich sie nach ein paar Tagen endlich wieder zusammensetzen kann.

© Beitragsbild: Freestockpro.com

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