Vor nicht allzu langer Zeit habe ich Euch dazu aufgerufen mir zu verraten, welche Themen Ihr gerne im Magazin lesen wollt. Ganz Anonym. Einige sind diesem Aufruf gefolgt und haben Ihre Vorschläge eingereicht. Darunter war auch jemand, den brennend interessierte, wie das bei anderen selbstständigen Frauen und Gründerinnen mit der Finanzierung der eigenen Selbstständigkeit gelaufen ist – spannende Frage, wie ich finde.

Deshalb habe ich Euch nachfolgend mal fünf Finanzierungsmöglichkeiten zusammengetragen und dazu Statements von Frauen eingeholt, die genau auf diese Weise Ihre Selbstständigkeit angestoßen haben und von ihren Erfahrungen berichten.

Wenn auch Euch ein Thema auf dem Herzen liegt, von dem Ihr wollt, dass ich mich ihm widme, verratet es mir hier.

Bootstrapping

Bootstrapping bezeichnet eine Form der Gründungsfinanzierung, bei der auf externe finanzielle Hilfe verzichtet wird. Heißt, die angestrebte Selbstständigkeit oder das geplante Unternehmen wird komplett eigenständig finanziert. Das vorhandene Budget, die Ressourcen – und bisweilen auch die Zeit – sind knapp. Die Gründungs- und Wachstumsstrategie wird auf diese Umstände angepasst. Der Vorteil in dieser Finanzierungsform liegt darin, dass GründerInnen von vornherein lernen sparsam und effektiv zu wirtschaften – leicht ist das Bootstrappen aber sicherlich nicht, wie auch Karin Heinzl, Gründerin von MentorMe weiß.

Karin Heinzl
Foto: Steffen Kugler

„Ich persönlich habe mich bei der Gründung und der Aufbauphase von MentorMe nicht bewusst für Bootstrapping entschieden. Um ehrlich zu sein, kannte ich bis vor kurzem diesen Begriff nicht mal. Allerdings war einer der besten Ratschläge, die ich als Entrepreneurin bekommen habe: „Fang einfach an!“ Das habe ich gemacht. Zugute kam mir, dass für MentorMe als soziales, gemeinnütziges Unternehmen anfangs viel kostenlos bzw. mit geringen Kosten realisiert werden konnte. Zudem habe ich im ersten Gründungsjahr parallel gearbeitet und weiterhin Geld verdient. Ich hatte somit Geld, das ich in die Gründung und in Marketing investieren konnte. Für Bankkredite war und bin ich heute noch zu konservativ. Für klassische Venture-Capital-Geber waren wir zu wenig skalierbar und für Social Investors waren wir nicht weit genug, da noch kein „Proof of Concept“ vorhanden war. Was bleibt dir dann? Entweder du investierst selbst Erspartes oder, du hörst auf. Ich habe mich für Ersteres entschieden!

Bootstrapppen ist sicherlich hart aber dafür bleibt man Herr/Frau der Dinge und in seinen unternehmerischen Entscheidungen freier als wenn Investoren mit ihm Boot sitzen und aufgrund ihrer Shares mitentscheiden können. Ganz ehrlich, Investoren sind ja nicht blöd! Die gehen nur Deals ein, von denen sie sicher sind, dass sie viel – und oft auch mehr – gewinnen als jene, in die sie investieren.

Andererseits: Natürlich ist es schön, wenn jemand so sehr an die eigene Idee glaubt, dass er in das Unternehmen investieren will. Das bringt schon einen ordentlichen Boost! Für viele Produkte/Services macht das auch Sinn, denn sie brauchen schnell viel Geld, um markttauglich, konkurrenzfähig und skalierbar zu sein. Andererseits herrscht schon fast ein Wahn nach VC, weil es auch trendy ist und nach Erfolg riecht. Dabei sollten sich Entrepreneure zunächst fragen: „Ist mein Business Modell für Venture Capital interessant?“ „Braucht mein Business Venture Capital und wann macht es Sinn?“ „Kann ich mit einer durch Investment künstlich geschaffenen Skalierung meine Qualität halten?“ Das alles sind wichtige Fragen.“

Gründungszuschuss

Auf Frau, frei & haben wir, hat Judith, an anderer Stelle schon mal über den Gründungszuschuss als Boost für die eigenen Selbstständigkeit berichtet. In diesem Beitrag findet Ihr ein paar erste Informationen zum Thema, wenn Ihr Euch für diese Finanzierungsform interessiert. Doch wer weiß besser über den Gründungszuschuss Bescheid, als eine Selbstständige, die ihn selbst bezieht? Deshalb habe ich Henrike Thielk von Einfach Schweden um eine Stellungnahme zum Thema gebeten.

Henrike Thielk
Foto: Romy Geßner

„Die Zeit bevor ich mich als Virtuelle Assistentin selbständig gemacht habe, war ich arbeitslos. Schon während der Arbeitslosigkeit habe ich mich nach Förderungsmöglichkeiten erkundigt und vom Gründungszuschuss gehört, den ich dann auch für mich und meine Selbständigkeit beantragt habe.

Ich hatte beim Arbeitsamt einen sehr netten Ansprechpartner, der mich sowohl während der Arbeitslosigkeit als auch vor der Gründung meiner Selbständigkeit unterstützt hat.

Somit bekam ich ohne Probleme alle notwendigen Unterlagen und auch einen Gutschein für einen Existenzgründerkurs, der mir vor allem beim Erstellen meines Businessplanes sehr geholfen hat.

Um den Gründerzuschuss zu bekommen, müssen natürlich ein paar formale Voraussetzungen stimmen und auch ein Businessplan inkl. einer Stellungnahme einer fachkundlichen Stelle eingereicht werden. Damit soll gezeigt werden, dass der Gründer sich mit seiner Selbständigkeit auseinandergesetzt hat und nicht nur die positiven Seiten, sondern auch eventuelle Risiken eines Business sieht. Den Businessplan zu erstellen, ist ziemlich viel Arbeit und braucht viel Recherche und Zeit. Da dieser später auch als Leitfaden für das Business genutzt werden kann, lohnt sich die Arbeit definitiv.

Der Gründungszuschuss hat die gleiche Höhe wie das Arbeitslosengeld plus 300€ für die Kosten der Krankenkasse. Bedingung für das Erhalten des Geldes ist natürlich, dass das Arbeitsamt die Selbständigkeit für förderungswürdig hält und die Gründerin sich hauptberuflich um das neue Business kümmert.
Ich bin sehr glücklich und erleichtert gewesen, dass mir der Gründungszuschuss bewilligt wurde. Somit war ein Teil der Fixkosten in den ersten 6 Monaten meiner Selbständigkeit abgedeckt und ich konnte mich in Ruhe um die Kundenakquise und die ersten Aufträge kümmern.

Zum jetzigen Zeitpunkt ist es bereits so, dass ich die Verlängerung des Gründungszuschusses beantragt und auch genehmigt bekommen habe. Das heißt für mich weiterhin 9 Monate 300€ Zuschuss für die Krankenkasse. Ein willkommener Zuschuss, den ich als Gründerin dankend annehme.“

Kredit / Darlehen

Sabine Schmidt
Foto: Xaxiraxi / Lidia Tirri

Eine weitere Form der Gründungsfinanzierung ist sich entweder Geld von z. B. der Familie in Form eines Darlehens zu leihen oder einen Kredit von der Bank in Anspruch zu nehmen, so wie es Sabine Schmidt von Xaxiraxi getan hat.

„Vor der Gründung meines Labels, das farbenfrohe Biokleidung für Frauen mit sensibler Haut herstellt, habe ich ein Coaching absolviert, um die Realisierungschancen zu evaluieren und dann einen Businessplan erstellt. Nach Analyse des Kapitalbedarfs habe ich mich für einen Gründerkredit entschieden, da mein Eigenkapital nicht ausreichte und ich angesichts niedriger Zinsen diese Finanzierungsform für optimal hielt. Ich habe mich dann für die KfW entschieden, weil sie deutschlandweit tätig ist und die günstigsten Konditionen für Gründer bietet, sowohl beim Zinssatz als auch bei der Tilgung, die erst im 3. Jahr beginnt. Bei meiner Hausbank kann man Kreditanträge online stellen, die dann extrem schnell bearbeitet werden, was auch super geklappt hat. Innerhalb weniger Tage hatte ich von dort das Okay und alles wurde an die KfW zur Genehmigung weitergeleitet. Ich war überzeugt, dass diese das Projekt ebenfalls akzeptieren würde und meinen Kredit mit öffentlichen Geldern absichert, um das Risiko der Hausbank zu reduzieren.

Nach drei Monaten Wartezeit erhielt ich dann jedoch eine Absage, da man bemängelte, dass ich keine Erfahrung in der Textilbranche hatte, mein BWL-Studium reichte ihnen nicht aus. Nach kurzer Schockstarre beschloss ich, die Absage nicht einfach so hinzunehmen, wandte mich direkt an den Vorstandsvorsitzender der KfW und bat um erneute Prüfung. Tatsächlich habe ich die Chance zur Nachbesserung erhalten und den Kredit im zweiten Anlauf erhalten. Deshalb rate ich jeder Gründerin, die von ihrer Idee überzeugt ist, diese auch gegen Widerstände zu verfolgen. Natürlich muss das Konzept schlüssig sein und ich empfehle, sich beim Businessplan und Kreditantrag unbedingt erfahrene Unterstützung zu holen.

Wenn man einen Kredit beantragt, ist es vorteilhaft, eigenes Kapital einzusetzen als Zeichen, dass man an sein Projekt glaubt und einen Teil des finanziellen Risikos trägt. Neben der Expertise des Gründerteams halte ich die Bereitschaft, für die Realisierung seines Projekts zu kämpfen, für einen entscheidenden Erfolgsfaktor.“

Crowdfunding

Auch zum Thema Crowdfunding ist bereits ein Beitrag auf Frau, frei & zu finden. Gastautorin Marion Müller-Klausch, die selbst schon Erfahrungen mit dieser Gründungsfinanzierung gesammelt hat, hat die halbe Wahrheit übers Crowdfunding aufgeschrieben.

Aber die Gründerinnen vom Coworking Space Krämerloft in Erfurt, Nicole Sennewald und Bianca Schön-Ott, wissen noch mehr über das Crowdfunding, bei der ein Projekt von Vielen – der Crowd – meist über eine Plattform wir Startnext finanziert wird, zu berichten.

Bianca Schön-Ott und Nicole Sennewald
Foto: Konstanze Wutschig

„Wir haben einige Möbel für unser neu eröffnetes Coworking Space – das KrämerLoft – über eine Crowdfunding-Kampagne finanziert. Diese Finanzierungsform passte ganz hervorragend zur Wertewelt des Coworking: Offenheit, gegenseitige Unterstützung und Innovationsfreudigkeit. So konnten wir unsere Community von Beginn an mit einbeziehen und das Wir-Gefühl stärken.

Wir hatten uns auch über alternative Finanzierungsmöglichkeiten informiert und konnten aber keine wirklich passende Form für uns finden. Die Banken verstanden gar nicht, was Coworking genau ist und warum es so viel mehr als eine Arbeitsplatz-Vermietung ist. Externe Investoren wollten wir nicht, weil wir Sorge hatten, dass uns jemand rein redet oder bezüglich einer Rendite zu schnell unter Druck setzt.

Wir sind nicht blauäugig an die Sache heran gegangen, haben aber trotzdem den enormen Aufwand einer solchen Kampagne unterschätzt. Man muss schon genau kalkulieren, wie hoch das Fundingziel sein sollte und darf dabei Plattform-Gebühren, Produktions- und Organisationskosten für die Dankeschöns, sowie Preisrabatte nicht vergessen. Wir haben außerdem viel Kraft und Zeit in die Produktion unseres Videos gesteckt. Es sollte die Themen, die uns wichtig sind emotional ansprechend vermitteln.

Der Vorteil von Crowdfunding ist, dass man schon vor dem Produktstart oder der Existenzgründung einen guten Indikator hat, ob das Produkt oder die Dienstleistung am Markt funktioniert. Ein erfolgreiches Crowdfunding kann deshalb auch eine Folgefinanzierung über eine Bank erleichtern. Nicht zu vergessen ist der phänomenale Marketingeffekt, den eine gut umgesetzte Kampagne haben kann. Wir konnten sehr hohe Reichweiten mit unserer Idee erzielen. Wenn man sich vorher über den zeitlichen Aufwand im Klaren ist, die Sache strategisch angeht und gut vorbereitet, sehen wir keine Nachteile für diese Finanzierung.

Ein erfolgreiches Crowdfunding bietet schnelle Liquidität von Beginn an. Unser Fundingziel lag bei 15.000€ und wir haben letztlich ca. 16.500€ eingesammelt. Wir haben damit einen lokalen Möbeldesigner beauftragt, uns einige individuelle Vintage-Möbelstücke im Industriestyle nach unseren Vorstellungen im Upcyclingprinzip zu bauen. Wir haben also aus alten früher industriell genutzten Gegenständen, Möbel bauen lassen.“

Investment

Anna Alex und Julia Bösch von OUTFITTERY
Foto: Sebastian Donath

Dank der Fernsehsendung „Die Höhle der Löwen“ ist auch das Investment, als eine Finanzierungsmöglichkeit der eigenen Selbstständigkeit und des damit verbundene Unternehmens, den meisten bekannt – und wurde durch das TV quasi salonfähig gemacht.

Allerdings wird, wenn man Dienstagsabends vor dem Fernseher sitzt, auch schnell klar, dass es ziemlich schwierig sein kann Investoren von der eigenen Idee zu überzeugen und dafür Geld einzusammeln. Die beiden Gründerinnen Anna Alex und Julia Bösch von OUTFITTERY haben es geschafft – aber nicht mit Hilfe der Löwen. Aber sie erzählen am besten selbst!

„Wir waren uns von Anfang an einig, dass wir mit OUTFITTERY schnell wachsen und auch innerhalb Europas expandieren wollten. Das verlangte also von Beginn an nach einer größeren Summe Geld, also einer Finanzierung durch Venture Capital. Fremdkapital von Kreditinstituten ist für Start-ups zu Beginn eher keine Option.

Somit haben wir schon sehr früh Investoren mit an Bord genommen. Unser Vorteil war, dass wir durch unsere vorherige Tätigkeit bei Zalando schon viele Insights und auch ein gutes Netzwerk hatten, auf dass wir zurückgreifen konnten. Das ist super wichtig, denn: Ohne Netzwerken kein Investor. Wir sind anfangs auch auf viele Events gegangen, um möglichst viele Leute kennen zu lernen. Hier in Berlin gibt es dazu ja praktisch jeden Abend mehrere Gelegenheiten. Investoren konzentrieren sich auf Firmen in unterschiedlichen Phasen: Manche investieren gezielt in Gründer, andere warten ab, bis das Unternehmen eine gewisse Größe erreicht hat. Man lernt auf solchen Veranstaltungen relativ schnell, wer für das eigene Unternehmen der passende Investor sein könnte. Es klappt natürlich nicht immer sofort, mit einigen sind wir über längere Zeit in Kontakt geblieben. Eine Investition ist immer das Ergebnis von langen Gesprächen und Verhandlungen, und als Gründer sollte man einen potentiellen Investor auch eingängig prüfen und sicher sein, dass man den richtigen Partner wählt. Schließlich ist eine Investition mit einer Ehe zu vergleichen.

Inzwischen haben wir rund 50 Millionen Euro eingesammelt; die größten Investoren darunter sind z.B. Highland Capital Partners, Northzone und Octopus Ventures. Fünf Mal im Jahr haben wir Board-Meetings, wo unsere Investoren meist zu uns nach Berlin kommen. Wir berichten dann, wie sich das Geschäft entwickelt hat, präsentieren neue Ideen und bekommen, wenn nötig, Unterstützung aus dem Netzwerk der Investoren. Seit kurzem haben wir auch eine Beiratsvorsitzende. Insgesamt sitzen jetzt zehn Leute im Board: Sechs Frauen und vier Männer. Auf diese Frauenquote von 60% im Board sind wir sehr stolz, das sieht man leider bei Unternehmen noch viel zu selten. Wir haben wirklich einen tollen Investorenkreis aufgebaut, die uns nicht nur finanziell, sondern auch mit jeder Menge Know-how unterstützen.“

Falls Euch das Thema Finanzierung der eigenen Selbstständigkeit interessiert, schaut doch mal auf Pinterest vorbei!

© Beitragsbild: Pixabay

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