Erfolgreich selbstständig nur mit reichen Eltern?

Geld hilft Gründern

Der griechische Philosoph Demokrit sagte einst: “Mut steht am Anfang des Handelns, Glück am Ende”. Bis vor wenigen Tagen hätte ich dieser Aussage ohne wenn und aber zugestimmt. Heute tue ich das nicht mehr in vollem Umfang – was ist geschehen? Wie kommt der Sinneswandel?

Schließlich habe ich schon mehrfach über Mut, Träume und Ziele geschrieben (und zwar hier, hier, hier und hier) und war der festen Überzeugung, dass es nur ein wenig Courage braucht, um Veränderungen zu erzielen, die in persönlicher Zufriedenheit münden.

Was hat also dazu geführt, dass ich meine Meinung geändert habe?

Kann man nur mit reichen Eltern erfolgreich selbstständig sein?

Ich habe den Artikel “Entrepreneurs don’t have a special gene for risk – they come from families with money” gelesen, in dem es darum geht, dass nicht etwa harte Arbeit, unerschütterliche Willensstärke oder eben Mut, ausschlaggebend für unternehmerischen Erfolg sind, sondern ein wohlsituierter familiärer Background.

Überrascht hat mich die Aussage des Textes nicht wirklich, denn es stimmt, was dort geschrieben steht: “Wenn man weiß, dass man ein (finanzielles) Sicherheitsnetz hat, fällt es leichter, Risiken einzugehen”. Eine Unterhaltung, die ich erst kürzlich mit meinem Freund geführt habe, bestätigt das.

Er sagte zu mir, dass er diese und jene Dinge tun würde, hätte er eine Million Euro. Aber auch nur dann.

Wenn man kein(e Familie mit) Geld hat, sinkt die Wahrscheinlichkeit ein Unternehmer zu werden”, heißt es in dem Artikel. Mein Freund wird dann wohl nicht der neue Bill Gates (Gründer von Microsoft), Oliver Samwer (Gründer von u.a. Zalando) oder Evan Spiegel (Gründer von Snapchat) – alle mit wohlhabenden Eltern. Und ich nicht die neue Sara Blakely (Gründerin von Spanx).

Warum Mut alleine nicht ausreicht

Ich bin momentan wirklich an einem Punkt, an dem ich den nächsten Schritt gehen müsste, es aber nicht tue, weil mir die finanzielle Sicherheit fehlt. Gerne würde ich mich für mehrere Monate oder sogar ein ganzes Jahr weitestgehend aus meinem Schaffen als Freelancerin rausziehen, um meine gesamte Zeit und Energie in die Umsetzung eigener Projekte zu stecken. Aber das wäre wohl keine gute Idee.

“Following your dreams is dangerous. (…) This whole bulk of the population is being seduced into thinking that they can just go out and pursue their dreams anytime, but it’s not true.” Insbesondere wenn man weiß, was eine Neugründung kostet. Laut Artikel sind es mehr als 25.000€.

Bei dieser Summe wird klar, warum Mut allein manchmal wohl nicht ausreicht und es von Vorteil sein kann, finanzielle Unterstützung zu haben, sei es durch die Familie, Freunde oder den eigenen Sparstrumpf. 😉

Was meint Ihr?

© Beitragsbild: pixabay

9 Kommentare
  1. Joachim Tuchel sagt:

    Tja, leider ist wohl was dran. Mut und eine geniale Idee sind nicht genug, wenn man sie nicht *sofort* erfolgreich umsetzen kann. Vorlauf- oder Entwicklungszeit muss überbrückt werden, lange Akquisephasen brauchen selbst bei noch so ausgefeiltem viralem Marketing benötigen vielleicht kein Budget, aber selbst der motivierteste Starter braucht ein Dach über dem Kopf und ein paar Krümel zu Essen, und das sind leider laufende Kosten, die unausweichlich sind (Naja, beim Dach könnte man vielleicht… aber lassen wir das).

    Man darf tatsächlich die finanzielle Seite einer Gründung nicht aus den Augen verlieren, stets wissen, wie lange man es noch aushalten kann, ohne in eine private Pleite oder eine Schuldenspirale zu rutschen. Jeder Gründer braucht entweder sofortigen Erfolg oder eine zweite Einnahmequelle, oder eben finanziellen Rückhalt aus der eigenen bisherigen Erwerbstätigkeit oder der Familie. Ohne geht es nicht. Ist das fair? Vermutlich nicht, aber es ist nicht wirklich zu ändern.

    Ich glaube aber, die zitierten Quellen machen aus einer logischen und klaren Sache wider mal ein völlig falsches Spektakel: Es geht nicht darum, dass man schon reich gewesen sein muss, um ein *erfolgreicher* Unternehmer zu werden. Damit werden die Dinge völlig verdreht. ZU starten braucht ein finanzielles Polster, durchzuhalten, wenn es nicht so schnell geht, wie erträumt, ein noch dickeres. Aber das alleine entscheidet nicht über die Qualität der eigenen Idee oder des Konzepts – und damit auch nicht über den Erfolg eines Starts.
    Geld in der HInterhand zu haben, um Risiken eingehen zu können, erhöht natürlich den Spielraum, und um so mehr ich finanziell aushalten kann, desto riskanter kann ich auch vermeintlich verrückte Dinge einfach mal ausprobieren, für die kein Mensch je Fremdkapital geben würde.

    Meines Erachtens wird da das Pferd von hinten aufgezäumt: besonders erfolgreiche Unternehmer waren überwiegend reich, ergo muss man reich sein, um Erfolg zu haben.

    Wenn die Idee gut ist und zündet, spielt es ganz sicher keine Rolle, ob man reich ist oder nicht. Die Frage ist eben nur, wie lange man auf dieses Zünden hin arbeiten kann, ohne finanziell aus der Puste zu kommen.

    Es ist also durchaus auch wert, seine Idee zu verfolgen, wenn man nicht millionenschwer geerbt hat oder aus dem letzten Startup-exit hunderttausende auf der Kante hat. Man muss allerdings Wege finden, zumindest den Lebensunterhalt weiter zu verdienen, auch in Durtstrecken. Das bedeutet leider, nicht mit der großen Werbekampagne loslegen zu können, und keinen großen Entwickler oder Marketing-Stab aufbauen zu können, sondern kleinere Brötchen zu backen.
    Neudeutsch heisst das Bootstrapping und ist zusammen mit dem Schlagwort Sidepreneur ein Inbegriff dessen, wie es auch ohne große Reserven gehen kann.

    Letztlich sollte man vielleicht auch den eigenen Begriff von Erfolg hinterfragen. Vielleicht ist es gar nicht die Firma mit weltweit 20.000 Angestellten und das Vierthaus auf Madeira, sondern persönliche Freiheit und Unabhängigkeit vom Hamsterrad des 9-5-Jobs oder der Hetze nach dem nächsten Freelancer-Auftrag. Schmeckt nicht Omas Hefezopf vielleicht viel besser als ein teures Hipster-Croissant in der weltgrößten Kaffeewucherei?

    Sollte also, liebe Frau Frei, Resignation aus Ihrem Beitrag sprechen: es ist völlig falsch, die Flinte ins Korn zu werfen. Es lohnt sich, nach Wegen zu suchen, die Sache in finanziell vertretbare Brocken zu zerlegen und vielleicht nebenher darauf hin zu arbeiten.

    Ein tolles Mutmach-Buch zu diesem Thema ist m.E. die Solopreneur-Bibel der Conta Grombachs, die hier ja keines weiteren Links bedarf, weil bekannt und gefeiert…

    • Sandra sagt:

      Hallo Joachim, ich habe mich ja schon auf Twitter für Deinen ausführlichen Kommentar bedankt und stimme Dir in allem was Du schreibst zu – da steckt viel Wahrheit drin! Und nein, ich resigniere nicht. 😉 Ich habe mein Ziel klar vor Augen und arbeite Schritt für Schritt daraufhin. Momentan bin ich nur etwas ungeduldig, aber für meinen Erfolg -den ich übrigens für mich als persönliche Freiheit und Selbstbestimmung definiere- lohnt sich das Warten! Ganz liebe Grüße in den Süden des Landes!

  2. Andrea sagt:

    Liebe Sandra,

    „Bei dieser Summe wird klar, warum Mut allein manchmal wohl nicht ausreicht“ – da sagst du etwas ganz ganz wahres!

    Wie Du befinde ich mich auch gerade an einem Punkt (mit 2 laufenden Blogs, einem bald launchenden Projekt und diversen Freelance- und einem Brotjob), an dem ich mich so gerne ganz herausziehen würde. Vor allem aus dem Brotjob, um mich nur noch auf eigene Projekte konzentrieren zu können. Wie viel könnte ich bewegen! Welche Ideen könnte ich umsetzen!
    Aber mein Sicherheitsnetz ist einfach noch nicht groß genug. Alles Geld, was ich zusätzlich verdiene und ein großer Teil meines Einkommens fließen momentan gleich in meinen Selbstständigkeitsfonds. In meinem Kopf sitzt diese magische Summe, bei der ich es dann wagen werde.
    Manchmal wünschte ich mir etwas weniger Sorge, etwas weniger Vorsicht, aber schon meine Oma hat immer gesagt „Vorsicht ist besser als Nachsicht.“ In eine Privatinsolvenz rutschen weil nicht genügend vorgesorgt ist, wäre der Super-GAU.

    Allerdings: Ich z.B. komme nicht aus einer reichen Familie, hatte aber das Glück eine großzügige Schenkung zu erhalten. Die bildet den Grundstock meines Fonds und wird aufgefüllt. Ich wünschte mir, mehr Frauen würden sich zutrauen, sich dieses Netz selbst anzusparen und – sehr polemisch gesagt – ihr Geld lieber darin investieren, als 48 Paar Schuhe und 25 Handtaschen. Darüber stolpere ich nämlich immer wieder… Einerseits wird gejammert, dass ja nicht… aber andererseits zieht dann eine neue Designertasche ein. Kann ich nicht so nachvollziehen 😀

    Wie ist Deine Strategie diesbezüglich? Möchtest du die Freelance-Jobs immer mehr ausschleichen?

    Alles Liebe
    Andrea

    • Sandra sagt:

      Liebe Andrea, offensichtlich verfolgen wir dieselbe Strategie. 🙂 Meine heißt nämlich auch, immer einen gewissen Anteil meiner Einnahmen in einen Sparstrumpf zu stecken. Solange dieser nicht ausreichend gefüllt ist, werde ich weiter als Freelancerin arbeiten. Aber es geht mir wie Dir und ich denke des Öfteren: „Wie viel könnte ich bewegen! Welche Ideen könnte ich umsetzen!“ Aber wie ich auch schon Joachim schrieb, ich werde einen Schritt nach dem anderen machen und auch hoffentlich so ans Ziel kommen. Geduldig zu sein fällt allerdings nicht leicht, mit sooo vielen Ideen im Kopf. 😉 Danke, dass Du Dir die Zeit für einen Kommentar genommen und Deine „Geschichte“ zum Thema mit uns geteilt hast! Mir hilft es ungemein mich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Lass mich gerne wissen, wie Du voran kommst! Ich drück Dir für all Deine Pläne und Ziele fest die Daumen! Liebe Grüße, Sandra

  3. Anja sagt:

    Hmmm, ich denke ein finanzielles Sicherheitsnetz von Papa und Mama ist absolut von Vorteil. Würde ich auch in Anspruch nehmen, wenn ich’s hätte. Allerdings glaube ich nicht, dass es nicht ohne geht. Man sollte kein komplettes Risiko gehen, aber trotzdem kann man einen Schritt vor den anderen setzen und schließlich das erreichen, was man möchte. Auch ohne Geld! Ich bin der festen Überzeugung, dass alles eine Sache der richtigen Einstellung – des richtigen Denkens ist. Wenn man sein Denken nur konsequent in die richtige Richtung lenkt, dann funktioniert plötzlich alles ganz von selbst. 😉
    LG!

  4. Weltentdeckerin sagt:

    Liebe Sandra.
    Leider hast du da vollkommen Recht.
    Wenn man bereits mit seinem Vollzeitjob nicht über die Runden kommt, weil man in einer schweren Situation lebt und finanziell nichts und wirklich nichts drin ist, ist es nahezu unmöglich sich Selbstständig zu machen.
    Ich konnte mir seit 8 Jahren keinen Urlaub leisten, dabei reise ich doch so gerne… was macht man also? Man startet einen Reiseblog? Haha, vollkommen verrückt, aber ich habe das Gefühl dass es genau richtig ist, und ich entweder ganz schnell wieder auf Reisen gehen kann, oder es einfach trotzdem tue.
    Manchmal gehört auch eine Portion Glück oder Wahnsinn dazu.
    Liebe Grüße, Anja

    • Sandra sagt:

      Hm, Wahnsinn würde ich das nicht nennen. 😉 Ich wünsche Dir in jedem Fall viel Erfolg mit Deinem Reise-Blog und drück Dir die Daumen, dass Du schnell wieder auf Reisen gehen hast. Toi toi toi! Liebe Grüße, Sandra

  5. Charis sagt:

    Liebe Sandra, ich sehe es anders als Du. Geld ist nicht die Hauptvoraussetzung, sondern der unbändige Wille etwas zu tun.
    Nicht, dass ich behaupten würde, man kann aus dem nichts mit einem Schlag reich werden und ein fettes Konto vorweisen. Das ist sicher sehr selten. Aber sich mit wenig bis sehr, sehr wenig, aber viel Mut, viel Engagement und Spaß an die Umsetzung von Lebenszielen zu machen, das funktioniert und macht zufrieden.
    Ich habe mein Unternehmen mit einem Bruchteil gegründet, von dem, was in Deinem Artikel als Neugründungsbudget steht. Ich will nicht verschweigen, dass es Stunden der Verzweiflung gab und Zeiten, in denen man sich über Wasser halten muss, auch gibt es Zeiten in denen man neidvoll auf andere schaut, die es so viel einfacher zu haben scheinen als man selbst. Aber insgesamt kann man mit einem kleinen Budget und großen Träumen ein Ziel fest verfolgen und beim Wachsen zusehen.
    Dein Eingangszitat “Mut steht am Anfang des Handelns, Glück am Ende” möchte ich umformulieren. Ich gebe Dir recht, dass es so irgendwie nicht stimmt. „Wer glücklich handelt, wird am Ende für seinen Mut belohnt.“ Und genau das, das wünsche ich auch Dir!

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