Entrepreneurship & Female Empowerment: Zwei Themen für die Gründerin Maxi Knust und ihr Online-Magazin Fempreneur stehen

Gründerin Maxi Knust vom Lifestyle-Magazin Fempreneur

Es gibt Frauen, die raus gehen und ganz frei, offen und ehrlich über ihre Erfahrungen, die sie in der Selbstständigkeit gesammelt haben, berichten. Und es gibt Magazine wie die von Maxi Knust, die mit Fempreneur ein neues Angebot für Female Entrepreneurs ins Leben gerufen hat.

Nachdem Maxi und ich bereits ersten Kontakt über Twitter hatten, haben wir uns im vergangenen Sommer auf der Entre.Fem auch endlich persönlich kennengelernt. Dort konnte ich sie auch für ein Interview auf unserem Blog gewinnen. 🙂  Hier könnt Ihr nun Maxis Weg in die Selbstständigkeit nachlesen und welche Herausforderungen sie dabei meistern musste. Los geht’s!

Auf Being Carried wurdest Du bereits zu Deiner Selbstständigkeit und Deinem Online-Magazin Fempreneur interviewt. Dort konnte ich lesen, dass Du „gerade für weibliche Gründerinnen solch ein Format in den letzten Jahren sehr vermisst hast.“ War der Mangel an Vorbildern ausschlaggebend für Deine Selbstständigkeit? Oder was trieb Dich an Dich selbstständig zu machen?

Ich habe mich bereits im Studium für die Themen Startups, Selbstständigkeit und Entrepreneurship interessiert und selbst immer davon geträumt mich selbstständig zu machen. Dabei habe ich eben auch die gängigen Startup-Online-Magazine gelesen.

Aber zum einen war der Tonus der Artikel meist „Big VC-Money & Big Exit“. Da habe ich mich als normaler „kleiner“ Mensch nicht wiedergefunden und dachte ich müsste viel Wissen, Investorenkontakte und vor allem Geld haben. Doch so muss es nicht sein, wie ja auch Günter Faltin schon in „Kopf schlägt Kapital“ sagt. Und das war auch meine Inspiration mich letztlich in die Selbstständigkeit, mit Kopfsprung ins kalte Wasser, zu wagen. Und dieses Gefühl will ich auch den Lesern vermitteln. Das sie heute noch was starten können, auch wenn nicht die „notwendige“ Erfahrung, Wissen in allen Bereichen oder wenig bzw. kein Geld vorhanden ist. Daher finde ich insbesondere Bootstrapping-Ansätze wahnsinnig spannend.

Zum anderen fehlen natürlich auch ganz klar noch die Gründerinnen-Vorbilder, was aber auch einfach an der geringen Gründerinnenquote liegt. Laut Deutschem Startup Monitor 2013 lag der Anteil weiblicher Startup-Gründungen 2013 bei gerade mal 13%. Und ich denke, dass sich mittlerweile auch verstärkt Frauen für Gründungen interessieren, aber es bislang hierfür keine ansprechenden Informationsangebote gab. Und das wollte ich mit Fempreneur ändern. Das Online-Magazin stellt den Zugang für Frauen zu den Themen wie Selbstständigkeit und Startups dar. Natürlich auch mit den passenden Female Founder Stories um weibliche Gründerinnen sichtbar zu machen und die Leserinnen damit zu inspirieren es auch selbst auszuprobieren, wenn sie (wie ich damals) schon länger den Gedanken an die Selbstständigkeit mit sich herumtragen.

Dann der Schritt in die Selbstständigkeit. In Deinem Beitrag „Empowerment von Gründerinnen in Deutschland“ schreibst Du: „Aber einer der größten Herausforderungen ist doch vor allem der Start.“ Wie wahr. Wie gestaltete sich Dein Start? Was waren Deine ersten Schritte? Der Weg zum Finanzamt, die Gewerbeanmeldung, das Schreiben eines Business Plans…?

Genau, was ich damit meinte, war vor allem, dass man sich auch beim Gründen gut prokastrinieren kann. Es gibt ja immer etwas, was einen vom tatsächlichen Start abhalten kann. Die fehlende Idee zum Beispiel.

So ging es auch mir. Ich wusste ab einem bestimmten Punkt, dass ich mich selbstständig machen will. Ich habe viel gebrainstormed und mich voll und ganz mit dem Thema umgeben. Ich habe Bücher gelesen, bin zu der Digitalen Nomaden Konferenz DNX gegangen und habe mir Online-Vorlesungen der Stanford University („How to start a startup„) angeschaut.

Doch die große Idee war nicht gleich dabei. Also dachte ich einfach mal mit etwas anfangen zu müssen. Und da ich keine Ahnung von Online-Website-Erstellung hatte, fing ich eben damit an. Und so formte sich Fempreneur langsam.

Anfangs stand also nur die Idee einfach meine zwei Herzensthemen zu vereinen (Entrepreneurship und Female Empowerment) und dem Baby einen Namen zu geben. Und dann ging es direkt an die Arbeit. Domain kaufen, Hosting-Anbieter finden und die WordPress-Seite erstellen. Ich schrieb dann zu jeder Rubrik einen Artikel und Fempreneur ging nach 1 1/2 Monaten live.

Als ich dann sah, dass das Magazin so gut angenommen wird und mir es sehr viel Spaß machte, was ich da tat (auch wenn es auch viel Anstrengung bedeutete), blieb ich dabei und meldete einige Wochen später das Gewerbe dazu an und beantragte meine Steuernummer beim Finanzamt.

Und dann habe ich einfach gearbeitet. Vom Artikel schreiben, über Veranstaltungen besuchen, ein Netzwerk aufbauen, Interviews führen, Fempreneur-Meetups und -Events organisieren und veranstalten, PR in eigener Sache betreiben, Newsletter- und Social Media Marketing, Analytics und vermutlich noch so viel mehr, was ich schon wieder vergessen habe.

Was waren Deine größten Herausforderungen?

In den ersten 1 1/2 Monaten als ich noch an der Website gearbeitet habe, waren zum einen die Herausforderung das Ganze technisch aufzusetzen. Also, wie erstelle ich die WordPress-Seite, welches Theme wähle ich, wie binde ich Google Analytics ein und die Social Media Streams in der Sidebar… All diese Themen eben.

Und zum anderen war es sehr herausfordernd gerade in der Startup-Phase an sich und seine Idee zu glauben. Denn am Anfang steht ja nur eine Idee. Wenn man die mit seinem Umfeld teilt, muss man selbst die Person sein, die am Stärksten an die Idee glaubt. Man darf sich da nicht abhängig von der Bestätigung anderer machen. Aber gerade in dieser Unsicherheitsphase, wo man noch nicht weiß, ob alles so funktionieren wird, wie man sich das wünscht, ist es durchaus herausfordernd an seine Idee zu glauben – selbst wenn es niemand anderes tun würde. Aber genau das braucht es. Und auch an sich selbst zu glauben und darauf vertrauen, dass man die Fähigkeiten besitzt, die es dazu braucht, dass zu realisieren, was man sich vorstellt, ist sehr wichtig.

Mittlerweile liegen meine großen Herausforderungen eher in den alltäglicheren Dingen, wie der richtigen Organisation und Priorisierung meiner Aufgaben. Hierfür habe ich habe vor kurzem das Tool trello entdeckt, mit dem ich sehr gut arbeiten kann.

Aber neben dem Arbeiten bleibt meine große Herausforderung mir die nötigen Ich-Zeiten zu nehmen. Diese Zeit- und Ort-Oasen muss man sich aber aktiv suchen. Daher arbeite ich gerade daran mich selbst öfters zu priorisieren und auf die Bedürfnisse meine Körpers und Geistes zu hören. Denn gerade als Solopreneur ist man selbst das wichtigste Kapital. Wenn ich aus gesundheitlichen Gründen bspw. durch Überlastung ausfallen würde, gibt es niemand anderes der arbeitet. Und auch nur wenn ich selbst entspannt bin, kann ich auch richtig gute Arbeit leisten. Daher ist die Ich-Zeit auch ein ganz wichtiger Faktor in der Selbstständigkeit.

In einem Gespräch mit Jana und Christin von Not another women Mag sprichst Du von der Schwierigkeit Solopreneurin zu sein. Wovon sprichst Du genau?

Klar, Solopreneurin zu sein bedeutet, alle Entscheidungen selber zu treffen, sich nicht mit dem Co-Founder beraten, Meinungen und Gedanken austauschen und auch mal die emotionalen Tiefs und Probleme teilen zu können. Und es gibt auch niemanden, der dir morgens eine SMS schreibt, dass man sich gleich im Office trifft oder sich gegenseitig pusht einen Artikel fertigzustellen. Das muss ich alles selbst machen. Aber dafür lerne aber auch gerade jeden Tag so viel neues dazu. Sicherlich kein einfacher Weg – aber er lohnt sich wirklich. Denn man bekommt so viel an Erfahrung geschenkt, dass es 100 Leben füllen kann.

Aber ich habe mich dafür auch ganz bewusst entschieden Solopreneurin zu sein. Denn die größte Herausforderung ist eben meiner Meinung nach auch der größte Vorteil: Man kann Entscheidungen selber treffen. Das bedeutet für mich auch maximale Freiheit und nicht Belastung. Ich mag es jeden Tag ganz für mich zu entscheiden, was ich mache und welchen Weg ich damit einschlage.

Und ganz so allein bin ich ja auch als Sologründerin nicht. Ich habe wunderbare Freunde, mit denen ich meine emotionalen Tiefs teilen oder auch mal eine Idee besprechen kann. Und in Berlin habe ich auch andere Solopreneure kennengelernt, mit denen ich bspw. einmal wöchentlich im St. Oberholz (ja ziemlich Klischee) co-worke oder bpsw. auch zum Barbeque treffe. Und da kann man natürlich all die Entrepreneurship-Nerd-Themen teilen und sich gegenseitig Tipps geben. Deshalb fühle ich mich auch maximal wohl als Solopreneurin.

In dem Interview erwähnst Du auch an, dass es wichtig ist sich selbst zu positionieren. Was unternimmst Du selbst in Richtung Selbstmarketing? Kannst Du uns ein paar Tipps und Tricks verraten?

Ich denke, dass jeder seine eigene Gründergeschichte mitbringt. Und diese ist meist spannender als viele selbst von sich denken. Diese gilt es zum einen zu erkennen und vielleicht als Hilfe einmal schriftlich zu formulieren.

Und sicherlich gibt es auch immer noch spannendere Gründergeschichten als die eigene. Aber darum geht es nicht. Sondern es geht dabei vor allem um die individuelle und authentische Gründergeschichte.

Und das was ich gelernt habe, gebe ich einfach gerne weiter an andere Gründerinnen. Und das kannst du auch machen. Denn irgendwas lernen wir ja immer, gerade wenn man gründet. Und das gilt es zu erkennen. Und das kann manchmal auch etwas dauern, denn die Lehren zeigen sich erst nach einiger Zeit. Aber stets zu reflektieren hilft dabei.

Und ansonsten empfehle ich sich auch selbst zu positionieren. Das kann man bspw. auf Veranstaltungen machen, wo man sich offline vernetzen kann und dem Gegenüber direkt zeigen kann, wer man ist. Und hierfür natürlich bitte gleich von Anfang an ansprechende Visitenkarten drucken lassen.

Aber das geht auch online. Hierfür empfehle ich professionelle Social-Media-Kanäle einzurichten, nicht nur für sein Produkt, sondern auch für sich selbst. Das bedeutet zum einen auch ein professionelles Profilbild einzustellen. Das muss nicht in Business-Kleidung sein, sondern sollte durchaus auch entspannt und freundlich aussehen. Aber eben kein dunkles, pixeliges Partybild. Und über dieses Profil kann man dann sowohl auch Privates mal teilen (aber natürlich immer dran denken, was du selbst für „angemessen“ hältst), deine Beiträge und spannende Links. Dadurch sehen deine Facebook-Freunde, Twitter- und Instagram Follower auch wer du bist und was dir wichtig ist. Und nicht hinterm Berg halten wofür du stehst. Das kann durchaus auch mal Politisch, wie bspw. in der derzeitigen Flüchtlingsthematik, sein. Dadurch signalisierst du, was deine Werte sind und ziehst damit automatisch Gleichgesinnte an.

Wo soll es mit Fempreneur hingehen? Welche unmittelbaren Ziele hast Du selbst?

Zum einen ist natürlich das Ziel, das Online-Magazin weiter voranzubringen und vor allem inhaltlich noch weiter auszubauen. Wenn man bootstrapped sind da natürlich die Mittel begrenzt, sodass ich gerade nicht 5 Freelancer einstellen kann, die bspw. Artikel schreiben können. Aber eben alles in seinem Tempo.

Zudem arbeite ich gerade an der Monetarisierung des Online-Magazins, damit ich von meiner Selbstständigkeit langfristig auch Leben und entsprechend in das Business auch wieder reinvestieren kann.
Mein persönliches Ziel ist mir das Leben zu gestalten, dass ich leben möchte. Dabei geht es mir weniger um das ultimative Ziel, sondern die Art wie ich jeden Tag arbeiten und leben will.

Liebe Maxi, vielen Dank für das Interview! Und toi, toi, toi und viel Erfolg für all Deine Pläne!

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