Ich habe mich dazu entschieden, auch meinen Verdienst der zweiten Hälfte des Jahres 2017 offen zu legen. Warum? Aus folgenden drei Gründen:

  1. Ungerechtigkeit
  2. Die Debatte um gleiche Bezahlung von uns Frauen zu Männern reißt nicht ab – und das ist gut so, solange der Gender Pay Gap nicht geschlossen ist. Während Island Gehaltsunterschiede aufgrund des Geschlechts gesetzlich verboten hat, zählt Deutschland nach wie vor zu den Ländern Europas mit den höchsten Verdienstunterschieden – Frauen verdienen in Deutschland 21% weniger als Männer. Um diese Lücke zu schließen arbeiten die meisten Frauen noch bis zum 18. März, dem Equal Pay Day, umsonst.

    Es ist richtig, dass wir selbstständigen Frauen den Vorteil haben, unsere Preise selbst zu bestimmen und dennoch, beobachte ich auch hier, wie weit die Spanne bei gezahlten Honoraren (innerhalb ein und derselben Berufsgruppe) auseinandergeht – nicht nur im Vergleich der Geschlechter. Die Ursache hierfür liegt oft in einer Geringwertschätzung der eigenen Arbeit und Unwissenheit. Deshalb finde ich es so wichtig, dass wir alle, über unseren Verdienst sprechen.

  3. Aufklärung
  4. Jede Selbstständigkeit hat Höhen und Tiefen – auch finanzielle„, habe ich in meinem Einnahmenreport für das 1. Halbjahr 2017 geschrieben. Da befand ich mich gerade in einem Tal. In der zweiten Jahreshälfte bin ich dann wieder einen Berg empor gestiegen. Um Euch aufzuzeigen, dass es in einer Selbstständigkeit auf und ab gehen kann, auch auf dem Bankkonto, veröffentliche ich meine Einnahmen.

  5. Egoismus
  6. Der dritte Grund warum ich einen weiteren Einnahmenreport mache, ist ganz eigennützig. Ich möchte mich selbst für meine Verdienste – kleines Wortspiel – 😉 feiern. Tun wir Tue ich, sowieso viel zu wenig. #EgoBoost

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Einnahmenreport 02/2017

Auch in diesem Einnahmenreport gilt, wie schon beim Ersten, dass sich alle von mir gemachten Angaben vor Steuern verstehen. Hier die nackten Zahlen:

Einnahmen aus
… freiberuflicher Tätigkeit: 22.683,39€
… Frau, frei &*: 989,17€

*Hierunter fällt der Verkauf von vier Interviews, zwei Sponsored Articlen und Affiliate-Einnahmen.

Zur Erklärung der Einnahmen aus meiner Arbeit als freien Social Media und Content Marketing Managerin: Im Zeitraum von Anfang Juli bis Ende Dezember hatte ich insgesamt fünf Kunden – von denen ich einen mit ins neue Jahr genommen habe.

Mein Stundensatz variierte von Kunde zu Kunden. Zwei zahlten mir 50€/Stunde, einer 35€, einer 40€ und ein anderer 60€. Die niedrigerer Honorare kamen zustande, weil mir die Abnahme einer gewissen Stundenanzahl über einen langen Zeitraum zugesichert wurde. Das die Realität dann aber oft anders aussieht, hat das vergangene halbe Jahr gezeigt – dazu mehr in meinen Learnings.

Eine Weiterführung der Dozentur habe ich abgelehnt, weil der Aufwand nicht im Verhältnis zur Bezahlung stand. Es wären nur die vier Präsenzstunden pro Woche (40€/Stunde) vergütet worden, nicht aber die Vor- und Nachbereitungszeit. Das wollte ich nach zwei Semestern nicht mehr leisten – um die Luft der „Lehre“ zu schnuppern, reichen mir die 64 bislang geleisteten Stunden aus.

Workshops habe ich in der zweiten Jahreshälfte 2017 nicht gegeben. Es gab einige Anfragen, aber auch hier kam es anders…

Learnings

  • Ein Angebot macht noch keinen Job
  • Ich erhalte regelmäßig Anfragen für Workshops und individuelle Beratungsleistungen; die meisten führe ich nicht aus. Das liegt nicht daran, dass ich diese nicht halten möchte oder der Kunde mit meinem Angebot oder dem Preis nicht zufrieden ist, sondern er es sich anders überlegt. Oft höre ich: „Wir finde Ihr Angebot gut. Auch Ihr Preis ist angemessen. Aber Social Media macht jetzt unsere PR-Agentur mit“. Oh, okay. Legitim. Aber ärgerlich in dem Moment, wenn einem bewusst wird, dass man vier Stunden umsonst am Angebot geschrieben und sich Gedanken gemacht hat. Muss man wissen und mit rechnen. Erwischt mich aber immer wieder. So auch im letzten Halbjahr. Mehrmals.

  • Aller guten Dinge sind 50€
  • Linda Evangelista sagte mal, dass sie nicht für weniger als 10.000 Dollar am Tag aufstehen würde. Mal abgesehen davon, dass ich weit entfernt von dem Tagessatz des Models bin, habe ich im letzten Halbjahr erkannt, dass es sich für mich nicht lohnt für Stundensätze unter 50€ zu arbeiten – 50€ ist der Minimalstundensatz, den ich brauche, um bei vergleichbarer Arbeitszeit zu einer Angestellten über die Runden zu kommen und alle Unkosten zu decken (ausgerechnet mittels dieser Formel). Geringere Stundesätze lohnen sich nur, wenn mir eine bestimmte Stundenanzahl abgenommen wird. Die Masse macht’s. So meine bisherige Denkweise.

    Der Fall im Detail: 35€/Stunde bei 15Stunden/Woche über einen Zeitraum von sechs Monaten = mehr als 12.000 Euro. Die Falle schnappte zu, denn die tatsächliche Arbeitszeit belief sich nur auf 40 Stunden. Insgesamt.

    „Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich dem Stundensatz nicht zugestimmt“. Die Falle schnappt ein zweites Mal zu. Denn nun habe ich mich nicht nur auf eine unverbindliche Zusage verlassen, sondern auch einen gedanklichen Fehler gemacht. Mal abgesehen von dem schlechten Wechselkurs den ich akzeptiert habe, habe ich wieder einmal meine Zeit gegen Geld eingetauscht. Zu meinem Nachteil. Ist es nicht so, dass ich gerade das nicht mehr wollte? Richtig. Ich suche immer noch einen Weg aus der Freelancer-Falle. Bis ich den gefunden habe, muss ich wenigstens für eine angemessene Bezahlung sorgen.

  • Viele Aufträge sind Silber, Achtsamkeit ist Gold
  • Im ersten Halbjahr 2017 hatte ich eine Durststrecke zu überwinden mit zeitweise keinen Kunden. In der zweiten Jahreshälfte habe ich es dann direkt wieder übertrieben und zu viel gearbeitet. Krankheit und Tage, an denen ich mich zu erschöpft fühle, um zu arbeiten, sowie administrative Aufgaben, wie Rechnungen und Angebote schreiben und Zeit für meine Arbeit an FF& habe ich nicht eingeplant. Von ausreichend Freizeit mal ganz abgesehen. Was dazu führte, dass ich Ende 2017 nicht nur tatsächlich krank wurde, sondern mich auch ausgebrannt fühlte. Dieser Zustand hält an, weshalb ich es aktuell ruhiger angehen lassen. Ich versuche es zumindest.

    Zwar habe ich 02/2017 nicht alle Projekte angenommen, die mir angeboten wurden, aber fast. Schließlich musste ich mein Kontostand aus den roten Zahlen bringen.

    Dennoch, und das ist meine Erkenntnis, sollte man sich selbst im ganzen Hustle um Geld nicht vergessen und sich Ruhephase und Müßiggang zugestehen.

    Daran arbeite ich auch in 2018…

© Beitragsbild: Priscilla Du Preez | Unsplash

10 Kommentare
  1. Annika sagt:

    Hallo Sandra,
    danke für den Report! Ich finde die Offenheit zu den finanziellen Durststrecken oder Problemen bei Aufträgen total hilfreich! Das Thema Geld verdienen wird viel zu wenig offen thematisiert.
    Mir selbst ging es letztes Jahr ähnlich. Da muss man dann erst einmal durch, aber es hilft wirklich sehr, wenn man von anderen Selbstständigen ähnliche Erfahrungen liest oder hört. Mein Selbstbewusstsein hat sich in der Zeit allerdings mehr von der Menge des verdienten Geldes abgekoppelt, was ich für die weitere Entwicklung sehr hilfreich finde. Klar, man braucht Geld, aber ich sehe den Erfolg jetzt mehr in anderen Dingen: persönliche Weiterentwicklung, eigene Arbeitserfolge, aktive Auseinandersetzung.
    Die Gefahr bei besserer Auftragslage gleich wieder alles anzunehmen und sich dann zu viel zuzumuten, kenne ich aber bei mir auch. Schließlich kann jederzeit das nächste „Tal“ auftauchen. Und die Stundensätze… ja, das Thema ist auch immer wieder schwierig mit potentiellen Kunden … ein Mindestsatz ist auf jeden Fall eine gute Idee. In diesem Sinne: Ich wünsche weiterhin eine produktive Zeit mit regelmäßigen Auszeiten!

    • Sandra sagt:

      Hallo Annika,

      danke Dir! Beim Schreiben des Beitrages gestern ist mir auch aufgefallen, dass ich mittlerweile ein anderes Mindset habe, als noch vor einem halben Jahr. Ich habe schon damals nicht jedes Angebot angenommen, selektiere jetzt, aber noch stärker und mache nur noch das, worauf ich wirklich Lust habe bzw. von dem ich glaube, dass ich mich dadurch weiterentwickeln kann – und bin auch so ehrlich mit mir, wenn ein Projekt nicht passt und beende es dann. Genau wie Du habe ich erkannt, dass für mich Erfolg nicht mit Geld gleichzusetzen ist. Wobei, wie ich geschrieben habe, das sollte auch stimmen. Nicht unter Wert, und so.

      Dir auch viel Erfolg und danke für Dein Feedback, dass ich sehr zu schätzen weiß! <3 Sandra

  2. Sabrina sagt:

    Wow, vielen Dank fürs offen legen 🙂
    Wie bist du denn an die neuen 5 (nicht schlecht zahlenden) Kunden gekommen?
    Ich fange langsam am zu verzweifeln. Alle wollen nicht mehr zahlen als 20 Euro / Stunde. Das lehne ich mittlerweile ab. Allerdings bin ich kurz davor, sowas wieder anzunehmen, weil ich von irgendwas leben muss 🙁

    • Sandra sagt:

      Hallo Sabrina, ich habe Dir zu Deiner Frage eben eine ausführliche E-Mail geschrieben und hoffe, ich kann Dir damit weiterhelfen. 🙂 Sandra

  3. Lydia sagt:

    Hi Sandra, danke für den wieder sehr offenen Beitrag. Freu mich, dass Du aus dem Tal raus bist. Das Thema „geringerer Stundensatz bei regelmäßigen Aufträgen“ gewöhne ich mir gerade ab. Denn anders als Produkte lässt sich Zeit nun mal nicht skalieren: Eine Stunde ist eine Stunde ist eine Stunde. Und wenn der Satz korrekt kalkuliert ist, dann ist das eben der Preis. Es gibt auch Kunden, denen Qualität wichtiger ist als ein niedriger Preis – die suche ich. Außerdem muss dem Kunden klar sein, dass er sich mit einem niedrigen Stundensatz im Notfall hinten anstellen muss. Was nicht heißt, dass es Unterschiede geben kann z. B. bei den Sätzen für einen Weltkonzern oder eine NGO… Bin gespannt, wie es bei Dir weitergeht. Liebe Grüße, Lydia

  4. Nadja sagt:

    Danke für den interessanten Artikel. Du schreibst, dass du auch eine Durststrecke hattest bzw. in der 2. Hälfte keinen Urlaub etc. eingeplant hattest. Da fände ich den Jahresumsatz 2017 interessant. Wenn du mit Lambert Schusters Gormel kalkulierst, solltest du eigentlich auf einen höheren Stundensatz kommen. Hast du alle nötigen Versicherungen zur Absicherung der Selbstständig und auch deinen Vermögensaufbau einkalkuliert? LS empfiehlt – wie Berater-/Desigbverbände auch – Stundensätze ab 70€. Mal zum Vergleich: mein Schornsteinfeger nimmt 70€ für 15 Min. Arbeit (mit Geselle). Mein Umsatzziel ist 50.000€ für 2018 mit durchschnittlich 30 Std./Woche. Ich berate Manufakturen, Sozialwerkstätten und Startups bei der Herstellung ihrer Produkte.
    Gruß Nadja

    • Sandra sagt:

      Hallo Nadja, danke für Deine Nachricht. Ja, Urlaub, Absicherung und Vermögensaufbau habe ich einkalkuliert (sicher noch nicht ausreichend). Sehr wichtig, dass Du darauf hinweist!!! Bei 50€ handelt es sich wie geschrieben nur um meinem Mindeststundensatz, den ich wie gesagt bräuchte, um genau das alles abzudecken. Keine großen Sprünge inkludiert. Ein besserer Stundensatz, nach Lambert Schuster, wären für mich 70€. Stimmt. Wobei ich mich jetzt auch noch einmal hinsetzen will, um nachzurechnen, weil diese 70€ auf ganz anderen Stundenzeiten basieren, als ich mittlerweile arbeiten möchte. Ich war letzte Woche beim Augenarzt. Für eine Vorsorgeuntersuchung zum grünen Star habe ich für eine 1-minütige Untersuchung 20€ gezahlt. Das ist nen Stundensatz… Liebe Grüße, Sandra

  5. Nora sagt:

    Liebe Sandra, wow, das war der erste Beitrag, den ich in dieser Art gelesen hab. Gut, dass ich dich gefunden habe. 🙂 Interessant ist die Berechnung des Stundensatzes (externer Link). Da habe ich schon geschluckt, ich dachte, ich bin schon ganz gut dabei …
    Alles Gute für dich!

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