Die ersten sechs Monate des Jahres sind vorbei. Ein guter Zeitpunkt um zurückzublicken, wie ich finde. Nehmt Euch einen Moment Zeit und denkt darüber nach, was in Eurer Selbstständigkeit gut gelaufen ist – und was nicht?

Wenn Ihr als Freelancer_In arbeitet, so wie ich es tue, könnt Ihr vielleicht sagen: “Hej, ich habe spannende Projekte umgesetzt und konnte neue Kunden akquirieren.” Oder aber Ihr stellt fest, es hätten durchaus mehr Aufträge sein können.

Wenn es Euer Business ist, Produkte zu verkaufen, könnt Ihr Euch hoffentlich darüber freuen, dass Euch diese aus den Händen gerissen wurden. Oder aber Ihr kommt ins Grübeln: “Warum zum Teufel wollte niemand meine Ware kaufen?”

Und, wie ist Euer Fazit? Hattet Ihr ein erfolgreiches ersten Halbjahr 2017?

Ich nicht – sofern man Erfolg in Einnahmen misst.
 

Nicht die Wahrheit tut weh…

 
Ja, auch ich habe neue Kunden gewonnen und interessante Projekte umgesetzt. Allerdings hatte ich nicht ausreichend, als dass ich gut über die Runde gekommen wäre.

Das werde ich Euch gleich in meinem Einnahmenreport 01/2017 darlegen.

Aber zuvor lasst mich noch kurz erklären, warum ich mich dazu entschieden habe, ausgerechnet jetzt, wo es mit meiner Selbstständigkeit nicht so rund läuft, über meine Einnahmen zu sprechen.

Ganz einfach, weil es sonst niemand tut.

Warum auch? Ist doch hirnverbrannt sich diese Blöße zu geben.

Stimmt. Allerdings finde ich es wichtig darüber zu sprechen, dass man in einer Selbstständigkeit nicht ständig unbeschwert und frei in großen Höhen fliegt. Im Gegenteil. In jeder Selbstständigkeit wird es Turbulenzen geben.

Ich rede hier gar nicht davon, dass diese so stark sind, sodass sie direkt zum Absturz führen. Nein, es geht hier eher um Luftlöcher oder auch mal dunkelgraue Gewitterwolken.

Als ich einer Freundin davon erzählte, dass ich meine Einnahmen offen legen möchte, jetzt, wo diese im Vergleich zu den vergangenen (Halb-)Jahren meiner Selbstständigkeit niedriger, ähm, extrem niedrig sind, hat sie die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen und mir eindringlich davon abgeraten.

“Sandra, am Ende sieht es noch so aus, als ob Du Deine Selbstständigkeit nicht im Griff hättest”.

Damn right, für das vergangene halbe Jahr mag das sogar stimmen. Aber das war bislang, sprich die letzten zweieinhalb Jahre nicht so und wird auch in den kommenden Monaten wieder anders sein, da ich im vergangenen Monaten einen langfristigen und gut bezahlten Auftrag an Land gezogen habe.

Aber genau wegen solcher Stimmen ziehe ich blank – um zu zeigen, dass eine Selbstständigkeit (finanzielle) Höhen und Tiefen hat.

Übrigens war ich eben nicht ganz ehrlich zu Euch.

Mir ist sehr wohl jemand bekannt, der von Beginn an der eigenen Selbstständigkeit offen die Einnahmen darlegt. Andrea Arnold – schaut mal auf Fülle leben vorbei. Und falls Euch interessiert mit wie viel Geld Ihr als startende freiberufliche Texterin rechnen könnt, werft mal einen Blick auf Lilli Koisers Einnahmenreport “Meine ersten sechs Monate”.
 

Einnahmenreport 01/2017

 
Vorneweg sei gesagt, dass sich alle von mir gemachten Angaben vor Steuern verstehen und das ich hier nur Einnahmen aufführe, die tatsächlich in den ersten sechs Monaten dieses Jahres auf meinem Konto eingegangen sind.

Im Juni hatte ich zwei Aufträge, die ich erst am 1. Juli in Rechnung stellen konnte. Den Geldeingang erwarte ich Ende des Monats, weshalb diese Posten in meinem Einnahmenreport für das erste Halbjahr von 2017 nicht berücksichtigt sind.

Einnahmen aus
… freiberuflicher Tätigkeit: 3.239,07€
… Workshops: 690,00€
… Dozentur: 960,00€
… Frau, frei &*: 942,56€

*Hier unter fällt der Verkauf von Bannerplätzen, vier Interviews, einem Sponsored Article und Affiliate-Einnahmen.

Demnach habe ich von Anfang Januar bis Ende Juni 5.831,63€ eingenommen. Oh boy.

Dass das zum Leben nicht ausreicht, brauche ich wohl nicht zu erwähnen – vor allem, wenn man in den vergangenen Jahren recht gut verdient hat und fast 550€ monatlich an die Krankenkasse zahlen muss.
 

Einnahmenreport 01/2015 und 01/2016

 
Wie bereits erwähnt, lief es nicht immer so schlecht bei mir. In den Jahren zuvor, habe ich bei weitem mehr verdient. Hier zum Vergleich die Zahlen:

Einnahmen 01/2015: 20.487.50€
Einnahmen 01/2016: 22.145,50€

Wenn Ihr Euch fragt, wie es zu diesem krassen Einbruch an Einnahmen gekommen ist – immerhin habe ich im laufenden Jahr fast 75% weniger eingenommen, als in den beiden Vor(halb)jahren – ist das einfach erklärt.
 

Wenn es mal schief läuft, dann richtig

 
Zu Beginn meiner Selbstständigkeit habe ich hauptsächlich an Projekten für einen Kunden gearbeitet. Fest, frei sozusagen. Dabei habe ich sehr gut verdient. That’s right. Mir schlackern selbst die Knie in der Retrospektive.

Die Arbeit für diesen Kunden habe ich vor einem Jahr beendet – um mich auch anderen Aufträgen widmen zu können.

Das hat suboptimal funktioniert.

Oder besser gesagt, ich bin es falsch angegangen…

Ich hatte mir vorgenommen, mich voll und ganz Frau, frei & zu widmen. Ich wollte schauen, wie ich mit dem Blog Geld verdienen kann – denn dafür brenne ich. Und wenn ich eh schon sehr viel Zeit in die Pflege der Seite und Inhalte stecke, kann ich doch damit vielleicht auch ein paar Euro machen. So der Gedanke.

Dass dieser Plan bis heute nicht aufgegangen ist, hat unterschiedliche Gründe. Der Tod meiner Schwester Ende des letzten Jahres, Planlosigkeit, welche Angebote Euch helfen und interessieren könnten und – jetzt geht es ab in den Teufelskreis – Sorgen, wie ich die Miete und laufende Rechnungen zahlen kann.

Kopf hoch!

Aber ich lasse mich von dieser Tiefphase nicht unterkriegen. Getreu dem Motto “Wenn es holprig wird, steigt man nicht aus, sondern schnallt sich an”.

Ich habe nachjustiert – insbesondere gedanklich.

Solange ich keinen Schimmer habe, welchen Weg ich mit Frau, frei & gehen möchte, widme ich meine Zeit wieder vermehrt der freiberuflichen Arbeit – und überlege mir dann, finanziell abgesichert, wo es mit uns beiden hingeht.

Seitdem ich diese Entscheidung für mich getroffen habe, läuft es auch wieder mit der Beauftragung. Murphy’s law, ich sag’s Euch.

Warum erzähle ich Euch das?

Aus 2. Gründen:

  1. Jede Selbstständigkeit hat Höhen und Tiefen – auch finanzielle. Lass Dich davon nicht unterkriegen. Aber halte auch nicht so lange daran fest, bis Du in großen Schwierigkeiten steckst. Ich für meinen Teil habe zeitweise sogar eine Teilzeitanstellung in Erwägung gezogen – und mich auch auf entsprechende Stellenangebote beworben.
  2. Du musst das richtige Mindset haben. Zu jeder Zeit. Sei Dir im Klaren darüber was Du willst; wohin Du willst. Sonst kann Dir das Universum nicht “die Dinge” schicken, die Dir auf Deinem Weg weiterhelfen.
  3.  
    Was Du tun kannst, wenn es auch bei Dir in der Selbstständigkeit mal nicht so gut läuft, verrate ich Dir in meiner ersten Podcast-Folge, die demnächst erscheinen wird – ich werde Euch up to date halten..

    © Beitragsbild: johannafriebe | Pixabay

19 Kommentare
  1. Ela sagt:

    Liebe Sandra,

    Danke für diesen ehrlichen Einblick, es war bestimmt nicht ganz leicht für Dich im letzten Halbjahr, aber dafür um so schöner, dass Du wieder hier bist!

    Murphy Law ist manchmal echt heimtückisch, aber so wahr! Zeige uns was schief gehen kann und erobere damit die Welt und Deine Freiheit zurück!

    Bis bald.

    Mahalo und Aloha, Ela

  2. Andrea sagt:

    Danke, Danke, Danke!
    Und als alter Controller kann ich bezeugen: Im Universum sitzt ein/ eine Controller/in, die entsprechendes vom Mindset hören möchte. Habe noch nicht die richtige Funkfrequenz gefunden. Bleibe optimistisch.

  3. Phyllis sagt:

    Vielen Dank für diesen Artikel. Ich finde es schlimm, dass in Deutschland nie über Geld gesprochen wird und ich denke, dass es an der Zeit ist dies zu ändern! Egal ob es um Gehälter geht oder darum was man freiberuflich erwirtschaftet. Ich hab mich im März selbstständig gemacht als Grafikdesignerin und ich habe bisher noch gar keine Aufträge gehabt. Aber ich lasse mich nicht entmutigen, ich bin weiter fleißig am Bloggen und Gestalten und hoffe sehr, dass ich auf diesem Wege auch bald meine ersten Kunden und Aufträge an Land ziehe. Ich finde es sehr ermutigend Artikel wie deinen hier zu lesen. Das zeigt dann doch, dass man nicht alleine ist und wir Selbstständigen am selben Strang ziehen.

  4. Bettina Sturm sagt:

    Liebe Sandra,
    Danke für deine Offenheit. Damit setzt du ein Zeichen, wie wichtig es für uns Selbständige ist, Klartext über #Geld zu sprechen.
    Und für dich und dein wunderbares ff& hoffe ich, dass du bald weist, wo die Reise hingeht. Denk immer an dein #warum.
    LG von Tina

  5. Anja Witter sagt:

    Hallo Sandra,

    danke. Es ist gut zu wissen, dass es auch anderen so geht:-) Ich bin in einer vergleichbaren Situation und auch gerade dabei mich neu aufzustellen. Wichtig ist nicht den Mut zu verlieren und öfters mal einen Rückblick wagen, um die Realität nicht aus den Augen zu verlieren. Toll, dass es deine Seite gibt:-) Ich wünsche dir viel Energie und klare Gedanken.

    Liebe Grüsse aus Barcelona
    Anja

    • Sandra sagt:

      Hallo Anja, schön von Dir auch hier zu lesen. Ich drücke Dir für Deine Neuaufstellung und den weiteren Weg auch viel Erfolg und Energie! Danke für Deine Worte!

  6. Julia Fremder sagt:

    Liebe Sandra, herzlichen Dank für Deinen ehrlichen Beitrag! Jeder Tiefpunkt oder jede Durststrecke führt letztendlich zu einer qualitativen Verbesserung, wenn man einen starken Willen hat und einer tiefen Überzeugung folgt. Ich lese wahnsinnig gerne die Beiträge und die Interviews Deiner Seite und wünsche Dir weiterhin alles Gute :)!

  7. ricarda sagt:

    Danke! Mal klare Zahlen zu sehen finde ich super und rückt für mich Selbstständigkeit auch wieder in ein anders Licht, bzw. zeigt w einfach nochmal mehr davon. Sharing is caring! Danke fürs teilen, ich teile dich jetzt bei Facebook 😉

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