Copyright – Wie schütze ich meine Kreativität?

Immer wieder stolpere ich in letzter Zeit über schockierende Geschichten von Selbstständigen, deren Bilder und Designs mutmaßlich von Konzernen geklaut und vermarktet werden. Gerade Solopreneure haben häufig nicht die Mittel, ihre Rechte durchzusetzen. Ein Missstand, der die Starken stärkt und die schwachen schwächt.

David gegen Goliath – Selbstständige sitzen am kürzeren Hebel

Urheberrechtsverletzungen Tuesday Bassen
© Instagram / @tuesdaybassen

Angefangen hat alles damit, dass ich über einen Artikel auf Jezebel über Tuesday Bassen gestolpert bin. Tuesday ist Grafik-Designerin mit einem Hang zu popartigen Comic-Zeichnungen, die sie in ihrem eigenen Online-Shop in Form von Pins und Aufnähern vertreibt. In den letzten Wochen hat sie es zu unerfreulichem Ruhm gebracht, und zwar als Pionierin eines Feldzugs gegen Modekette ZARA (inklusive Bershka, Pull&Bear und Stradivarius). Mit einem Instagram-Post hat sie vor gut einem Monat eine regelrechte Lawine ins Rollen gebracht. In ihrem Post veröffentlichte sie einen Teil eines Briefes, mit dem ZARA ihre Anschuldigungen zurückwies, der Konzern habe unerlaubterweise einige ihrer Designs auf eigenen Artikeln reproduziert. ZARA weist die Anschuldigungen aus zweierlei Gründen zurück (ich paraphrasiere): erstens seien ihre Designs nicht einzigartig genug, um eindeutig als Vorlage für die Designs des Konzerns identifiziert zu werden, und zweitens sei Tuesday nicht bekannt genug, als dass eine etwaige Kopie einer relevanten Menge an Menschen auffallen würde.

Schon allein, weil man sich die traurige Existenz des Praktikanten nicht vorstellen mag, der die Aufgabe hätte, sich durch Tuesdays Online-Shop zu klicken und die kopierwürdigsten Designs abzumalen, will man hier vielleicht beide Augen zudrücken und ZARA abnehmen, dass ihre eigenen Kreativ-Genies auf das Herzchen-Lutscher-Design gekommen sind. ZARA hat so viele Produkte, so viele Designs. Vier ähnliche Grafiken kann man ihnen vielleicht nicht zum Vorwurf machen… Doch kurz nachdem Tuesday Bassen den Modekonzern an den Pranger stellt, melden sich innerhalb weniger Tage über 20 weitere Illustratoren, die ihre Designs auf ZARA-Produkten wiedererkannt haben wollen. Einer der Beschädigten, Adam Kurtz, ruft daraufhin die website shoparttheft.com („Kauft Kunstdiebstahl“) ins Leben, auf der die Motive katalogisiert werden. Der Vorwurf, dass es sich hierbei vielleicht doch um systematischen Design-Diebstahl handelt, scheint in diesem Licht nicht mehr ganz so weit hergeholt.

Foto "Lollipop Motel" von Carol Highsmith
© Carol Highsmith

Doch ZARA et. al. sind nicht die einzigen (mutmaßlichen) Übeltäter. Zeitgleich macht eine sogar noch bizarrere Geschichte die Runde. Die Fotografin Carol Highsmith spendete 2009 ihr Lebenswerk von 100.000 Fotos an die amerikanische Library of Congress. Die Bilder sollten digital unter einer Quasi-Creative-Commons-Lizenz der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden. Jeder darf die Bilder also kostenlos nutzen, muss aber Carol als Urheber nennen. Und jetzt wird’s lustig. Als Carol selbst einige ihrer Bilder veröffentlichte, soll sie einen Mahnbrief von Lizenzplattform Getty Images bekommen haben. Sie verwende Bilder, an denen Getty Lizenzinhaber wäre, und solle doch bitte die Lizenzgebühren bezahlen. Erst als Getty ihr nach langem Hin und Her glaubte, dass sie selbst Inhaberin der Bildrechte ist, sollen sie ihr die Gebühren erlassen haben. Andere Nutzer, die Carols Bilder verwenden, sollen jedoch weiterhin Mahnbriefe bekommen. Jetzt hat Carol Highsmith Klage eingereicht und fordert (lasst Euch das jetzt mal auf der Zunge zergehen) 1 Milliarde Dollar Schadensersatz. Das Urteil steht noch aus. Hier könnt Ihr mehr über den Fall lesen.

Auch Tuesday Bassen hat Anwälte eingeschaltet. Der erste allein Brief kostete sie 2.000 Dollar. Das ist das Problem des Urheberrechts für Selbstständige und kleine Unternehmen. Die Anwaltskosten, die auf sie zukommen, wenn sie gegen einen Großkonzern vorgehen wollen, können sich die wenigsten leisten. Bevor es zu einem Urteilsspruch oder gar zu einer Verhandlung kommt, sind die meisten bereits bankrott. Viele nehmen Verstöße gegen ihr Urheberrecht daher widerstandslos hin.

Was kann ich tun, um mein Urheberrecht zu schützen?

Bei Fotorechten hat natürlich der das Recht am Bild, der es gemacht hat oder dem die Rechte daran übertragen wurden. Bei Grafiken und Illustrationen gestaltet sich das etwas schwieriger. Denn diese gelten nur als schützbar, wenn die Darstellung einzigartig und nicht zwingendermaßen in der vorliegenden Form durchgeführt werden musste. Besonders Icons, Piktogrammen, Gebrauchsanweisungen, Werbe-Illustrationen und Layouts wird nicht immer Werk-Qualität zugesprochen. Das heißt sie können nicht immer durch das Urheberrecht geschützt werden. Mehr Informationen dazu, was ein Werk ist und was nicht, findet Ihr hier.

  1. Markenrecht:

    Handelt es sich bei Eurem zu schützenden Werk um Eure Marke, könnt Ihr diese im Markenregister eintragen lassen. Das ist ab 290 € möglich, je nachdem, wie umfangreich (also über wie viele Sektoren (z.B. Mode, Autos etc.)) Eure Marke geschützt sein soll. Mehr Informationen über die Anmeldung einer Marke bekommt Ihr beim Deutschen Patent- und Markenamt.

  2. Verwertungsrecht:

    Erstellt Ihr eine Grafik oder eine Illustration im Auftrag eines Kunden, so klärt im Vertrag, wofür genau und auf welchen Kanälen Euer Werk verbreitet werden darf. Eine Druckbroschüre darf nicht automatisch online gestellt werden, eine Grafik für Social Media nicht unerlaubt auf einem Flyer erscheinen etc. In welchem Umfang und auf welchen Kanälen Euer Werk veröffentlicht werden darf, muss im Vertrag festgehalten werden. Der Umfang sollte auch über den Preis entscheiden. Will Euer Kunde eine Grafik zum Beispiel Auf seiner Website, auf gedruckten Flyern und auf seinen Social-Media-Kanälen verbreiten, solltet Ihr mehr dafür verlangen, als wenn die Grafik ausschließlich für den Flyer gedacht ist. Bei Drucksachen solltet Ihr auch klären, ob sie nur in Deutschland oder zum Beispiel weltweit verbreitet werden. Noch einmal teurer könnt Ihr Eure Designs machen, wenn Euer Kunde mit ihnen Geld verdienen will, wenn Ihr zum Beispiel T-Shirt-Designs für einen Shop-Betreiber erstellt. Aber Achtung: Nicht immer ist Kunden das Problem mit dem Verwertungsrecht bewusst. Viele denken nicht darüber nach, wenn sie eine schöne Illustration auch auf Facebook teilen. Am besten fragt Ihr im Vorfeld ganz direkt danach, wo Eure Arbeiten überall verwendet werden sollen und stellt klar, dass eine spätere Verwendung auf anderen Plattformen zusätzliche Kosten mit sich bringen würde.

  3. © Martin Mißfeldt / Bildersuche.org

    Verwertungsgesellschaften:

    Bei bestimmten medialen Erzeugnissen, zum Beispiel Zeitungen, Magazinen und Schulbüchern, können Designer und Illustratoren auch über deren Abverkauf mitverdienen. Hierfür müssen sie allerdings bei der Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst registriert sein (für Schriftsteller und Journalisten gibt es übrigens äquivalent die Verwertungsgesellschaft Wort). Dann bekommen sie jährlich einen Anteil an den Einnahmen der Herausgeber ausgezahlt.

  4. Creative Commons Lizenzen:

    Viele Kreative stellen ihre Werke gerne auch kostenlos zur Verfügung. Lasst Euch nicht aus Angst vor Missbrauch den Spaß an der Verbreitung Eurer Bilder und Grafiken nehmen. Man muss nicht mit allem Geld verdienen. Auf jeden Fall solltet Ihr aber darauf achten, dass Ihr als Urheber genannt werdet. So könnt Ihr zum Beispiel von der zusätzlichen Reichweite profitieren. Am besten geht das über die Creative Commons Lizenz. Wie das genau geht, seht Ihr in der Infografik rechts.

  5. Timestamping:

    Es gibt jede Menge Webseiten im Netz, die anbieten, ein Werk notariell zu beglaubigen – gegen eine gewisse Summe Geld. Finger weg davon! Das ist in Deutschland nicht nötig. Das Urheberrecht verlangt keine notarielle Beglaubigung, sie macht einen Gerichtsstreit auch nicht einfacher. Eure Veröffentlichung reicht aus, um Euer Urheberrecht zu gewährleisten. Hilfreich ist es aber natürlich, wenn Eure Werke mit einem Erstelldatum versehen sind. Unser Blog zum Beispiel hinterlegt das Veröffentlichungsdatum automatisch im Quellcode.

Was, wenn trotzdem jemand mein Urheberrecht verletzt?

Das lässt sich, wie man an den unschönen Beispielen oben gesehen hat, natürlich nicht ausschließen. Sollte jemand Euer Werk ohne Erlaubnis weiterverbreiten oder kopieren, empfehle ich, den Herausgeber in einem ersten Schritt zu kontaktieren und anzubieten, Euer Werk für ein Honorar weiter zu nutzen. Alternativ könnt Ihr zum Beispiel auch um Namensnennung oder Verlinkung bitten. Sollte es sich um ein Versehen und keine willentliche Urheberrechtsverletzung handeln, ist derjenige sicher bereit, auf Eure Forderung einzugehen oder das betreffende Bild zu entfernen. Wenn nicht, bleibt Euch leider nichts anderes übrig, als Euch einen Anwalt zu suchen und auf Unterlassung und/oder Schadensersatz zu klagen. Das kann aber teuer werden. Alternativ finde ich Öffentlichkeit immer ein probates Mittel. Macht es bekannt, dass Euer Urheberrecht verletzt wurde. Vielleicht lässt sich der Übeltäter so ja sogar dazu bringen, Euch doch zu entschädigen, oder zumindest die Veröffentlichung rückgängig zu machen.

Welche Erfahrungen habt Ihr mit Uhrheberrechtsverletzungen gemacht? Habt Ihr vielleicht noch weitere Tipps, wie man sich schützen kann?

© Beitragsbild: Death to the Stock Photo

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5 Kommentare
  1. Dora sagt:

    super verständlich erklärt macht wirklich Spaß zu lesen im Vergleich zu vielen anderen Seiten.
    Ich würde gerne noch wissen ob man oder wann man bei eigenen Illustrationen eine ähnlichkeitsrecherche machen sollte. Bsp: wenn ich mein Motiv auf ein T-Shirt drucken möchte und eine versehentliche Urheberrechtsverletzung anschließen möchte (im Bezug auf ein logo oder einer anderen Illustration).
    Und wie weit darf ich mich von Vorlagen inspirieren lassen wenn ich die Motive zum Kauf anbiete?
    Vielen Dank & LG

  2. Laura Heimisch sagt:

    Sehr interessanter Artikel, vielen Dank. eine Freundin von mir ist auch eine sehr geniale und kreative Person und hatte damit angefangen, Muster für Fun Shirts auszudenken, die Menschen dann bestellen konnten. Da hat sie sich auch mit dem Problem der Privacy und Urheberrecht auseinandergesetzt.

  3. Bernd sagt:

    Das ist aber wirklich gemein von einem Konzern, dass er sich das nimmt, was der Künstler in langer Arbeit geschaffen hat. Mit einem Rechtsanwalt oder Notariat kann man dem nicht beikommen? Ich schicke mir Texte, die ich geschrieben habe, immer selbst zu, so kann ich anhand des geschlossenen Briefes und des Poststempels nachweisen, dass ich tatsächlich vor jemand anderem die Idee hatte.

  4. G. Schlüter sagt:

    Ich habe Geschichten geschrieben und würde diese natürlich auch gerne vermarkten.
    Schreibe ich da nur das Datum und meinen Namen drunter?
    Reicht das aus?Oder wie machte ich das am Besten ?

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