Buchvorstellung: „Ich bin dann mal ich. Gedanken eines angehenden Digital Nomaden“

Buchvorstellung "Ich bin dann mal ich. Gedanken eines angehenden Digital Nomaden"

Wenn Ihr Euch mit dem Thema Digitales Nomdentum beschäftigt, kennt Ihr sicher auch das Filmprojekt von Tim Jonischkat und Thorsten Kolsch: “Digitales Nomadentum – Deutschland zieht aus”. Nein? Solltet Ihr aber. Die Dokumentation der beiden, die mittlerweile schon zwei Teile umfasst, gewährt einen einmaligen Einblick in das Leben “ortsunabhängiger Freidenker, die ihr Zuhause gegen Laptop und Strand getauscht haben”.

Für ihre Filme haben Tim und Thorsten viele bekannte deutschsprachige Digitalnomaden getroffen wie z. B. Connie Bisalski, Felicia Hergarten und Marcus Meurer oder Tim Chimoy. Laut eigener Aussage haben die beiden den Digitalnomaden tief(er) in die Köpfe geschaut. Und das stimmt auch. Allerdings sind alle Protagonisten des Films bereits erfolgreich im ortsunabhängigen Arbeiten. Aber: Welche Gedanken hat ein angehender Digitalnomade? Mit welchen Fragen wird man konfrontiert? Was sind die ersten Schritte, die man gehen sollte, um loszulegen?

Auch darauf hat Thorsten Kolsch eine Antwort. Allerdings nicht in den beiden Filmen, sondern in seinem eigenen E-Book “Ich bin dann mal ich“ – super cooler Titel! 😀

Die im Buch “niedergeschriebenen Gedanken und Erlebnisse beruhen auf meiner ganz persönlichen Geschichte und sind das Ergebnis monatelanger Dreharbeiten zum Film “Digitale Nomaden – Deutschland zieht aus”, schreibt Thorsten zu Beginn seines Buches (S.8).

Eins wird schnell klar: Einfach hat man es als angehender Digitaler Nomade nicht. “Als Außenstehender denkt man (…) vielleicht an nerdige Mac-süchtige Leute, die seltsame Ansichten vom Leben haben und in ihrer eigenen Welt leben.” (S. 7) Mit Vorurteilen haben Digitale Nomaden viel zu kämpfen wie auch dieser Artikel zeigt.

Thorsten möchte mit diesen aufräumen: “Ich möchte in diesem Buch beschreiben, weshalb es auf jeden Fall sinnvoll ist, bisherige Denkmuster zu überdenken. Warum gelebte Strukturen nicht immer die besten sind.” (S. 6)

Er spricht von den traditionellen Strukturen; denen der herkömmlichen Festanstellung. “Geht man nicht den erprobten und vermeintlich sicheren Weg, stößt man schnell auf Widerstände. Ein Schritt nach links oder rechts wird gern als gesellschaftlicher Regelverstoß geächtet. Man wird als Exot abgestempelt.” (S. 25)

Das Thorsten, ebenso wie ich, kein Freund des klassischen 9-to-5-Jobs ist, wird in seinem E-Book offensichtlich: “Zudem wurde mir irgendwann klar, dass die Dankbarkeit für meinen persönlichen Einsatz auf den monatlichen Gehaltscheck beschränkt war. Denn spätestens, wenn eines Tages die Kündigung ins Haus flattern sollte, wird man sich fragen, für wen man das eigentlich gemacht hat. Für wen man sich aufgeopfert hat.” (S. 14)

Dennoch: missionieren möchte er nicht. So räumt er ein, dass gesellschaftliche Strukturen wichtig für das Zusammenleben sind und das natürlich nicht jeder ortsunabhängig leben kann. Das sähen auch andere Digitalnomaden so. Sie wollen “Chancen aufzeigen für Leute, die sich in ihrem Job unwohl fühlen oder einfach den Wunsch hegen, öfter zu reisen und dies mit der Arbeit zu kombinieren.” (S. 51)

Letztendlich geht es “um die Freiheit, sich für ein Lebensmodell entscheiden zu können. Ohne dabei schief angeguckt zu werden, nur weil es möglicherweise gegenwärtig nicht der Mehrheitsmeinung entspricht.” (S. 47).

Deshalb hat Thorsten Gründe aufgeschrieben – und zwar seine ganz persönlichen –, warum ein “Leben als Digitaler Nomade durchaus überlegenswert, wenn nicht sogar erstrebenswert ist.” (S.31)

1. Die Verknüpfung von Arbeit und und Reisen
“Schon an diesem Punkt spaltet sich die öffentliche Meinung. Für viele ist die Verknüpfung von Arbeit und Urlaub gar nicht erstrebenswert.” (S. 31) Nicht so aber für Thorsten. Er und ich sind da ähnlich gestrickt: “Wenn Du Deine Berufung gefunden hast, die Dir wirklich Spaß macht, dann machst Du den Job auch gerne in Deiner Freizeit.” (S. 33)

2. Du bist der Boss
Als Digital Nomade hat man die Freiheit, “ein selbstbestimmtes Leben zu führen – ohne gesellschaftliche oder arbeitstechnische Zwänge.” (S. 33f) Ein solches Leben als Angestellter zu führen wird schwierig, schreibt Thorsten, räumt aber gleichzeitig ein, dass sich auf Seiten der Arbeitgeber viel tut, insbesondere in der Digitalwirtschaft. “Immer mehr Arbeitgeber (…) geben ihren Arbeitnehmern ein hohes Maß an Freiheit.” (S. 34) Wenn man allerdings berufliche Freiheit anstrebt, geht das zu 99% nur als Selbstständiger. An dieser Stelle zitiert Thorsten den Digital Nomaden Tim Chimoy.

3. Befreie Dich von unnötigen Dingen
“Es ist alles da. Im Überfluss. Wohnungen, Autos, Fahrräder, Busse und Bahnen, Internet und vieles mehr.” (S. 37) Weshalb soll man deshalb alles selber besitzen, fragt sich Thorsten und hat viele seiner persönlichen Dinge verkauft. Um entspannter und freier zu leben. “Die wenigen Dinge, die ich mit großartigen Erinnerungen in Verbindung bringe sind weiterhin in einem der fünf Kartons auf dem einen Quadratmeter eingelagert. Die werde ich auch nie wegwerfen, allerdings muss ich sie nicht ständig um mich herumhaben.” (S. 38)

4. Örtliche Unabhängigkeit
Nicht jeder Digital Nomade arbeitet ortsunabhängig, sagt Thorsten. Aber er könnte, wenn er wollte. “Es geht immer nur um die Möglichkeit (!) ortsunabhängig zu sein, weil es sich frei nun mal besser lebt. Deswegen verleugnet man aber weder seine Heimat, noch sein soziales Umfeld.” (S. 41)

5. Lerne Deine Heimat besser kennen
“Klingt im Kontext mit Digitalen Nomaden nach Widerspruch, ist aber keiner”, sagt Thorsten. “Denn wer viel unterwegs ist, wird seine Heimat zwangsläufig stärker zu schätzen wissen.” (S. 42)

6. Ständiges Lernen durch unvorhergesehene Ereignisse. Lernen, Kompromisse zu machen
“Lernen tut man doch eh immer, oder nicht?” “Das stimmt”, sagt Thorsten. “Doch noch mehr lernt man, wenn dies nicht dauernd im Rahmen von alltäglichen Abläufen stattfindet. Ständig wiederkehrende Routinen lähmen eher den Drang nach Kreativität. Man richtet sich ein. Man begnügt sich mit dem Status Quo und übersieht dabei all die Dinge, die man machen könnte.” (S. 43)

7. Lerne spannende Menschen und Orte kennen
“Bildlich gesehen ist Reisen eine Horizonterweiterung im wahrsten Sinne des Wortes. So fahre ich nicht nur bis zum Horizont, sondern in der Regel immer auch ein Stück weiter. Nur so lerne ich Menschen und Orte kennen, die mich bisher noch nicht auf meinem Weg begleitet haben.” (S. 44)

Welch ein schönes Bild, um diesen Buchvorstellung abzuschließen. 🙂 Und wenn auch Ihr Euren Horizont zum Thema Digitales Nomadentum erweitern wollt, werft unbedingt einen Blick in das Buch von Thorsten.

Ich bin dann mal ich – wollen wir das nicht alle?

© Beitragsbild: negativespace.co

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Webseite verwendet Cookies. Stimme der Verwendung von Cookies zu, wenn Du die Webseite weiter nutzt. Mehr Informationen

Für eine uneingeschränkte Nutzung der FF&-Webseite werden Cookies benötigt. Einige dieser Cookies erfordern Deine ausdrückliche Zustimmung. Bitte stimme der Verwendung von Cookies zu, um alle Funktionen der Webseite nutzen zu können. Detaillierte Informationen über den Einsatz von Cookies auf dieser Webseite erhältst Du in unseren Datenschutzbestimmungen.

Schließen