Als ich mich selbstständig machte, merkte ich auf einmal, wie viele andere Menschen um mich herum ebenfalls selbstständig waren oder mit dem Gedanken spielten, sich selbstständig zu machen. Das Tolle daran war, dass man viele Leute hatte, die man fragen konnte, wenn man sich unsicher war – besonders was den Papierkram angeht. Das Schwierige war, dass wir alle ein bisschen im gleichen Boot saßen. So richtig lang dabei waren die wenigsten. Die meisten hatten wie ich erst kürzlich den Berufseinstieg hinter sich gebracht oder eine Ausbildung beendet. Wir waren also alle recht unsicher, welche Möglichkeiten uns zur Verfügung standen. So kam es auch, dass ich manchmal fehlinformiert wurde. Zum Beispiel in Sachen Gründungszuschuss.

Eine ehemalige Kollegin von mir war vom Amt beraten worden und gab mir mit glühender Empfehlung den Tipp, ich solle einen Gründungszuschuss beantragen – sofort! Schließlich bekäme man sechs Monate lang quasi ein sicheres Grundeinkommen, das man nicht zurückzahlen müsse. Cool! Dachte ich mir. Auf zum Amt! Aber halt. Da ich selbst gekündigt hatte, war ich für den Gründungszuschuss gesperrt. Denn ich hatte ja auch kein Anrecht auf Arbeitslosengeld. Lediglich wer Arbeitslosengeld bezieht, darf einen Gründungszuschuss beantragen.

Für wen ist der Gründungszuschuss?

Einen Gründungszuschuss kann jeder beantragen, der oder die Arbeitslosengeld I bezieht und dessen Anrecht auf ALG I noch mindestens 150 Tage beträgt. Für mich war das zunächst unintuitiv. Ich hatte schließlich gekündigt, um mich selbstständig zu machen. Wieso sollte ich keinen Gründungszuschuss bekommen? Aber der Gründungszuschuss soll helfen, „die Arbeitslosigkeit zu beenden“ – also Arbeitslose ermutigen, statt nach einer Anstellung zu suchen, selbst etwas Neues aufzubauen. Für Wissenshungrige unter Euch: Der Gründungszuschuss ist Teil des Hartz-Konzepts (Wikipedia, hey hey ;)). Deshalb bekommt den Gründungszuschuss nur, wer mindestens 15 Stunden in der Woche in seiner Selbstständigkeit arbeitet (Mindestgrenze für Hauptberuflichkeit) und daher nicht mehr als arbeitslos gemeldet ist. Aber Achtung! Nur, weil man alle Anforderungen erfüllt, bedeutet das nicht automatisch, dass man den Gründungszuschuss auch bekommt. Jeder Antrag wird geprüft und ob er bewilligt wird oder nicht, liegt im Ermessen des zuständigen Vermittlers. Der Antrag sollte daher gut ausgearbeitet werden.

Wie stelle ich den Antrag?

Der Antrag muss vor der Aufnahme der selbstständigen Arbeit gestellt werden. Wer bereits selbstständig ist, kann eigentlich keinen Gründungszuschuss mehr beantragen. Ein Schlupfloch wäre, wenn Ihr zum Beispiel beweisen könntet, dass Ihr Euer Business neu aufbauen müsst. Die Existenzgründung soll langfristig aus der Arbeitslosigkeit führen. Der Antrag sollte daher sowohl die fachliche Qualifikation beweisen als auch nachhaltige Profitabilität. Hierfür eignen sich Zeugnisse über die Qualifikation, Stellungnahmen von Handelskammern oder Kreditinstituten, Zertifikate über absolvierte Fortbildungen o.ä. Außerdem gehört ein guter Geschäftsplan zum Antrag, der aufzeigt, wie das Geld verwendet werden soll und mit welchen Gewinnen zu rechnen ist. Wer so einen Business Plan noch nie geschrieben hat (so wie ich), der kann sich dafür zum Beispiel vom Arbeitsamt coachen lassen (s.u.). Folgende Fragen sollten auf jeden Fall beantwortet werden:

  • Was soll produziert werden bzw. welche Art Dienstleistung soll angeboten werden?
  • Wo arbeite ich? (Auch Selbstständigkeit im Ausland kann gefördert werden, wenn Ihr die Steuern in Deutschland zahlt.)
  • Wer ist meine Zielgruppe und wie groß ist die Zielgruppe?
  • Wie viele Wettbewerberinnen und Wettbewerber gibt es auf diesem Markt?
  • Welche Kosten entstehen mit der Gründung und in der Anfangsphase?
  • Welches Startkapital wird gebraucht und woher bekomme ich es? (Kredit, Förderung, Croudfunding etc.)
  • Welche finanziellen Hilfen sind möglich und an welche Bedingungen sind sie geknüpft?
  • usw.

Und was bekomme ich?

Der Gründungszuschuss wird sechs Monate lang gezahlt und ist ebenso hoch wie das bezogene Arbeitslosengeld. Außerdem bekommt man noch monatlich 300 Euro „zur sozialen Absicherung“. Diese 300 Euro können auch über weitere neun Monate gezahlt werden, eine Garantie darüber gibt es allerdings nicht. Diese Verlängerung muss ab dem vierten Monat der Selbstständigkeit neu beantragt werden.

Was, wenn mein Antrag auf einen Gründungszuschuss abgelehnt wird?

In dem Fall kann man Widerspruch einlegen und gegebenenfalls sogar vor Gericht gehen. Dafür empfiehlt es sich dann aber, einen Anwalt zu engagieren. Überlegt auch, ob Ihr den Gründungszuschuss wirklich jetzt beantragen wollt. Wer das mit der Selbstständigkeit nur mal ausprobieren will, der sollte vielleicht darauf verzichten. Denn wenn man den Zuschuss einmal erhalten hat, ist man danach für zwei Jahre gesperrt.

Schwanger? Achtung!

Um den Gründungszuschuss zu beziehen muss man, wie gesagt, mindestens 15 Stunden pro Woche arbeiten. Für Selbstständige gilt dabei anscheinend nicht das gleiche Anrecht auf Mutterschutz. Es wird wohl rund um die Geburt eine Ausnahme gemacht, aber eben nicht die üblichen sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Geburt. Wenn Ihr schwanger seid, solltet Ihr unbedingt vor der Existenzgründung klären, ob das ein Problem werden könnte. Elterngeld und (gegebenenfalls) Mutterschaftsgeld können aber trotzdem bezogen werden, ohne dass das einen Einfluss auf den Gründungszuschuss hat.

Hier könnt Ihr Euch in Eurer Stadt coachen und beraten lassen:

Berlin (oder speziell für Frauen in der Berliner Gründerinnenzentrale)

Hamburg

München

Habt Ihr den Gründungszuschuss beantragt und könnt Tipps oder Erfahrungen weitergeben? Wir freuen uns über Eure Kommentare!!

© Beitragsbild: Ryan McGuir | gratisography

3 Kommentare
  1. Oli sagt:

    Danke für die tolle Info! Hab auf meiner Webseite auch ein bisschen was über meinen erfolgreichen Weg zum Existenzgründerzuschuss geschrieben!

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