In den letzten Monaten lief es in meiner Selbstständigkeit, sagen wir mal, eher suboptimal. Wie ihr in meinen Einnahmenreport für das erste Halbjahr 2017 nachlesen könnt.

Dieser Tage geht es wieder bergauf. In den vergangenen Monaten habe ich mich aber vermehrt damit beschäftigt, was man frau tun kann, wenn es mal nicht so gut läuft; man frau ihre/seine Dienstleistungen und Produkte nicht ausreichend verkauft.

Dabei geisterte mir immer wieder eine Frage durch den Kopf: Kann ich als Selbstständige_r in der gesetzlichen Arbeitslosenversicherung (private Angebote gibt es gar nicht) aufgenommen werden? Und daran anschließend: Sollte man frau das überhaupt wollen?

Diesen Fragen gehe ich nun auf den Grund…

Arbeitslosengeld 1

Das Wichtigste vorne weg: Eine freiwillige Arbeitslosenversicherung ist ausschließlich für Neugründer_Innen relevant, da der Antrag auf Aufnahme bis spätestens drei Monate nach Beginn der selbstständigen Tätigkeit bei der Bundesagentur für Arbeit eingereicht werden muss.

“Für Leute, die frisch gründen und noch nicht absehen können, wie sich das Geschäft entwickelt, kann die Versicherung sinnvoll sein”, sagt Andreas Lutz, der Vorstandsvorsitzende des Verbands der Gründer und und Selbstständigen Deutschland, auf impulse.de.

Voraussetzungen

Voraussetzung für das sogenannte “Versicherungspflichtverhältnis auf Antrag” ist, dass die/der Antragsteller_in innerhalb der letzten zwei Jahre vor der Aufnahme ihrer/seiner Selbstständigkeit mindestens zwölf Monate versicherungspflichtig beschäftigt war (dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um einen zusammenhängenden Zeitraum handelt) oder unmittelbar vor der Gründung Arbeitslosengeld bezogen hat. Die Dauer des Bezugs ist irrelevant.

Beitragssatz

Wie hoch der Beitrag für die Arbeitslosenversicherung ist, richtet sich nach einer Bezugsgröße, die gesetzlich festgelegt ist – 3% eines fiktiven Einkommen von 2.975 Euro in den alten Bundesländern, 2.660 Euro in den neuen Bundesländern.

Demnach liegt der Beitragssatz bei monatlich 89,25 Euro in den alten und 79,80 Euro in den neuen Bundesländern. (Stand: 2017)

Gründer_Innen profitieren von einer Ermäßigung und zahlen ab dem Zeitpunkt ihrer Gründung und in dem darauffolgenden Kalenderjahr nur die Hälfte.

Aber wie viel Arbeitslosengeld bekommt man frau am Ende überhaupt raus, wenn man frau als Selbstständige_r dann wirklich mal ohne Aufträge da steht?

Die ist übrigens erst der Fall, wenn die wöchentliche Arbeitszeit unter 15 Stunden beträgt.

Das heißt auch, dass man frau sich nicht nur bei voller Erwerbslosigkeit bei der Agentur für Arbeit melden kann, sondern bereits, wenn die eigene Tätigkeit eingeschränkt ist, um seinen Anspruch auf Arbeitslosengeld anteilig geltend zu machen.

Höhe des Arbeitslosengeldes

Obwohl alle denselben Beitragssatz zahlen, variiert die Höhe des Arbeitslosengeldes und ist abhängig von der Ausbildung der/des Selbstständigen.

Ein Beispiel des VSGD für die alten Bundesländer: “Wer als Alleinstehender keine Berufsausbildung hat, bekommt 728 Euro, mit Ausbildung 919 Euro, mit Meister 1.100 Euro und mit Studium 1.274 Euro. Mit Kind und Steuerklasse 3 kommen ungefähr 25% oben drauf.”

Ich kann schon nachvollziehen wie diese Unterscheidung zustande kommt, finde sie dennoch unfair. Gründer_in bleibt Gründer_in. Egal, ob mit oder ohne Hochschulabschluss – die Risiken (und Kosten) bleiben doch dieselben.

Bezugsdauer

Der Anspruch auf das Arbeitslosengeld hängt davon ab, wie lange die/der Selbstständige in den letzten 24 Monaten vor Beginn der Erwerbslosigkeit in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt hat.

Wer die Zahlung von 12 Beitragssätzen nachweisen kann, hat sechs Monate Anspruch auf Unterstützung. Wer mindestens zwölf Monate Beiträge entrichtet hat, kann ein Jahr Arbeitslosengeld beziehen.

Kündigung

Das “Versicherungspflichtverhältnis auf Antrag” kann man erstmals nach fünf Jahren mit einer Frist von drei Monaten kündigen – schriftlich.

Oder aber man frau bezahlt drei Monate am Stück seine Beiträge nicht, dann fliegt man frau automatisch raus. #Schlupfloch

Hm, lasst uns mal nachrechnen…

In einem Zeitraum von 60 Monaten zahlt man frau über 4.000 Euro an Beiträgen, die man frau bei guter Auftragslage und einer erfolgreichen Selbstständigkeit nie wieder zurückbekommt.

So ist das doch das Ziel eine_r/s jeden Selbstständigen. Also, der Erfolg. Oder etwa nicht?

D.h., wenn die Selbstständigkeit gut läuft, braucht man frau die Arbeitslosenversicherung nicht. Und die, die sie bräuchten, können sich die Beiträge vielleicht von vornherein nicht leisten – zumal wir Selbstständige andere wichtige Ausgaben haben, wie z. B. Krankenversicherungsbeiträge.

Meiner Meinung nach beißt sich die Katze da in den Schwanz.

Ich selbst habe den Zeitpunkt verpasst, um mich für die Arbeitslosenversicherung anzumelden. Immerhin bin ich schon seit mehr als drei Jahren selbstständig. Hätte die Möglichkeit aber vermutlich auch nicht ergriffen, weil ich sie irgendwie überflüssig finde.

Ich nehme das Geld lieber und stecke es in meine privaten Rentenversicherung oder spare mir eine Summe x auf einem Tagesgeldkonto für schlechte Zeiten zusammen.

Denn es gibt durchaus noch eine andere Absicherung einen Notfallplan für uns Selbstständige, wenn alle Stricke reißen.

Das Arbeitslosengeld 2. Dazu kommen wir jetzt.

Arbeitslosengeld

Im Gegensatz zum Arbeitslosengeld 1, das eine Versicherungsleistung ist, ist das Arbeitslosengeld 2 – auch Hartz 4 genannt – eine reine Sozialleistung, die aus Steuern finanziert wird.

“Es wird nur an Leute gezahlt, die bedürftig sind, also keine ausreichenden Mittel für den Lebensunterhalt aufbringen können”, heißt es hier. Als Kriterium für die Bedürftigkeit gilt lediglich die Höhe des monatlichen Nettoeinkommens.

Reicht das nicht aus, um davon zu leben, können Selbstständige das Arbeitslosengeld 2 beanspruchen. Auch nach der Selbstständigkeit, z. B. bei Geschäftsaufgabe.

Antrag

Das Arbeitslosengeld wird ab dem Monat gewährt, in dem man frau den Antrag gestellt hat. Dieser ist sehr umfänglich und kann hier heruntergeladen werden.

Am besten ist aber, wenn Ihr Hartz 4 in Anspruch nehmen müsst, Ihr geht zum Jobcenter, stellt den Antrag formlos und nehmt dort alle Formulare mit.

Leistungen

Das Arbeitslosengeld 2 umfasst vor allem Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts sowie Kosten für Unterkunft und Heizung. Außerdem werden die Beiträge zur gesetzlichen oder privaten Kranken- und Pflegeversicherung komplett übernommen.

Wer mit seiner Selbstständigkeit noch so viel verdient, dass er nur durch die Abgabe der Krankenversicherungsbeiträge unter die Arbeitslosengeld-2-Grenze rutschen würde, dem gewährt das Jobcenter einen Zuschuss nach Maßgaben einen Basistarifs.

Wenn man frau alleinerziehend oder schwanger ist, können Extraleistungen in Anspruch genommen werden.

Bezugsdauer

Der Bezug von Arbeitslosengeld 2 ist nicht von vornherein befristet, wird zunächst jedoch für einen Zeitraum von sechs Monaten gewährt.

Danach wird geschaut, inwiefern sich die jeweilige Situation einer/eines Selbstständigen verbessert hat – das sollte natürlich immer die Bestrebung sein – und inwieweit gezahlte Hilfen zurückzuzahlen sind.

So… falls Ihr Euch auch mal gefragt habt (wie ich eingangs), ob Selbstständige einen Anspruch auf Arbeitslosengeld haben, habt Ihr durch diesen Beitrag nun hoffentlich die Antwort gefunden.

Übrigens gibt es in Hamburg das erste Jobcenter für Selbstständige.

© Beitragsbild: Unsplash

2 Kommentare
  1. Sandra sagt:

    Danke liebe Sandra für diesen wirklich sehr interessanten Beitrag!
    Ich habe mich tatsächlich bei meiner Gründung für die Arbeitslosenversicherung entschieden, obwohl ich zu meiner Gründung eher Ärger mit dem Arbeitsamt hatte… Ich habe mich damals sehr darüber aufgeregt, dass ich nach 12 Jahren einzahlen keine Chance auf Gründungszuschuss hatte, als andere, die sogar deutlich besser vor ihrer Gründung verdienten als ich. Kling paradox, oder?
    Natürlich frage ich mich besonders aus diesem Grund, ob mir das was bringt. Aber trotz allem kann man ja ein wenig darauf hoffen…

    • Sandra sagt:

      Du bist schon die zweite Gründerin, die schreibt, dass sie sich für die Arbeitslosenversicherung entschieden hat (siehe Facebook-Kommentar: https://www.facebook.com/fraufreiund/posts/1902678089990868). Hätte nicht gedacht, dass man sein Geld, das man ja als Neugründerin zusammen hält, dafür ausgibt. Das ist sehr interessant – und wäre vielleicht nochmal einen weiteren Artikel wert. Teil 2 sozusagen. Beweggründe etc. 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Webseite verwendet Cookies. Stimme der Verwendung von Cookies zu, wenn Du die Webseite weiter nutzt. Mehr Informationen

Für eine uneingeschränkte Nutzung der FF&-Webseite werden Cookies benötigt. Einige dieser Cookies erfordern Deine ausdrückliche Zustimmung. Bitte stimme der Verwendung von Cookies zu, um alle Funktionen der Webseite nutzen zu können. Detaillierte Informationen über den Einsatz von Cookies auf dieser Webseite erhältst Du in unseren Datenschutzbestimmungen.

Schließen