Arbeiten in einer Bürogemeinschaft: Wie das Außer-Haus-Office ein Familienleben retten kann

Arbeiten in Bürogemeinschaft

Gestatten meinerseits: Designerseits – Grafisches Glück! Einerseits: Corporate Design für Existenzgründer & kleine Unternehmen. Andererseits: Individuelle Papeterie für jeden Anlass. Oder hinter den Kulissen: Christina Winter, Mutter von Malu, Grafikerin aus Leidenschaft und lieber Macherin als Mitläuferin.

Entscheidender Wendepunkt in meinem Leben war – wie wohl bei jeder Mutter – die Geburt unserer Tochter im Dezember 2011. Unsere Welt stand Kopf – meine ganz besonders. Wie das halt so ist mit dem Wiedereinstieg in den Beruf: Aufgrund der veränderten Firmenstruktur bei meinem ehemaligen Arbeitgeber und der Anforderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, gab’s leider kein Zurück in die alte Agentur.

Der Gedanke, eines Tages als Mutter von zu Hause aus selbstständig im Grafikbereich zu arbeiten, war immer eine schöne Vorstellung – die dann real geworden ist. Nach der Geburt unserer Tochter habe ich 3,5 Jahre von zu Hause aus meinem großen Homeoffice gearbeitet. Was viele sich so toll ausmalen, war für den Anfang definitiv die beste Lösung.

Doch jetzt kommt das große ABER: Das Homeoffice hat seine Eigendynamik bekommen, hat sich immer mehr zum Selbstläufer entwickelt und wurde zum Schluss für mich unkontrollierbar.

Der Rechner war 24 Stunden am Tag und 7 Tage die Woche an. Jede freie Minute (auch die, wenn das Kind vom Kindergarten wieder da war und fröhlich in der Homeoffice-Ecke spielte) wurde zum Arbeiten genutzt. Konnte ich nachts nicht schlafen (nachdem ich bis mindestens 24 Uhr sowieso schon am Rechner saß), bin ich aufgestanden und habe von 2-5 Uhr vor dem Rechner gesessen und gestaltet. Kreative und gute Sachen sind da definitiv bei raus gekommen – ohne Frage. Nur mein Tagesrhythmus war im Eimer. Und die Unzufriedenheit wuchs – bei mir selbst und auch bei meinem Mann. Zweisamkeit hatten wir selten, Designerseits war immer präsent, eine Abgrenzung von Familien- und Berufsleben war nicht möglich.

Der entscheidende Impuls kam von meinem Mann: „Wenn du wieder mehr Lebensqualität haben möchtest und wir dir was Wert sind, bleibt dir lediglich die Auslagerung deines Büros von Zuhause woanders hin!“

Aus Zahlensicht rechnet es sich natürlich nicht, das Homeoffice gegen ein Büro außerhalb zu tauschen. Doch dann gab es diesen berühmten „Klick“ – ein Termin bei einer mir bis dato unbekannten Architektin zur Besprechung von Visitenkarten und Flyern. Vermittelt aus meinem Unternehmernetzwerk – wo sich wieder mal zeigt, wie wichtig Netzwerke sind!

Der erste Blick in die Location: Einfach nur WOW! TOLL! So wollte ich auch immer mal wohnen – ein Altbau mit einer freigelegten Holzfachwerkwand und den freigelegten ursprünglichen Fliesen. Kombiniert mit schlichten weißen Wänden. Ein gemeinsamer Besprechungsraum, dazu vier einzelne Büros, wovon das eine Büro seit der vergangenen Woche wieder frei war. Die Gelegenheit! Im Gespräch direkt nachgehakt, anschließend ins Auto gesetzt und ganz aufgeregt meinem Mann davon berichtet, Pro und Contra abgewägt und 2 Wochen später den Vertrag unterschrieben. Herzlichen Glückwunsch – seit dem 1.2.2015 gehört das Büro im „einfallsreich!“ nun schon mir!

Büro von Designerseits

Die aktuelle Lage: Ich fühle mich pudelwohl in meinem Büro. Warum?

  1. Etwas Eigenes

    Ich habe ein eigenes Büro – verbunden mit täglichen Öffnungszeiten von 9-14 Uhr, die sich mit den KIGA-Zeiten (und ab August auch mit der Schulzeit) vereinbaren lassen. Nach 14 Uhr geht der Anrufbeantworter an, eine Handynummer sucht man vergebens auf der Visitenkarte. Der Rechner steht fest im Büro – zuhause ist kreatives Gestalten am Rechner nicht mehr möglich. Höchstens noch Bastelarbeiten für Hochzeitspapeterie oder Zeit für Social Media. Es gibt wieder einen regulären Feierabend und eine bewusste Trennung zwischen Beruf und Familie. Was uns allen sehr gut tut.

  2. Austausch mit anderen

    Meine Bürokolleginnen und ich sind ein Dreamteam! Das liegt wahrscheinlich daran, dass Claudia als Architektin, Katrin als Ergonomie-Coachin und Nicole als Bauzeichnerin arbeiten und somit branchenfremd sind – also auch immer eine andere Sicht auf die kreativen Dinge haben und es gut tut, die Meinungen der Drei zu hören, wenn ich mich mal wieder zwischen Layouts nicht entscheiden kann. Alle Drei sind immer mit Tipps jeglichen Lebenssituationen und -fragen zur Stelle. Der Austausch tut einfach nur gut!

  3. Optimale Repräsentation nach außen

    Designerseits hat durch das Büro einen neuen „Außenanstrich“ bekommen – jetzt ist es in der Außensicht der Leute nicht mehr nur das Hobby, was Christina „mal eben von zu Hause aus“ macht, sondern Designerseits ist wirklich professionell zum Geldverdienen da. Ich setze Preise ganz anders durch und trete nun viel selbstbewusster auf.

  4. Neue Kontakte knüpfen

    Ich lerne jede Menge neue Leute kennen! Wenn jemand fragt: „Warum eigentlich Gescher, warum nicht zu Hause in Ottenstein? Dann würdest du dir die Fahrtzeit sparen?“ Dann antworte ich: „Weil mich in Ottenstein und Umgebung die meisten schon kennen und ich in Gescher neue Leute kennen lernen darf. Hätte ich mein Büro in Ottenstein, würde ich abends immer noch mal schnell mit dem Fahrrad hinfahren, um Kleinigkeiten zu erledigen. Und zur Fahrtzeit: Die jeweils 20 Minuten Hin- und Rückfahrt nutze ich dazu, um das Radio laut aufzudrehen (und zwar nicht mit Kindermusik!) 😉 und mitzusingen, um vom Beruf abzuschalten und mich auf das Familienleben einstellen zu können.

In ganz wenigen Ausnahmesituationen nehme ich meinen Rechner noch mal mit nach Hause – doch selbst dann, verfalle ich relativ schnell wieder in alte unkontrollierte Muster und sitze wie ein Zombie vor dem Rechner, obwohl ich es mittlerweile doch besser wissen müsste.

Für mich hat sich das Homeoffice-Konzept einfach auf Dauer nicht bewährt – ich bin happy, mein Büro in der Bürogemeinschaft zu haben und möchte den Kontakt, den Austausch, die festen Arbeitszeiten und vor allem die business-freie Zeit mit der Familie nicht mehr missen. Somit kann ich stolz sagen: Die Entscheidung, in eine freie Bürogemeinschaft zu ziehen, war mitunter die beste Entscheidung, die ich je getroffen habe. 1:0 für Außer-Haus-Office!

Was bei mir fehlgeschlagen ist, kann bei Euch aber ganz anders sein. Wie es mit dem Homeoffice klappen kann, könnt Ihr in „Mit Kindern von zuhause arbeiten“ von Yvonne Adamek hier auf dem Blog nachlesen.

Viele Grüße meinerseits,
Designerseits

Beitragsbild: © Unsplash | Rawpixel

1 Kommentar
  1. Laura sagt:

    Vielen Dank für den tollen Einblick in die Auf und Abs des Homeoffice-Daseins. Alle vier Punkte geistern mir auch gerade durch den Kopf und lassen mich das Homeoffice hinterfragen. Aber der letzte Groschen ist bei mir noch nicht gefallen, Büro auf dem Balkon ist halt auch schön 🙂

    Ganz liebe Grüße
    Laura

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