Altersvorsorge für selbstständige Frauen – diese 5 Fehler solltet Ihr vermeiden!

Altersvorsorge für selbstständige Frauen

Alina Welfonder ist gelernte Investmentbankerin mit über 16 Jahren Erfahrung im Job. Auf ihrem Blog Smart Female Investors und in unabhängigen Beratungen gibt sie ihr Wissen an selbstständige Frauen weiter und hilft ihnen dabei, das leidige Thema Altersvorsorge ein für allemal von ihrer To-do-Liste zu streichen; und zwar ohne auf überteuerte Verträge und windige Berater herein zu fallen.

Viele Selbstständige zahlen nicht in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Das bedeutet – auch wenn es lästig ist: als Selbstständige kommt Ihr nicht umhin, Euch mit dem Thema Altersvorsorge zu beschäftigen.

Denn sonst sieht die Zukunft echt übel aus.

Damit Ihr keine Angst vor der Zukunft haben müsst, habe ich Euch heute die 5 größten Fehler zusammengestellt, die Ihr vermeiden solltet, wenn Ihr nicht in Altersarmut oder finanzieller Abhängigkeit von Eurem Partner enden wollt, sondern auf Eure eigene Rente zurückgreifen und auch im Alter ein Leben leben wollt, was Euch gefällt.

 

1. Ihr kümmert Euch gar nicht darum

Fakt ist: 75% aller Frauen werden von der gesetzlichen Rente später nicht leben können. Und das, obwohl sie regelmäßig in die Rentenkasse eingezahlt haben und/oder Kinderbetreuungszeiten angerechnet bekommen.

Noch schlimmer sieht die Situation für Selbstständige aus. Denn oft besteht für sie keine Verpflichtung, in die gesetzliche Rentenkasse einzuzahlen und so machen viele leider einfach gar nichts. Die einen, weil die Umsätze einfach nicht reichen, um davon auch noch etwas für die Altersvorsorge zurück zu legen; die anderen, weil sie gar nicht wirklich wissen, wie.

Doch egal aus welchem Grund: nichts tun ist in jedem Fall die falsche Strategie! Denn: je früher Ihr anfangt, Geld für später zurück zu legen, desto besser.

Lasst mich Euch ein Beispiel geben: Lisa beginnt mit 25 Jahren monatlich 100€ an der Börse zu investieren. Dies tut sie für 10 Jahre und hört dann auf, weiter Geld einzuzahlen; heißt, sie hat insgesamt 12.000€ investiert. Das bis dahin gesparte Kapital lässt sie jedoch liegen, bis sie 65 ist.

Lena hingegen beginnt erst 10 Jahre später, also mit 35. Auch sie spart monatlich 100€; hört jedoch bis zu ihrem 65. Lebensjahr nicht damit auf. In Summe spart sie also 36.000€ und damit viel mehr als Lisa.

Nehmen wir nun an, beide erhalten durchschnittlich 8% Rendite auf ihre Einzahlungen (an der Börse übrigens der Durchschnitt!): Dann hat Lisa mit 65 Jahren rund 200.000€ auf ihrem Konto; Lena hingegen nur 150.000€. Und das, obwohl sie viel mehr Geld gespart hat! Der Grund ist einzig und allein die längere Gesamtdauer der Anlage: denn Lisa wartet 40 Jahre, Lena nur 30.

Daher mein Tipp: kümmert Euch in jedem Fall lieber früher als später um das Thema!

 

2. Ihr zahlt Euch nicht selbst zuerst

Als Selbstständige kennt Ihr das gut: die Umsätze schwanken. Dann will noch das Finanzamt sein Geld und die Rechnung für das eine Tool, was nur jährlich zahlbar ist, ist auch ausgerechnet in dem Monat fällig. Und plötzlich ist am Ende des Monats kein Geld mehr übrig für Euer Gehalt oder die Altersvorsorge…

Was Ihr dagegen tun könnt?

Arbeitet mit mehreren Konten und legt Rücklagen an. Und zahlt Euch monatlich ein festes, gleichbleibendes “Gehalt”. So kommt Ordnung in Eure Konten und Ihr legt Rücklagen für schlechtere Monate an.

Der einfachste Weg ist, mit den folgenden 4 Konten zu arbeiten:

  1. geschäftliches Girokonto (hierauf geht Euer Umsatz ein und Ihr bezahlt die laufenden Kosten Eures Business)
  2. geschäftliches Tagesgeldkonto (hierauf bildet Ihr Rücklagen für Steuern und schlechte Monate)
  3. privates Girokonto (hierüber laufen alle Ausgaben Eures täglichen Lebens)
  4. privates Tagesgeldkonto (hierauf landet die private Rücklage für die kaputte Waschmaschine, die nächste Reise usw.)

1x im Monat überweist Ihr dann Euer “Gehalt” vom geschäftlichen aufs private Girokonto. In diesem Gehalt sollte auch der Betrag für Eure Altersvorsorge enthalten sein, der im Optimalfall am gleichen Tag von Eurem Girokonto abgebucht wird.

 

3. Ihr hofft aus 200€ Sparrate im Monat könnten 5.000€ Rente werden

Immer wieder spreche ich mit Frauen, die mir ganz stolz erzählen, dass sie das Thema Altersvorsorge im Griff hätten; sie würden ja bereits jeden Monat 200€ sparen.

Das ist natürlich löblich, reicht aber meist hinten und vorne nicht. Und das aus 2 Gründen:

  • Wer im Alter eine hohe Rente will, muss einfach auch hohe Beträge zurücklegen; genauso wie die Leasingraten für ein Auto der Luxusklasse einfach deutlich höher sind, als die für einen Kleinwagen.
  • Die meisten setzen auf absolut sichere Anlageformen, was zwar einerseits gut, weil sicher, ist, andererseits aber bedeutet, dass die Rendite sehr gering ist; dadurch vermehrt sich das eingesetzte Kapital kaum bzw. nur sehr langsam.

Lasst mich nochmal kurz die Zahlen sprechen lassen: Nehmen wir an, Ihr wollt Euch ab 65 eine monatliche Rente von 2.000€ auszahlen können. Ausgehend davon, dass Ihr 100 Jahre alt werdet, braucht Ihr dafür insgesamt 700.000€ Kapital, um diese Rente zu “finanzieren”.

Spart Ihr jedoch 30 Jahre lang “nur” 200€ im Monat zu 4% Rendite an, habt Ihr mit 65 gerade einmal 137.000€ davon beisammen. Es fehlen also noch ganze 563.000€ Kapital. Um die zusammen zu bekommen, müsstet Ihr die Sparrate bei gleicher Rendite auf monatlich 1.050€ erhöhen!

Heißt also: wer eine hohe Rente will, muss auch viel sparen. Da geht leider nicht wirklich ein Weg dran vorbei. Am besten rechnet Ihr Euch Eure Rentenlücke wirklich einmal aus, damit Ihr Klarheit darüber habt, wie viel Geld Ihr wirklich zurücklegen müsst, um Eure “Traumrente” zu erzielen. Kostenlose Rechner dafür findet Ihr im Internet.

 

4. Ihr vertraut nur auf klassische Anlageprodukte (deren hohe Kosten Eure Rendite auffressen)

Eine Alternative zur Erhöhung der Sparrate wäre übrigens die Umschichtung in attraktivere Anlageformen. Denn die meisten klassischen Rentenversicherungen sind in Sachen Rendite leider so gar nicht toll.

Der Grund? Die hohen Kosten.

Abschluss-, Makler- und Verwaltungskosten machen gerne mal zwischen 15% und 25% der eingezahlten Beiträge aus. Das bedeutet, dass von 100€, die Ihr in ein solches Produkt investiert, gerade einmal zwischen 75€ und 85€ wirklich für Euch angelegt werden. Sind dann noch Wahloptionen “eingebaut” (z. B. zwischen einer festverzinslichen und einer fondsgebundenen Variante), bleibt noch weniger für Euch übrig.

So kommen schnell 10.000€ und mehr an Gebühren zusammen und die Rendite einer solchen Anlage liegt unterm Strich kaum über dem, was Ihr auch auf einem Tagesgeldkonto hättet erzielen können.

Reich werden davon vor allem die Makler und Finanzkonzerne. Ihr leider meist nicht.

 

5. Ihr habt unnötige Angst vor dem Aktienmarkt

Die weitaus bessere Anlageform ist daher in vielen Fällen die Börse. Denn entgegen der weit verbreiteten Meinung, dass Geldanlagen an der Börse ein zu großes Risiko seien (Wer hat nicht auch einen Onkel oder Opa in der Familie, der damals mit den Aktien der Telekom mächtig auf die Nase gefallen ist?!), gibt es eine ganze Reihe von Studien, die bestätigen, dass Ihr mit Aktien im Grunde genommen gar nichts falsch machen könnt.

Um die Risiken zu begrenzen und an der Börse erfolgreich zu sein, braucht es nämlich nur 3 Dinge:

  • Ihr lernt, wie die Börse wirklich funktioniert
  • Ihr investiert möglichst breit; am besten direkt in einen Index und keinesfalls in einzelne Aktien
  • Ihr lasst das eingesetzte Kapital möglichst lange (= länger als 10 Jahre) liegen

So investiert, hättet Ihr zu keinem Zeitpunkt einen Verlust eingefahren. Selbst dann nicht, wenn Ihr zu absoluten Höchstkursen eingestiegen wärt!

 

Fazit: diese Punkte solltet Ihr als Selbstständige bei der Altersvorsorge beachten

Was bedeuten diese Punkte aber nun für Eure Altersvorsorge als Selbstständige und wie solltet Ihr vorgehen, wenn Ihr gerade damit beginnt, Euch mit dem Thema auseinanderzusetzen?

  1. Organisiert Eure beruflichen und privaten Finanzen
    Sinnvoller Vermögensaufbau kann nur gelingen, wenn Ihr Eure Finanzen “in Ordnung” habt: trennt Eure beruflichen und privaten Finanzen, bildet Rücklagen und ordnet die Verträge, die Ihr schon habt
  2. Ermittelt die Höhe Eurer Rentenlücke
    Im zweiten Schritt geht es darum, überhaupt erstmal zu ermitteln, wie viel Geld Ihr im Alter eigentlich braucht und wie viel Ihr zurücklegen solltet, um gut von Euren Ersparnissen leben zu können
  3. Prüft bestehende Verträge, ob sie noch zu Euch passen
    Wenn Ihr schon dabei seid, dann prüft unbedingt auch, ob Ihr vielleicht in der Vergangenheit Verträge abgeschlossen habt, die nicht wirklich zu Euch und Eurer Lebensplanung passen
  4. Erstellt einen Plan
    Anschließend erstellt Ihr dann einen Plan für Eure Altersvorsorge. Dieser sollte unbedingt Euer Alter, Eure weitere Lebensplanung und Eure Risikobereitschaft berücksichtigen

Aber vor allem: fangt an. Selbst wenn Ihr heute nur kleine Beträge zurück legen könnt, ist das immer noch besser als gar nichts.

Und wenn Euch das alleine eine Nummer zu kompliziert ist, dann wendet Euch an eine wirklich unabhängige Beraterin, die auf Honorarbasis arbeitet und nicht von Provisionen lebt, die sie für die Vermittlung von Anlageprodukten erhält.

Denn vergesst nicht: die Beratung bei der Hausbank oder dem Finanzberater mag kostenlos sein; die 10.000€ (und mehr) Gebühren, die sich anschließend in Euren Verträgen verstecken sind es sicher nicht!

© Beitragsbild: Sharon McCutcheon | Unsplash

1 Kommentar
  1. Andrea sagt:

    Toller Artikel. Kann ich nur unterschreiben. Viele Frauen überlassen das Thema gerne dem Partner, weil das Thema Finanzen ja auch irgendwie so extrem trocken und langweilig klingt. Dachte ich auch immer, obwohl (oder gerade weil?) ich BWL studiert hab 🙂

    Meine Tipps:
    Tauscht Euch mit anderen Frauen zum Thema Geld und Finanzen aus (z.B. in einer Meetup Gruppe). Gemeinsam macht es mehr Spass.
    Ein gutes Buch zum Thema Investieren (auf Englisch): Behavioral Finance and Wealth Management (Michael M. Pompian) Darin werden u.a. die vielen „Bias“ (z.B. Cognitive Dissonance, Loss Aversion) aufgezeigt, denen man beim Investieren begegnet.
    Und auch sehr hilfreich: Seine Glaubenssätze zum Thema aufschreiben und woher diese kommen. Dann fällt einem viel eher auf welche unbewussten Gedanken und Verhaltensmuster man mit sich rumträgt, die wenig nützlich sind, wenn es um die Themen Geld, Finanzen, Altersvorsorge geht.

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