Natalya Nepomnyashcha gründete 2016 nebenberuflich Netzwerk Chancen. Die Dialog-Plattform bringt zivilgesellschaftliche Organisationen, Politiker, Beamte, Eltern, Wissenschaftler und Schüler zusammen, um gemeinsam nachhaltige Lösungen für gleiche Bildungs- und Aufstiegschancen zu entwickeln. Wie die nebenberufliche Gründung zum Erfolg werden kann, erzählt sie hier.

Als Einwandererkind aus der Ukraine und Tochter von Langzeitarbeitslosen habe ich erlebt, wie schwierig sich ein sozialer Aufstieg in Deutschland gestalten kann. Von Deutschkenntnissen über berufliche Orientierung bis hin zur Studienfinanzierung und dem richtigen Netzwerk für den Berufseinstieg: Vieles muss man aktiv suchen und sich selbst erarbeiten.

2016 war ich 26, konnte auf vier Jahre Berufserfahrung zurückblicken, war finanziell unabhängig und wollte etwas verändern: Die heutigen Kinder und Jugendlichen aus sozial schwachen Familien sollten es später nicht so schwierig haben wie es bei mir der Fall war.

Also schrieb ich ein Konzept, stellte es mehreren Experten vor, verfeinerte es durch das Feedback und rannte schließlich zum Notar, um Netzwerk Chancen als eine gemeinnützige UG zu gründen. Wir sind eine Dialog- und Advocacy-Plattform, die in verschiedenen Formaten Zivilgesellschaft und Politik zusammenbringt und Lösungen für gleiche Bildungschancen erarbeitet.

Warum nebenberuflich?

Schon vor der Gründung war ich vielseitig ehrenamtlich engagiert und wusste, dass man neben einem Vollzeitjob viel bewegen kann, wenn man diszipliniert und zielstrebig ist. Wenn man seinen Lebensunterhalt nicht von der Tätigkeit bestreiten muss, kann man sehr viele Ideen ausprobieren und der Kreativität eher freien Lauf lassen als bei einer Unternehmung, die dich von Tag eins ernähren muss. Außerdem wollte ich nicht Unmengen an Ressourcen in Fundraising stecken, und das ohne Garantie auf Erfolg.

Gleich nach der ersten Ausschreibung fanden sich schnell zehn ehrenamtliche Teammitglieder. Uns alle verbindet, dass wir Netzwerk Chancen nebenberuflich und ehrenamtlich voranbringen und trotzdem einen sehr hohen Anspruch an die eigene Arbeit für das Projekt haben.

Wie funktioniert das in der Praxis?

Mit meinem erzielten Einkommen und den Ersparnissen kann ich unsere Ausgaben sehr gut decken. Dazu gehören Kosten für Homepage und Domain, Versicherungen, einen Steuerberater und Druckmaterialien. Räume und Catering für unsere Veranstaltungen werden meistens gesponsert – somit fallen solch hohe Kosten nicht an.

An freien Abenden und am Wochenende widme ich ca. 5 Std./Woche dem Projekt. Aufgrund dieser knapp bemessenen Zeit investiere ich Energie nur in Aufgaben, die auch einen Ertrag versprechen. In dieser Zeit spreche ich auch mit unseren drei Teamleitern (Events, PR und Public Affairs), die Aufgaben unter den Ehrenamtlichen in ihrem jeweiligen Team koordinieren.

Bei den zweiwöchentlichen Team-Treffen setzen wir uns Deadlines und Meilensteine. So erreichen wir von Monat zu Monat Ergebnisse.

Wie man als Frau Vollzeitjob und eine NGO unter einen Hut bringt?

Diese Frage höre ich häufig. Dabei können Frauen noch viel mehr unter einen Hut bringen (Job, Kinder, Haushalt, Pflege von Angehörigen etc.). Bei der Führung unseres ehrenamtlichen Teams lege ich großen Wert auf eine professionelle Arbeitsweise. Dazu gehört, Deadlines einzuhalten, hohe Qualitätsmaßstäbe an die eigene Arbeit anzulegen und immer das Teilziel vor Augen zu haben. Auch versuche ich stets, jedes Mitglied einzeln zu motivieren.

Ernst genommen werden ist natürlich stets eine Herausforderung, denn mit diesem Modell muss ich nicht nur gegen Vorurteile gegen weibliche Führungskräfte ankämpfen, sondern auch gegen die Ansicht, auf ehrenamtliche Partner könne man sich weniger als auf hauptamtliche verlassen.

Ob mit Partnern, Politikern, Event-Teilnehmern oder Team-Mitgliedern: Der Schlüssel besteht darin, mit allen auf Augenhöhe zu kommunizieren und jeden Menschen als interessanten und spannenden Gesprächspartner wahrzunehmen. Wenn man selbstverständlich und um eigene Stärken und Kenntnisse im Klaren kommuniziert, wird man auch ernst genommen. Hierbei kann es hilfreich sein, jedes Gespräch kurz vorzubereiten, wenigstens eine Minute lang und im Kopf.

Was ich gelernt habe?

  • Wer ein Ziel und einen Plan hat, kann durchaus auch nebenberuflich und ehrenamtlich einiges bewegen.
  • Ein geplantes Vorhaben sollte man möglichst schnell live bringen: zu viel über Ideen brüten verunsichert nur, nachbessern kann man jedoch immer.
  • Man muss sich gut strukturieren und seine Ressourcen bewusst einteilen.
  • Gerade als Frau darf man sich nicht davor scheuen, nach vorne zu gehen und der eigenen Meinung Nachdruck verleihen: ob auf Konferenzen, Fachveranstaltungen oder in internen Diskussionsrunden.

Zum Schluss als besten Tipp: Macht einfach! Gerade nebenberuflich ist Euer Risiko überschaubar. Zu gewinnen gibt es jedoch sehr viel.

© Beitragsbild: Rawpixel.com | Unsplash

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