“Ein kleines Café mitten im Nirgendwo wird zum Wendepunkt im Leben von John” – und in meinem. Vielleicht ja auch in Eurem. Zu Weihnachten habe ich von meinem Freund ein dünnes, 126 Seiten umfassendes Buch mit dem Titel „Das Café am Rande der Welt“* geschenkt bekommen. Der Name -bei dem Fernweh mitschwingt- ließ mich vermuten, dass es sich um einen Reisebericht handelt. Wenn auch nicht richtig, lag ich mit meiner Annahme dann doch gar nicht so verkehrt, wie ich jetzt nach der Lektüre des Buches weiß. Es sollte aber keine klassische Reise werden…

Reise zum eigenen Selbst

Eine “Erzählung über den Sinn des Lebens”, verriet der Blick auf den Einband. Da ich derzeit sehr empfänglich für dieses Thema bin, war meine Neugier geweckt und wurde durch das Vorwort nochmal gesteigert. Darin schreibt der Autor:

“(…) So orientierungslos ich auf der Straße war, so sehr hatte ich die Orientierung auch in meinem Leben verloren. Ich wusste nicht genau, wohin ich unterwegs war oder warum ich mich in eine bestimmte Richtung bewegte. (…) Am schlimmsten aber war, dass ich mich an den meisten Tagen fragte, ob es nicht mehr im Leben geben sollte.”

John, ein stets gestresster Manager, hatte sich eine Woche Urlaub genommen, um Abstand von seiner Arbeit und allem Drumherum zu bekommen. Er hatte das Gefühl, sein Leben mehr und mehr gegen Geld einzutauschen, wobei ihm das kein besonders guter Handel zu sein schien. Er fragte sich selbst, welchen Sinn es machte, täglich zehn bis zwölf Stunden im Büro zu verbringen und auf eine Beförderung hinzuarbeiten, die dann wahrscheinlich Zwölf- bis Vierzehn-Stunden-Tage nach sich ziehen würde. (S.9f)

“Ich hatte die Reise unternommen, um Frustrationen zu vermeiden. Davon gab’s zu Hause reichlich, im Job, mit Rechnungen und in gewissem Maße mit dem Leben im Allgemeinen.” Die Reise sollte eine “Gelegenheit sein, mich zu entspannen und ‘meine Batterien wieder aufzuladen’”.

Wobei er selbst richtig erkennt, dass “Batterien aufladen” eigentlich keine positive Redewendung darstellt. Auspowern. Wieder auflanden. Auspowern. Wieder aufladen. Und er hat Recht. Jede Woche beobachte ich auf’s Neue Menschen in meinem Umfeld, die dasselbe Leben führen. Sie gehen Montagmorgens zu einer Arbeit, die ihnen nichts bedeutet und sehnen sich im selben Augenblick nach dem Wochenende. Wenn es dann da ist, liest man in den sozialen Netzwerken Äußerungen wie #TGIF – Thank god it’s friday! Puh. Geschafft. Zwei Tage Erholung. Wobei nur der Samstag wirklich zählt, weil man am Sonntag damit beschäftigt ist, zu bedauern, dass das Wochenende schon wieder vorbei ist und man morgen wieder zur Arbeit muss. Ein Trauerspiel, dass sich Woche für Woche wiederholt.

Auch John wollte dieser Tristesse entfliehen und machte sich mit seinem Auto auf den Weg in den Urlaub. Um einen Stau zu umgehen, wich er von der vorgesehenen Route ab und landete, auf der Suche nach einer alternativen Strecke, zufällig vor einem kleinen, weißen, rechteckigen Gebäude namens “Das Café der Fragen”. Hungrig und orientierungslos ging er hinein.

Zweck der Existenz

Auf der Menükarte fand er neben verschiedenen Speisen auch folgende drei Fragen, über die er “nachdenken könne, während er auf sein Essen wartet”:

  • Warum bist Du hier?
  • Hast Du Angst vor dem Tod?
  • Führst Du ein erfülltes Leben?

Zur ersten Frage: Ihr könnt Euch vielleicht denken, dass sie sich nicht wirklich auf die Anwesenheit von John im Café bezieht, sondern eine tiefere Bedeutung hat. Bei dieser Frage geht es darum, warum jemand überhaupt existiert. Korrekterweise müsste sie deshalb eigentlich lauten: Warum bin ich hier? Darauf macht die Bedienung John aufmerksam: “Wenn Sie die Frage so verändern, dass Sie diese nicht mehr an jemand anderen richten, sondern an sich selbst, werden Sie nicht mehr der Gleiche sein.”

“Es ist eine Frage, die man sehr ernst nehmen sollte. Sie zu Lesen ist eine Sache. Aber wenn Sie über das Lesen hinausgehen, wenn Sie sie wirklich wahrnehmen und sich diese Frage selbst stellen, dann verändert sich Ihre Welt.” Denn: “Sobald Sie sich die Frage stellen, wird die Suche nach einer Antwort zu einem Teil Ihres Daseins werden.” Und sie wird schwer zu ignorieren sein.

Warum bin ich hier? Habt Ihr Euch selbst schon einmal diese Frage gestellt? Ich nicht, beziehungsweise beginne ich gerade an der Oberfläche zu kratzen wie man aus diesem Artikel herauslesen kann. (Vielleicht hatten sie und das Buch deshalb so große Wirkung auf mich) Mir ergeht es ähnlich wie John: “Da ich nicht genau weiß, warum ich hier bin und was ich tun möchte, tue ich mehr oder weniger das, was die meisten Menschen eben so tun.” Das Problem hierbei: Wenn man nicht auf das ausgerichtet ist, was man gerne tun möchte, verschwendet man seine Energie mit einer Menge anderer Dinge und wenn sich dann mal die Gelegenheit bietet, dass zu tun was man möchte, hat man möglicherweise keine Kraft oder Zeit mehr dafür. Eine traurige, aber wahre Erkenntnis, auf die ich erst durch die Lektüre des Buches gekommen bin.

Aber das Gute ist, “sobald jemand die Antwort kennt, entsteht eine ebenso starke Kraft. (…) Sobald ein Mensch weiß, warum er hier ist, warum er existiert, welchen Grund es dafür gibt, dass er am Leben ist, wird er den Wunsch haben, dem Sinn und Zweck seiner Existenz gerecht zu werden”.

Deshalb mein Appell an Euch: Tut, was immer Ihr wollt und was Eurer Bestimmung entspricht! Und ich meine wirklich, was Ihr wollt. Kündigt. Gründet. Reist. Whatever. Hört nicht darauf, was Andere meinen, was Ihr zu tun hättet und beugt Euch auch nicht dem sozialen Druck. Das ist mitunter nicht leicht, ich weiß. Vor allem, weil man es Gründern in Deutschland nicht gerade leicht macht. Aber es geht hier nur um Euch und Euren Zweck der Existenz. Und zwar jetzt. Schiebt die Suche nach der Antwort nicht auf die lange Bank. Ausreden wie “Wenn ich in Rente bin, habe ich ja ganz viel Zeit, um … zu tun”, lasse ich nicht gelten. Nix da.

“Warum so viel Zeit damit verbringen, uns auf eine Zukunft vorzubereiten, in der wir tun können, was wir wollen, anstatt diese Dinge einfach sofort zu tun?”

Womit wir bei Frage Nummer 3 auf der Speisekarten wären. Der Frage nach einem erfüllten Leben. Die Antwort darauf ist einfach: Sobald man weiß, warum man hier ist, aber nicht auch entsprechend handelt, wird man keine Erfüllung finden. Wenn man aber bereits jeden Tag seine Zeit mit den Dingen verbringt, für die man sich begeistert, führt man ein positives Leben. Und muss sich auch nicht vor dem Tod fürchten. Erinnert Ihr Euch noch an Frage 2 auf der Speisekarte von John? Hast Du Angst vor dem Tod? Wie beantwortet Ihr diese Frage? Ein bisschen heftig, ich weiß, aber wie lautet die Antwort? John lernt im Café folgendes:

“Die meisten Menschen denken nicht jeden Tag bewusst über den Tod nach. Aber unterbewusst wissen sie, dass sie mit jedem verstrichenen Tag einen Tag weniger die Chance haben, die Dinge zu tun, die sie sich im Leben wünschen. Daher haben sie Angst vor dem Tag X irgendwann in der Zukunft, an dem es keine Chance mehr geben wird.”

Und ich habe gelernt, dass ich mich dringend auf den Hosenboden setzen muss, um herauszufinden, wo ich mit meiner Selbstständigkeit hin will. Möglicherweise hat Euch der Artikel dazu angeregt, über Euren Zweck der Existenz nachzudenken und mal einen Blick in das Büchlein von John Strelecky zu werfen. Ich kann es Euch nur empfehlen!

*Noch ein kleiner Hinweis: Unsere Empfehlungen enthalten Affiliate-Links des Anbieters Amazon. Wenn Ihr über diese Links z. B. ein Buch kauft, erhalten wir eine kleine Provision.

Eine Sammlung mit weiteren Büchern zum Thema Selbstständigkeit findest Du auf Pinterest.

2 Kommentare
  1. Katrin Frische sagt:

    Hallo Sandra, danke für das Teilen von John Strelecky. Ich habe ihn zeitgleich wie du mit den Big five for live kennengelernt. Da geht es nicht nur um Sinnfindung des Einzelnen, sondern es ist auch ein Plädoyer dafür, dass Unternehmen ihren Zweck der Existenz klar formulieren sollten. Also für alle besonders lesenswert, die Teil eines Unternehmens mit Gestaltungsspielraum sind!

    • Sandra sagt:

      Hallo Katrin,

      danke für Deinen Kommentar! 🙂 Von der lieben Sophie habe ich auch gerade „Big five for live“ geschenkt bekommen und kann es kaum erwarten darin zu lesen. Juaaaahhhh! Und jetzt, nach Deiner Nachricht will ich am Liebsten alles stehen und liegen lassen und direkt im Buch schmökern. Die anderen drei Bücher von Strelecky stehen auch noch auf meiner Leseliste.

      Liebe Grüße,
      Sandra

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