Diese Woche habe ich Grund zu feiern. Warum, fragt Ihr? Vor genau einem Jahr habe ich mich selbstständig gemacht. Echt wahr, auch wenn ich es selbst gar nicht glauben kann und seit gefühlt einer halben Stunde ungläubig mit dem Kopf schüttle. Gerne würde ich jetzt fortfahren mit “und seitdem ist viel passiert”, ehrlicherweise ist es das aber gar nicht. Ich habe nicht wie Monika Kanokova (tolle Frau!) in zehn Wochen Selbstständigkeit sieben Kunden gewonnen und ein Buch geschrieben. Nein, meine Bilanz fällt magerer aus – ist aus meiner Sicht aber nicht weniger wert: zwei Kunden und dieses Blog hier, das übrigens am 4. Juli sein halbjähriges Jubiläum feiert. Wenn das mal kein Zufall ist! 😉

Die Zahlen anderer mögen im ersten Moment beeindruckender sein und die vorzuweisenden Erfolge größer, dennoch bin ich stolz auf das, was ich bis dato erreicht habe. So kann ich seit einem Jahr nicht nur eigenständig meine Miete zahlen, sondern mir nach längerer finanzieller Durststrecke und Verzicht auch mal wieder etwas gönnen wie z. B. ein paar Tage Urlaub. Es war mir sogar möglich, im vergangen Jahr Geld wegzulegen, sodass ich nächsten Monat die BAföG-Förderungssumme, die ich während meines Studiums erhalten habe, auf einen Schlag zurückzahlen kann. Die durch die Selbstständigkeit erlangte finanzielle Sicherheit – von der ich weiß, dass sie vergänglich ist – fühlt sich gut an, ist mir im Vergleich zu dem was ich im letzten Jahr gelernt habe, aber weniger wichtig.

Gerne möchte ich mit Euch an dieser Stelle drei Dinge teilen, die ich in meinem ersten Jahr Selbstständigkeit gelernt habe.

1. Eine Website macht noch keine Kunden

Vermutlich ist die Anzahl meiner bisherigen Kunden (2) auch ein kleines bisschen darauf zurückzuführen, dass ich lange geglaubt habe, potenzielle Auftraggeber würden mich schon über meine Website finden. Das ist natürlich Quatsch. Meine Seite ist zwar weitestgehend SEO-optimiert, wird aber nur von zwei oder drei anderen Websites verlinkt. Eine Sichtbarkeit ist quasi nicht vorhanden. Der derzeit eingehende Traffic wird von irgendwelchen kuriosen Spambots generiert. Ab und zu verirrt sich zwar auch mal eine reale Person auf meine Seite, aber das passiert leider viel zu selten und eine Projektanfrage habe ich auf diese Weise noch nicht erhalten. Ein integriertes Blog zu meinen Schwerpunktthemen und Gastartikel zu den von mir angebotenen Leistungen mit Rückverlinkung zu meiner Website würden sicher helfen – sind für die Zukunft auch fest eingeplant. Auch Vorträge auf Konferenzen würden mir und meiner Website mehr Aufmerksamkeit bescheren, aber der beste Weg zu weiteren Aufträgen ist noch immer das eigene Netzwerk. “Gehe raus und sprich mit Menschen darüber, was du machen möchtest”, rät Monika Kanokova im Interview mit Sophie. Und psst, Netzwerken verhilft nicht nur zu neuen Jobs, sondern macht auch erfolgreicher, klüger und gesünder. Es spricht auch nichts dagegen, den traditionellen Weg zu wählen und sich bei Freelancer-Portalen anzumelden oder auf Gesuche zu bewerben.

Der Hauptgrund für nur zwei Kunden in einem Jahr liegt übrigens darin begründet, dass ich vor einem Jahr einen sehr großen Auftrag angenommen habe, der einen Großteil meiner Zeit in Anspruch nimmt und mir nur wenig Raum für weitere Projekte lässt.

2. Zeit ist Geld!

Zugegeben, diese Phrase ist schon sehr abgenutzt, hat aber nach wie vor nicht an Gültigkeit verloren. Anfang des letzten Monats habe ich zusammen mit Sophie einen Workshop gegeben und den Aufwand für die Vorbereitung total unterschätzt. Eine Recherche hier, eine Recherche da. Noch mal schnell hier etwas nachschlagen und da etwas raussuchen. Ach, und wie lautete noch gleich die Richtlinie für …? Wir lagen mit der veranschlagten Zeit für die Vorbereitung total daneben und haben uns letztendlich mächtig verkalkuliert. Damit Euch das nicht passiert, rate ich Euch bei der Berechnung des Stundensatzes nicht nur die reine Projektzeit zu berücksichtigen, sondern auch die Vor- und Nachbereitung.

Und noch ein Tipp: Auch der Papierkram der einem als Selbstständige nicht erspart bleibt wie z. B. das Rechnungen schreiben oder die Umsatzsteuervoranmeldung nehmen viel Zeit in Anspruch. Vergesst das nicht bei der Kalkulation Eures Honorars! Wie man seinen Stundensatz richtig berechnet, könnt Ihr hier nachlesen.

3. Ohne Selbstdisziplin geht’s nicht!

Wenn man selbstständig ist, ist das Arbeiten im Home Office oder einem Coworking Space nicht unüblich. Ich persönlich arbeite an beiden Orten sehr gerne. Aber Vorsicht, es warten viele Ablenkungen! Die gemütliche Couch und der Fernseher zuhause, Freunde, Bekannte und andere interessante Menschen in der Bürogemeinschaft. Konzentriertes Arbeiten an diesen Orten erfordert Disziplin. Man muss sich selbst dazu anhalten, seine Aufgaben ordentlich zu erledigen. Ich habe das bislang gut hinbekommen und bin nicht weniger produktiv als im Büro des Kunden.

Wenn wir von Selbstdisziplin sprechen, dürfen zwei weitere wichtige Aspekte nicht fehlen:

  • Deadlines und Absprachen müssen eingehalten werden.

Sollte man aus irgendeinem Grund mal mehr Zeit für eine Aufgabe benötigen oder wegen Krankheit ausfallen, ist dies rechtzeitig zu kommunizieren. Damit meine ich nicht, eine Stunde vor Fristende.

  • Unliebsame Aufgaben wie z. B. die Buchhaltung müssen gemacht werden.

Ich stehe noch ganz am Anfang meiner Selbstständigkeit. Es wird noch viele weitere Dinge zu lernen geben.

Welche Erfahrungen habt Ihr bisher gemacht?
Ich würde mich freuen, wenn Ihr Eure persönlichen Learnings mit uns teilt!

© Beitragsbild: Ryan McGuire | gratisography

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