Mehr als 10 Jahre selbstständig – 4 Frauen berichten von ihrer langjährigen Selbstständigkeit

10 Jahre selbstständig

In diesem Monat feierte ich das fünfjährige Bestehen meiner Selbstständigkeit – Parteeey! 🍸 Aber die Frauen, die ich für diesen Artikel gewonnen habe, stecken mich, was die Länge der Selbstständigkeit angeht, locker in die Tasche. Jede von ihnen ist mindestens 10 Jahre selbstständig – und das ist genau der Grund, warum ich sie gebeten habe, mir zu verraten, wie frau es schafft lange, erfolgreich selbstständig zu sein.

Denn das ist es doch was wir wollen: Erfolg in unserer Selbstständigkeit. Lest. Und: Passt gut auf, wenn Alexandra Brosowski, Andrea Lang, Carina Middendorf und Lena Schroeter von ihren Erfahrungen berichten und ihre Learnings mit uns teilen. Wir können viel von diesen Frauen lernen!

 

Alexandra Brosowski

Alexandra Brosowski „Vor vier Wochen habe ich meinen ersten fünfstelligen Auftrag unterzeichnet. Klingt großartig, fühlte sich auch so an. Das schreibe ich nicht, um anzugeben, sondern um Mut zu machen. Ich erzähle meinen Weg von der getriebenen, schlecht bezahlten Journalistin zur erfolgreichen schreibenden Unternehmerin. Fünfstellig möchte ich auch relativieren, denn diese Summe bekomme ich, damit ich als Ghostwriter ein ganzes Buch schreibe, den Buchsatz erstelle, das Selfpublishing begleite und auch die Marketingmaßnahmen betreue. Heißt viel Arbeit über Monate und muss entsprechend entlohnt werden. Daran außerordentlich ist für mich, dass ich noch vor fünf Jahren arm wie eine Kirchenmaus war und ohne jede Perspektive. Ich dachte nicht, dass ich noch vom Schreiben leben könnte, denn die Verlagswelt hatte sich durch die Digitalisierung extrem verändert.

Als ich meine Ausbildung zur Zeitungsredakteurin beendet hatte, war es gar nicht mein Plan, Freiberuflerin zu werden. Ich träumte von einer Festanstellung, von Sicherheit, von guten Gehältern. Das ist nie eingetreten, denn ich war immer irgendwie falsch: Erst weil ich Kinder bekommen konnte, dann weil ich sie hatte und dann war ich schwups zu alt und zu teuer. Sehr spannend war für mich die Erkenntnis – allerdings erst nach vielen Jahren – , dass ich mich mit meiner Persönlichkeit und meinen Talenten viel besser als Selbständige entfalten konnte.

Ich war immer gut in meinem Beruf: Flexibel, lernbereit, talentiert. Ich wurde immer wieder für viele Dinge angefragt, aber mit den dicken Autos sind dann die Auftraggeber gefahren – und zwar, ohne das Honorar pünktlich zu zahlen. Dem musste ich immer mehr hinterherrennen.

Ein großes Problem für Freiberufler in vielen kreativen Bereichen führte wohl auch mich jahrelang in den Niedriglohnsektor: Ich war überhaupt nicht unternehmerisch sozialisiert! Das ist für Journalistinnen nicht vorgesehen. Mit meinem schlechten Selbstwertgefühl war ich zudem nicht die beste Honorarverhandlerin.

Es gab zwei sehr besonders schwere Zeiten für mich: Mein Sohn war gerade sieben Wochen auf der Welt, als ich meine Krebsdiagnose bekam. Zwei kleine Kinder, Freiberuflerin, kein gelber Zettel, kein Einkommen, Todesangst. Aber genau in dieser Worst-Case-Situation habe ich sehr viel über mich und das Leben gelernt. Trotz der Existenzängste bin ich nicht verhungert. Irgendwie geht es immer weiter. Und was ist eigentlich wirklich wichtig? Es ist die eigene Lebenszeit und die Zeit, die ich mit den Liebsten verbringe.

Ich brauchte aber noch einmal eine sehr deutliche Keule, um mich menschlich und unternehmerisch zu besinnen. Etwa zehn Jahre nach der Krebsdiagnose war ich ausgebrannt, schwermütig, ratlos und fühlte mich wertlos. Obwohl ich arbeitete wie eine Verrückte. Aber unser Status war mittlerweile einfach eine riesige Mogelpackung und hatte mit FREI überhaupt nichts zu tun.

Vielleicht brauchte ich persönlich es so heftig und die Weisheit der Wechseljahre, um überhaupt zu verstehen, was ich letztendlich für mich tun musste, um wirklich eine richtige freie Unternehmerin zu sein. Ich habe dann noch mal alles auf Null gestellt, viel, viel gelernt, mir therapeutische Hilfe geholt und mein Mindset „umprogrammiert“. Zuerst habe ich auf einem großen Zettel aufgeschrieben, was ich tatsächlich alles kann – und das war eine ganze Menge. Daraus habe ich dann gefragte Produkte erstellt und habe den Schritt in die Online-Welt gewagt.

Meine zwei wichtigsten neuen unternehmerischen Leitlinien waren bei meinem Neustart:

  1. Wenig Geld verdienen kann ich auch mit mehr Spaß!“ Also mache ich nur noch das, was mein Herz erfreut.
  2. Arschlochfreie Zone!“ Böse Menschen rauben mir die Energie, die ich für mich zum Arbeiten brauche.

Die Digitalisierung hat mir nun meinen neuen unternehmerischen Weg erst ermöglicht. Denn mit den Tools kann ich bundesweit arbeiten, selber publizieren, veröffentlichen, meine Autorinnen begleiten. Ganz wichtig war es, auf meine Zahlen zu schauen. Endlich vernünftige Stundensätze zu nehmen, und zwar wenn möglich mit Vorkasse, richtig zu kalkulieren, was denn eine 50-Jährige erwirtschaften muss, um auch für die Rente noch zu sorgen. Heute kann ich sehr gut vom Schreiben leben und war sehr berührt, als ich das erste Mal in Ruhe krank sein konnte, ohne finanziellen Druck.

Ich weiß, dass es vielen Frauen so ergeht, gerade in der Kreativbranche. Es ist nicht leicht, sich nicht wie eine Sau durchs Dorf treiben zu lassen – durch den gesellschaftlichen Druck, Druck, den wir uns selbst machen oder aussetzen – gerade als Mütter.

Meine größten Learnings habe ich hier noch einmal aufgeführt:

  • Ängste loslassen, „Nein“ sagen zu schlecht bezahlten Jobs
  • Unternehmerisches Rüstzeug holen – auch mit Unterstützung/Coaching
  • Die Zahlen sind wichtig, um lebensgerechte Stundensätze zu nehmen.
  • Lasst Euch nicht von Ängsten leiten.
  • Es ist niemals zu spät. Meine Wende kam erst nach dem 50. Geburtstag.
  • Besinnt Euch auf Eure Talente.
  • Seid Gestalterinnen.
  • Feiert Euer kostbares Leben. Ihr habt nur das Eine.“

 

Andrea Lang

Andrea Lang„In der Foto-Branche gab es außer in klassischen Portrait-Studios kaum Angestelltenverhältnisse. Ein Jahr nach meiner Ausbildung zur Werbefotografin habe ich mich direkt mit ersten Aufträgen, Fotoassistenz & Bildbearbeitung selbstständig gemacht. Warum? Aus Leidenschaft!

Seit 2004 bin ich mit Herz und Seele leidenschaftliche Hamburger Fotografin. Von Anfang an hieß es „Du musst Dich spezialisieren!“ Dabei wollte ich mich gar nicht zwischen Natur- und Portrait-Aufnahmen entscheiden müssen. Ich liebte es kreativ zu sein, den Bildaufbau zu gestalten, die Freiheit verschiedene Motive aufzunehmen und den Abwechslungsreichtum. Wozu hatte ich mich sonst selbstständig gemacht? Aber von Seiten erfahrener Fotografen und Agenturen hieß es Schubladendenken. Also entschied ich mich schwerlich und gestaltete meine erste Print-Mappe mit Landschafts- und Reisefotos, in der Hoffnung für die großen Magazine in alle Welt zu reisen. Doch die Digitalisierung schritt voran und die Verkaufszahlen der Print-Magazine waren rückläufig. Gestandene Redaktions-Fotografen drangen in die anderen Bereiche der Fotografie, wie Werbung oder Portrait, ein. Die ganze Branche schien zu jammern. Oft hörte ich „Mach bloß etwas anderes. Du bist doch noch jung.“ Ich empfand das aber als Herausforderung.

Bei Mappen-Präsentationen hörte ich immer wieder, dass meine Portraits besonders ausdrucksstark seien. Bei Kids- und People-Produktionen, dass ich so einen tollen Zugang zu Menschen hätte. Ich machte also zwei Webseiten auf. Eine für die Werbeagenturen, schön clean mit wenig Text und eine für Portraits & Unternehmen, auf der ich mehr erklärte. Aber es fühlte sich für mich nicht richtig an: Zwei Visitenkarten, zwei Social-Media-Kanäle, sich immer wieder erklären müssen… Irgendwann beschloss ich auf mein Bauchgefühl anstatt auf andere zu hören. Ich vereinte alles unter einer Domain und fühlte mich ehrlich, befreit und komplett.

Im Gegensatz zu anderen Ländern ist berufliche Flexibilität und Veränderung in Deutschland nicht gern gesehen. Ich hielt Flexibilität immer für eine meiner Stärken. Natürlich sollte man nicht schwimmen und ohne jede Linie Aufträge annehmen. Aber wenn man dafür brennt, hört ein gutes Auge doch nicht irgendwo auf!

Heute habe ich mich mit fotografiehamburg.de auf individuell konzipierte Kids, People & Business Portraits spezialisiert. Am liebsten für nachhaltige und umweltfreundliche Projekte. Inzwischen arbeite ich mit Redaktionen, Werbeagenturen und Direktkunden zusammen. Dabei liebe ich die Abwechslung, mit viel Empathie sowohl einen Vorstand, als auch ein Kind aus der Reserve zu locken. Für mich sind eine lockere Atmosphäre, die passende Umgebung, Authentizität und eine Geschichte hinter jedem Foto besonders wichtig. Dadurch entstehen Fotos, mit denen man sich wohlfühlt und wieder erkennt!

„Selbstständigkeit ist wie das Leben selbst, eine ständige Weiterentwicklung.“

Wer selbstständig ist, sollte sich von der Illusion verabschieden, „irgendwann fertig“ zu sein. Das ist wie Wäschewaschen: Wenn Du alles abgearbeitet hast, was vor Dir lag, ist schon wieder das nächste dran. 😉

Daher ist es umso wichtiger, sich auch Auszeiten zu gönnen. Den Energiespeicher wieder aufzutanken. Und mit sich genauso fürsorglich umzugehen, wie mit seinen freien Mitarbeitern. Für die Erkenntnis, dass mein Anspruch „es richtig zu machen“ ca. 120% von dem anderer entspricht, habe ich viele Jahre gebraucht. Und so übe ich mich weiter in Gelassenheit.

In den 14 Jahren als selbstständige Fotografin hat sich viel verändert. Die Wertschätzung für kreative Prozesse nahm im Zuge der Digitalisierung ab. Es muss kostengünstiger produziert werden und das häufig bis gestern. Die Schnelllebigkeit geht auf Kosten der Qualität. Unpersönliche Stockbilder werden eingesetzt, wir werden überflutet von Bildern und kommen kaum noch hinterher mit all dem Content.

Kollegen, die alles schlecht reden, gibt es übrigens immer noch. Ich glaube, dass es durch Förderungen, Startup-Beratungen, bessere Infos durchs Internet und Behörden, Coworking Spaces, Austausch und Zusammenarbeit einfacher geworden ist, sich selbstständig zu machen, und es auch zu bleiben.

Wenn ich heute jungen Selbstständigen einen Rat geben sollte, ist es: „Nimm Dir immer wieder Zeit zu reflektieren, Dich weiterzuentwickeln und höre selbstbewusst auf Dein Bauchgefühl! Hinterfrage Dich und Deine Ziele, sag auch mal „Nein“ und lehne Aufträge ab, die nicht zu Dir passen, oder die zwischenmenschliche Ebene nicht passt.“

Trotz meiner heutigen Spezialisierung lasse ich es mir nicht nehmen, spannende Projekte aus anderen Bereichen zu fotografieren. Zum Beispiel Produktfotografie, Food, Event oder Reisefotografie. Ich sehe das als Horizonterweiterung!

Auch ich habe mich stets weiterentwickelt: Mittlerweile habe ich nicht nur mein Privatleben, sondern auch beim Business immer „grüner“ positioniert. Während einer Fortbildung zur Kompetenz-Beraterin stellte sich heraus, dass meine drei ausgeprägtesten Kompetenzen Kreativität, Empathie und Teamfähigkeit sind. Da finde ich mich voll und ganz wieder. Und bei einer systemischen Aufstellung hatte ich den absoluten Wow-Effekt, als ich mir selbst und meinem Business begegnete und fand heraus: Mein Beruf ist nicht nur ein Beruf, er ist Berufung!

Das Leben ist eine Ansammlung von Erinnerungen. Ich bin dankbar dafür, Menschen Freude zu bereiten und Erinnerungen zu schaffen…“

 

Carina Middendorf

„Die Sprachschule Svenska Intensiv gibt es seit 2003. Als ich in Elternzeit war, fing ich an, ein Unterrichtskonzept für Schwedisch zu entwickeln und probierte es im privaten bzw. kleinen Kreise aus. Als ich meine halbe Stelle als Sozialpädagogin beim Deutschen Kinderschutzbund wieder aufnahm, dachte ich mir, dass ich auch noch Zeit genug für Schwedischunterricht haben würde, da die Kinder Ganztagsplätze in der Kita hatten. Drei Jahre lief Svenska Intensiv recht gut als Nebenjob, aber als die Zwillinge 2006 eingeschult werden sollten, wurde das für mich ein beruflicher Wendepunkt. Die Kinder bekamen keine Hortplätze und mein Antrag auf Beurlaubung beim Kinderschutzbund wurde abgelehnt. Dann habe ich nach Absprache mit meinem Mann gekündigt und seitdem bin ich komplett selbstständig.

Anfangs habe ich ausschließlich Schwedischunterricht für Erwachsene angeboten, hauptsächlich in Form von Intensivkursen am Wochenende. Heute habe ich viele andere Formen an Aufträgen, wobei der gemeinsame Nenner „Schwedisch und/oder Schweden“ ist. Hinzugekommen ist zum Beispiel das Übersetzen und Dolmetschen und aus dem Unterricht bei Firmen sind Vorträge und Workshops entstanden. Meine Vorliebe für das Kochen und Backen ist seit 2018 zu einem eigenen Projekt geworden „Koch dich Schwedisch!“, in Zusammenarbeit mit dem Koch Anders Nordqvist. Meine Kollegin Elizabet und ich haben gerade den dritten Sprachkalender Schwedisch für den Buske- Verlag geschrieben und zur Zeit arbeite ich an einem Lehrbuch für den gleichen Verlag.

Mit der Zeit finde ich, dass es leichter geworden ist, Geld für unsere Leistungen zu verlangen. Falls jemand Svenska Intensiv zu teuer findet, dann ist es halt so. Wir bieten flexiblen, individuellen Unterricht an, der genau auf den Kunden abgestimmt ist und das können wir nicht zum Nulltarif machen – das unterscheidet uns von Volkshochschulen oder großen Sprachinstituten. Wir legen viel Wert auf Aktualität, lesen Zeitungsartikel und Romanausschnitte mit unseren Kunden, schauen auch mal einen Fernsehbeitrag, eine Folge einer Serie oder ein Stück aus einem Film. Es ist uns auch wichtig, schwedische Traditionen zu vermitteln und wir veranstalten jedes Jahr im Juni ein Midsommarfest und in Dezember einen Glöggabend. Es sind Veranstaltungen, die nicht viel Geld bringen, aber die einfach zu uns gehören und uns deshalb wichtig sind.

Eine wichtige Erfahrung ist, dass ich mich immer damit arrangieren muss, dass Vieles in unserem Geschäft nicht planbar ist. Manche Kursangebote müssen mehrmals angeboten werden, bis sie laufen, andere laufen sofort und andere wiederum nie. Aber woran das liegt, werde ich nie verstehen. Ich wusste schon immer, dass Netzwerken wichtig war, das liegt mir auch und macht mir Spaß, aber mittlerweile ist es auch wichtig, in den sozialen Medien präsent zu sein. Das macht mir auch Spaß, aber ich muss aufpassen, dass ich dort nicht zu viel Zeit investiere.

Eine Herausforderung für uns ist es, Schwedischlehrer zu finden, die zu uns passen. Wir sind ein kleines Team und es muss einfach nicht nur fachlich passen. Die Schulungsräume liegen in unserem Privathaus und ich muss Vertrauen zu den Menschen haben, die bei uns arbeiten. Sie haben einen Schlüssel und sie kochen zum Beispiel Kaffee in unserer Küche, auch wenn wir nicht zu Hause sind.

Ich hätte nicht erwartet, das ich sowas wie ein ”Promi” in Schwedenkreisen in Hamburg werden würde. Das erste Mal, wo jemand mich fragte „Bist du Svenska Intensiv?“ habe ich mich erschreckt und umständlich erklärt, dass mein Name Carina Middendorf ist und dass Svenska Intensiv meine Firma ist, aber mittlerweile stelle ich mich auch manchmal so vor „Svenska Intensiv, Middendorf“. Aber wer freiwillig im Fernsehen Knäckebrot testet, mit einen Plastikwikingerhelm auf dem Kopf, sollte sich nicht wundern, auch in der Sauna erkannt und angesprochen zu werden.

Angehenden selbstständigen Frauen möchte ich raten, Geduld zu haben und gleichzeitig lernen „to go with the flow“. Nicht krampfhaft an etwas festhalten, was nicht läuft, aber auch nicht zu schnell von einer guten Idee loslassen.“

 

Lena Schroeter

Lena SchroeterIch und selbstständig? Hatte ich nie bewusst auf dem Wunschzettel. Umso spannender, dass ich damit schon über 10 Jahre offensichtlich erfolgreich bin!

Dabei waren die ersten Schritte babyklein: hier ein Fotojob, da ein privater Grafikauftrag … bis ich noch mitten in der Ausbildung meinen Chef um die Erlaubnis zum nebenberuflichen Gewerbeschein bat. Der war happy, dass ich mit regelmäßigen eigenen Kunden vor hatte, meine Webdesign-Kenntnisse auch zu seinen Gunsten aufzupolieren – und ich in meinem Element von “was ich nicht kann, kann ich lernen”. Größere Angebote anzunehmen, konnte ich aber damals schon nicht mehr “nebenbei” wuppen. Nach der Ausbildung habe ich mich trotzdem erstmal für die gefühlt sicherere Festanstellung entschieden – immer mit weiteren eigenen Eisen im Feuer – bis mir genau dieses bildliche “von zwei Seiten angezündet”-Sein meinen ersten Burnout beschert hat. Ganz klares Pro für ein Angestelltenverhältnis an dieser Stelle; keine Ahnung, ob ich mir ein Dreivierteljahr Krankenstand sonst hätte “leisten” können.

… das war allerdings nötig, um Kraft für den nächsten besten Schritt in die 100%-ige Selbstständigkeit zu sammeln. Auch wenn schon aus Verzweiflung geboren (Kündigung wegen Geschäftsaufgabe), eine erneute Anstellung war irgendwie nie Option; genauso wenig wie aufgeben. Ich glaube, nach einer guten Portion mutigen Draufloslaufens, hat der Aufbau eines eigenen Businesses viel mit Durchhaltevermögen und Vertrauen in die eigenen Entscheidungen und das für Dich angemessene Tempo zu tun. Auch wenn genau das – mich auf mich selbst verlassen und mich gleichzeitig gut nach außen abgrenzen zu können – immer noch und immer wieder meine größten Herausforderungen sind. Am Ende ist man/frau doch SELBST die entscheidende Kraft im Unternehmen. Was nicht heißt, STÄNDIG für alle erreichbar sein zu müssen.

Das wäre jetzt ein schönes Schlusswort, hätte ich bereits erzählt, was ich eigentlich mache. Tja, auch da widerspreche ich wahrscheinlich jeglichen Business-Textbüchern, da ich weder mit einem klar definierten Ziel noch jemals mit einer spitzen Zielgruppe aufgestellt war. Meine heimliche Supermacht heißt Flexibilität. Mich damit nicht ausnutzen zu lassen, musste ich allerdings auf die harte Tour lernen. So bin ich nach verschiedenen Ausrutschern … äh, Lernfeldern! schließlich zurück in meinem gelernten Beruf und arbeite als selbstständige Mediengestalterin mobil von zu Hause in Hamburg oder von sonstwo in der Welt (am liebsten Paris!). Auch das ein schönes Learning: Freiheit nutzen, weil man’s kann. Kann ich allerdings nur empfehlen …“

4 Kommentare
  1. Annie sagt:

    Herzlichen Glückwunsch, meine Lieben. Eure Wege lesen sich ganz wunderbar. Ich wäre auch gern eine von euch. Aber ihr habt, glaube ich, alle Männer im Hintergrund, die auch Geld verdienen, so dass es immer noch eine gewisse Sicherheit gibt. Oder gibt es hier auch Frauen, die auf sich allein gestellt sind? Das macht es leider noch mal ungleich schwerer.
    Viel Erfolg weiterhin, Annie

    • Sandra sagt:

      Hallo Annie, keine der Frauen hat ihren Erfolg der finanziellen Unterstützung eines Mannes zu verdanken. Kenne alle
      Frauen persönlich – mir wäre dieser Punkt nicht bewusst. Hm, der Aufbau oder das Aufrechterhalten einer Selbstständigkeit durch finanzielle Unterstützung, ganz gleich durch wen sie erfolgt (Eltern, Partner*in, Banken etc.) mag einfacher erscheinen. Muss aber nicht so sein – bringt wieder seine ganz eigenen Vor- und Nachteile mit sich, denk ich.

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