Der Traum vom eigenen Magazin – Josephine Götz im Interview

Der Traum vom eigenen Magazin – Josephine Götz im Interview

Auf unserer “Über uns”-Seite habe ich es ganz kurz mal fallen lassen: Ich lieeebe Magazine. Deswegen stand auf meiner “Wen ich für den Blog unbedingt mal interviewen möchte”-Liste auch schon von Anfang an Josephine Götz, die vor einiger Zeit das Päng!-Magazin auf die Beine gestellt hat… und das es nun leider nicht mehr gibt. Aber gut… die Augen ausheulen werde ich mir deshalb später noch.
Vorher stelle ich erstmal all meine neugierigen Fragen an Josephine, die aktuell in London wohnt, dort als freiberufliche Autorin arbeitet und gerade ihren ersten Roman schreibt.

War der Grund für Deine Selbstständigkeit einfach der Wunsch, ein eigenes Magazin herausbringen zu können oder ging es auch generell um das freie Arbeiten?

Geplant war da nichts, auch wenn es sich schon lang vorher angedeutet hat, dass ich nicht der Typ „Bewerbung schreiben, Assessment-Center machen, im Riesenkonzern hocharbeiten“-Typ bin. Kurz vorm Studienabschluss habe ich zahlreiche Stellenangebote durchforstet, keins hat mich angesprochen. Als ich hingegen die Idee zu Päng! hatte, wusste ich sofort: Das ist es!

Hattest Du Vorbilder?

Adolf Theobald ist/war ein großes Verlegervorbild. Ich habe ihn auch dazu bewegen können, Mentor von Päng! zu werden. Außerhalb der Verlagsbranche himmel ich Uschi Obermaier an: Machen, worauf man Bock hat, leidenschaftlich leben, mit dem Herz entscheiden.

Hast Du eine Ahnung, woher die Liebe und Leidenschaft für Print stammt?

Die war schon immer da. Ich hatte das Glück in einem Haushalt aufzuwachsen, in dem Bücher nicht nur rumstehen, sondern gelesen werden. Mir hat man als Kind noch kein Smartphone in die Hand gedrückt, sondern mir Geschichten vorgelesen. Meine ganzen Kindheitshelden, Ronja Räubertochter, Michel aus Lönneberga, kenne ich aus Büchern. Dafür gibt es für mich bis heute keinen Ersatz.

Kannst Du Dich an den Moment erinnern, in dem Du dachtest: „Ok, jetzt pack ichs an und mache mein eigenes Ding“?

Die Idee kam mir im Urlaub und ließ mich vom ersten Moment an nicht los. Da gab es wirklich keine Überlegung, kein Zweifel. Ich hatte einfach so Bock drauf. Mir hätten die Leute sonst was erzählen können und ich hätte es trotzdem gemacht.

Konntest Du von Päng! komplett leben oder musstest Du nebenbei auch andere Jobs annehmen?

Zwei Jahre habe ich von Päng! und einer monatlichen Unterstützung der Stadt Stuttgart gelebt. Auf Dauer hätte das aber nicht gereicht.

Was waren Deine größten Bedenken?

Wenn man weiß, dass Menschen immer leichter Kritik äußern, als Lob auszusprechen, dann kann einem eigentlich nichts passieren. Klar hatte ich Schiss vorm ersten Außenfeedback. Es war aber grandios. Was auch nicht leicht war: die Hilfe von anderen anzunehmen. Das geht mir immer noch nicht leicht von der Hand – Hilfe annehmen ohne zu denken, dass eine Gegenleistung erfordert wird.

In welchem Moment dachtest Du: „Ja, richtige Entscheidung“?

In denen, wenn das Heft druckfrisch aus der Druckmaschine kam. In denen, wenn wir alle zusammen auf die Lieferung der Druckerei gewartet haben, um unser „Baby“ bei Wind und Wetter ins Büro getragen haben. In denen, in denen bisher fremde Menschen auf den Messen, in den Läden, überall wo wir wir waren, Päng! zum ersten Mal gesehen, gekauft, gelesen und uns danach erzählt haben, wie es sie glücklich gemacht hat. In denen, in denen ich auf Vorträgen stolz davon erzählt habe. Von der ersten Idee bis zum letzten Heft.

In welchem Moment war es eher der Gedanke: „Falsche Entscheidung“?

Ein Jahr später hatte ich einen Moment, als mir bewusst wurde, wie viel ich investiert hatte und wenn ich mich in der Zeit hätte anstellen lassen, wie viel ich vielleicht hätte sparen können für eine große Reise. Der Moment hielt nur kurz. Ich bereue keine Sekunde von Päng! – diese Erfahrung, diese Energie, diese wahnwitzige Zeit kann mir keiner mehr nehmen. Die Reise habe ich trotzdem gemacht und das Geld verdiene ich jetzt eben danach.

Päng!-Magazin

Was sagst Du jemandem, der sein eigenes Magazin machen möchte?

Wenn du von deinem eigenen Magazin träumst, aber davon nicht leben willst, mach es einfach! Wenn du davon leben willst: Investiere sehr viel Zeit für deinen Finanzierungsplan und danach in die Anzeigenakquise.

Wie sah so eine Woche als selbstständige Herausgeberin grob aus?

Päng! war: sehr früh aufstehen, sehr früh sehr viele Emails checken, ins Büro gehen, mit allen zusammensetzen und schauen, wie die Lage ist und dann den Rest des Tages Sachen machen, die eigentlich nicht gehen und sich nach jedem Heft fragen: Wie haben wir das eigentlich gemacht?

Bei mir haben sich meine Oma und Opa richtig Sorgen gemacht, als ich mich selbstständig gemacht habe, weil ihre Generation einen festen Arbeitsplatz für super wichtig hält. Wie hat Deine Familie reagiert? Sind die auch aus allen Wolken gefallen?

Die haben es damals nicht gleich verstanden. Ich habe es aber immer wieder erklärt und hatte dann ihre vollste Unterstützung – als alles gut lief und auch, als sich abgezeichnet hat, dass ich aufhören will.

Würdest Du sagen, dass es für Frauen eine größere Herausforderung ist, selbstständig zu sein?

Ob selbstständig oder angestellt: Es ist für jede Frau eine Entscheidung, beruflich in die Vollen zu gehen. Deswegen machen es ja auch nicht alle. Man hat einfach weniger Ressourcen in der Zeit für andere Sachen.

Hattest Du je den Gedanken: „Wenn ich ein Mann wäre, wäre das jetzt einfacher“?

Nö. Ich genieße jede Sekunde als Frau und als erfolgreiche Frau noch mehr – fühlt sich sexy an. Logisch, in dem Moment, in dem ich mit Päng! nicht weitergemacht habe, hieß es aus einigen Ecken: „War vielleicht doch zu viel Verantwortung… Na die Beziehung sollte halt auch nicht zu kurz kommen… So viel Stress ist schon ungesund“. Ich denke, so was hören Männer eher weniger.

Sind die Mädels in Deinem Freundeskreis überwiegend selbstständig oder angestellt?

Angestellt. So richtig Vollzeit-selbstständig, da bin ich unter meinen besten Freundinnen die einzige.

Gibt es von ihrer Seite eher Bewunderung für Deine Selbstständigkeit oder Bedenken?

Sie sind sehr stolz, ziehen den Hut, erfreuen sich an den aufregenden Geschichten und wollen in stressigen Zeiten, wenn ich mal wieder nicht abschalten kann und keinen Punkt finde, nicht tauschen.

Gibt es eine Chance, dass es mit Päng! doch noch mal weiter geht?

Vorerst nicht. Päng! kam wie ein Knall, war plötzlich da, hat für viel Wirbel gesorgt und war plötzlich verschwunden. Aber sag niemals nie!

Päng!-Magazin Nr. 05

Gibt es noch einen unerfüllten Traum, den Du unbedingt anpacken möchtest?

Ein gedrucktes von mir geschriebenes Buch. Und irgendwann nochmal für was länger nach Asien.

Ach, und da mit unserem Blog alles beim Frühstück anfing, stellen wir auch jedem die Frage: Was isst Du am liebsten zum Frühstück?

Frühstücksei mit Kaviarcreme. Dazu ein Körnerbrötchen mit Lachs. Dazu Cappuccino und ´nen Mangoshake. Oh Gott!

Liebe Josephine, vielen Dank, dass ich Dich löchern durfte, viel Erfolg mit Deinem Roman und viele Grüße nach London (wo ich auch gerade ganz gerne wäre)!

Hier könnt Ihr all die erschienenen Päng!-Magazine übrigens noch mal durchblättern.

Und falls Ihr noch mehr Inspiration braucht, schaut doch mal auf unserem Pinterest Board „Inspirierende Frauen“ vorbei!

Kategorien

7 Kommentare Kommentar hinzufügen
  1. 3
    stern

    Ganz im ernst, sie klingt stark – mindestens so stark wie zu Beginn. Und das soll was heißen. Ganz gewiss waren viele Stunden zermürbend, ungewiss und nerven-zerreißend und doch lese ich hier eine Erfolgsgeschichte! 🙂
    Schöne Worte, schönes Interview, dankeschön!

  2. 7
    Julia

    Ein seeeehr schönes Interview, auf das ich zufällig über Umwege gestoßen bin. Auch ich habe Päng geliebt und jeden Kioskverkäufer gelöchert, wann das neue Heft kommt und ob er es hat. Seufz. Jammerschade, dass es das Magazin nicht mehr gibt!

+ Hinterlasse einen Kommentar