Dann mal her mit den Kröten! – Den richtigen Stundensatz berechnen

Dann mal her mit den Kröten! – Den richtigen Stundensatz berechnen

Wenn es darum geht, wie viel Geld wir verdienen wollen, schauen wir nach links und rechts, nach vorne und nach hinten – auf andere und auf das, was als „branchenüblich“ gilt.

Bevor wir eine Zahl nennen, wollen wir uns erstmal umhören und nachlesen und legen darauf Wert, in den Augen anderer nicht zu viel, aber in unseren Augen eben nicht zu wenig zu verlangen.

Warum ist es uns bei der Gehaltsfrage so wichtig, was andere bekommen? Sollten wir nicht ganz einfach schauen, was wir brauchen, um so zu leben, wie wir es wollen?

Ja klar! Jetzt höre ich wieder die, die schreien: „Wenn es darum ginge, was ich will, dann hätte ich gerne Millionen.“ Komischerweise sind das immer die Leute, deren Leben bei Weitem nicht schlecht ist: Schöne Wohnung, ein Auto, ab und an ein toller Urlaub. Trotzdem soll es immer eine noch größere Wohnung, ein noch dickeres Auto und noch mehr Urlaub sein. Das komische an den Menschen ist eben, dass sie immer mehr wollen, als sie haben.

Berechnungsgrundlage für Stundensätze: Was muss ich verdienen?

Ok, also wenn es um die Frage geht, was man denn braucht, einfach mal realistisch bleiben und nicht gleich wieder Dollarzeichen in den Augen aufblitzen lassen.

Das Geld-Thema überrollt ja sowohl Festangestellte als auch Selbstständige irgendwann mal. Als Selbstständige aber wahrscheinlich wesentlich öfter, da die Stunden-/Tagessatz-Frage mit jedem neuen Auftrag aufkommt. Außerdem kennt einen der Auftraggeber meist noch nicht persönlich und weiß nicht, was er erwarten kann, sodass man sich – anders als bei einer Festanstellung, wenn es um eine Gehaltserhöhung geht – eben noch nicht „profiliert“ hat.

Auch ich habe mich vor meinem ersten Auftrag durch etliche Artikel und Gespräche gewuselt, weil ich keine Ahnung hatte, was ich hätte verlangen können. Natürlich waren darunter auch Tipps, beispielsweise dass man selbstbewusst sein und nicht damit anfangen solle, zu wenig zu verlangen.

Wenn Kunden in Verhandlungen blöd reagieren

Daraufhin habe ich meine erste Idee von einem Stundensatz, der vielleicht etwas über dem eines Studentenjobs lag, leicht nach oben korrigiert. Ich würde sagen, dass ich damit immer noch unter dem lag, was „branchenüblich“ wäre. Und trotzdem gab es vom Kunden große Augen, als es ausgesprochen war. Und ich war nicht sicher, ob Sätze wie „Boah, das ist aber ordentlich“ ernst gemeint waren oder mich einfach verunsichern und den Preis drücken sollten. Das ist eben immer das Problem: Diese kleinen psychologischen Tricks, die einen direkt aus der Bahn werfen. Einfach gar nichts zu sagen, gehört auch dazu. Auch schon erlebt. Um diese unangenehme Pause zu unterbrechen, schwuppst dann automatisch ein „Wenn das zu teuer ist, kann ich da aber auch noch etwas runtergehen…“ raus. Nein!

Ein Tipp von Berufscoach Alexandra Reiter, die wir hier schon mit neugierigen Fragen ausgequetscht haben: Nicht mit dem Preis runtergehen, sondern anbieten, den Leistungsumfang anzupassen, d.h. zu reduzieren.

So berechnet man als Selbstständige einen sinnvollen Stundensatz

So, jetzt aber mal Butter bei die Fische. Also ein bisschen zumindest. So solltet Ihr vorgehen, wenn Ihr einen angemessenen Stundensatz berechnen wollt: Leider bin auch nicht diejenige, die einfach ganz offen und ehrlich sagen will: „So und so viel verdiene ich.“ Aber ich habe von einer guten Freundin eine Liste zugesteckt bekommen, die mir dabei hilft, herauszufinden, was ich pro Stunde verdienen muss, um das zu bekommen, was ich brauche – ohne darauf angewiesen zu sein, dass andere mir verraten, was sie verlangen.

In diese Liste trägt man all seine Ausgaben ein (Versicherungen, Steuern, Geld für Urlaub, Sparen für Rücklagen, Wohnung…), schaut dann, wie viele Tage man im Jahr tatsächlich berechnen kann (Urlaub, Feiertage, evtl. Krankheitstage, Buchhaltung etc. berücksichtigen) und schwuppdiwupp steht da eine Zahl, die sagt, wie viel man pro Stunde verlangen muss, um seine Kosten mit den verfügbaren Tagen zu decken.

Lieber einen realistischen Stundensatz berechnen

Klar könnt Ihr gerne etwas übertreiben, Euch all die Urlaubstage nehmen, die Ihr am liebsten so hättet und etwas mehr Budet für eine Reise oder ein Auto einplanen, aber klar erhöht sich so der nötige Stundensatz und der Druck, die Arbeitstage mit Aufträgen zu diesem Satz zu füllen. Und jeder, der selbstständig ist, weiß, dass das auch noch eine Herausforderung ist. Aber spielt gerne mal etwas rum.

Ich hänge Euch die Tabelle zur Kalkulation des Stundensatzes hier mal ran 🙂

Und natürlich würden wir uns sehr über Kommentare zum Thema freuen: Welche Erfahrung habt Ihr bei Honorarverhandlungen gemacht? Und würdet Ihr euch generell wünschen, dass wir miteinander offener über das Gehalt sprechen?

Honorarkalkulation für Freiberufler – PDF
Honorarkalkulation für Freiberufler – Excel

© Beitragsbild: Ryan McGuire | gratisography

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7 Kommentare Kommentar hinzufügen
  1. 1
    Linda

    Die Liste kenne ich – ist sehr gut 🙂
    Ich hab die am Anfang auch benutzt, mich aber trotzdem nicht dran gehalten. Ich konnte zwar irgendwie von meiner Selbstständigkeit leben, aber toll war es nicht.
    Jetzt nach 4 Jahren hab ich meine Preise ordentlich angehoben, um ein angenehmes Leben zu haben. Und damit meine ich nicht zwei Monate Urlaub pro Jahr 😉 Rücklagen, Altersvorsorge und Krankheiten sind bei meiner bisherigen Preiskalkulation nämlich außen vor geblieben. Das ändert sich jetzt!

    Lieben Gruß
    Linda

    • 2
      Sophie

      Hey Linda. Vielen Dank für deinen Kommentar! Wie waren denn die Reaktionen – vor allem bei bestehenden Kunden , nachdem du deinen Satz angehoben hattest?

      Beste Grüße! Sophie*

  2. 3
    Andrea

    Aah ein sehr wichtiges Thema! Ich habe bei meinem ersten Webdesign-Job einfach den Stundenlohn einer sehr erfahrenen Kollegin halbiert und noch 1,50€ abgezogen. Sehr hemdsärmelig, kam aber gut an. 😉 Vermutlich, weil es so niedlich war.
    Generell würde ich mir wünschen, wir gingen sehr (!) viel offener mit unseren Gehältern um. In Deutschland ist das so ein krasses Tabuthema und ich kann das gar nicht nachvollziehen. Ich lese viele amerikanische Personal Finance Blogs, auf denen sehr offensiv aufgelistet wird, was im letzten Monat verdient wurde. Und für mich ist das ungeheuer motivierend.
    Leider ist es gerade unter Frauen doch oft so, dass dann Neid aufkommt… Warum verdient die so viel (mehr als ich). Ein Umstand, der mich sehr wütend macht. Aber ein anderes Thema 🙂
    Ich plädiere jedenfalls für Offenheit im Bezug auf Geld! Ist doch nur Papier mit aufgedrucktem Wert…
    Alles Liebe
    Andrea

    • 4
      Sophie

      Hey Andrea,

      vielen Dank für deinen Kommentar! Auf der einen Seite habe ich auch immer gesagt, ich würde gerne offener mit dem Thema Gehalt umgehen wollen. Auf der anderen Seite habe ich dann gemerkt, dass ich mit Kollegen direkt nicht so gerne darüber spreche – eben genau, weil es bei direkten Kollegen doch zu einem Problem wird, wenn klar ist, wer mehr oder weniger verdient, weil man ja auch weiß, wer was leistet. Das ist mit Freunden, die in ganz anderen Unternehmen arbeiten eben schon wieder was anderes. Da fällt es auch leichter, mal offen über das Geld zu sprechen.

  3. 7
    Annett

    Ich habe eben mit der Exceltabelle gearbeitet um meinen Stundensatz zu planen. Beim Ausfüllen ist mir jedoch aufgefallen, dass die Tabelle keine Formeln enthält. Das heißt, die Summen werden nicht automatisch berechnet. Aber das ist mithilfe von Excel schnell ergänzt.
    Ich habe für mich noch die Punkte „Weiterbildung & Fachliteratur“ bei den Ausgaben sowie „Kranktage“ bei den Arbeitstagen hinzugefügt. Als Ergebnis hab ich jetzt eine persönliche, kalkulierte Stundensatz-Zahl, die nicht einfach aus der Luft gegriffen oder bei der Konkurrenz abgeschaut ist. Danke für das Tool!

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